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«Wir haben sämtliche Optionen geprüft»

Micheline Calmy-Rey, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). (Helmut Wachter/13 Photo)

Sie haben Anfang dieser Woche nach einer schwierigen Mission Max Göldi aus Tripolis zurückgebracht. Nach Ihrer Rückkehr ging ein Hickhack los, ein Suchen nach Fehlern und Schuldigen.

Aber ein bisschen Lob hätten Sie auch erwartet?

Gab es für Sie auch demütigende Momente, etwa im Zelt mit Ghadhafi, als der libysche Revolutionsführer und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi frauenfeindliche Witze austauschten?

Das wurde von den Medien kolportiert. Stimmt es nicht?

Diese Frauenwitze haben Ihnen nichts ausgemacht? Beim einen Ohr rein und beim andern raus?

Worüber haben Sie mit Ghadhafi gesprochen, wenn nicht über die Geiselaffäre?

Worüber wurde gesprochen?

Berlusconi habe Sie gefragt, ob sie aus Genf kämen, worauf Ghadhafi sofort eingeworfen habe, die Romandie gehöre sowieso Frankreich zugeteilt.

Konnten Sie Ghadhafi überzeugen?

Auf der Homepage von Hannibal Ghadhafi werden sie als «altes Weib» beschimpft . . .

Und sein Vater Muammar will die Schweiz immer noch zerschlagen. Offenbar sind in der Herrscherfamilie immer noch viele Hassgefühle gegen die Schweiz da.

Die Schweiz hat diese Krise nicht allein bewältigen können. Was bedeutet es, dass man einen freundlichen Onkel aus Italien und einen Paten aus Madrid dazubitten musste?

Zuvor sollen alle möglichen Vermittler der Schweiz geholfen haben: König Juan Carlos, der Emir von Katar, der UNO-Generalsekretär, Hillary Clinton, der algerische Ex-Präsident Ben Bella, der Scheich von Abu Dhabi, Ägypten, Jean Ziegler.

Das zeigt doch, dass man lange keine Strategie hatte und . . .

Das ist nicht gelungen.

Offenbar war der Bundesrat überzeugt, dass das EDA auf der diplomatischen Ebene nicht weiterkam.

Schon Couchepin soll als Bundespräsident im Jahr zuvor versucht haben, Ghadhafi zu kontaktieren.

Stimmt es, dass Abu Dhabis Scheich Khalifa Bundespräsident Merz in Aussicht stellte, einen Kontakt zu Ghadhafi herzustellen?

Es brachte nichts. War es danach Ihre Idee, den Konflikt dann mithilfe des Schengen-Abkommens auf die europäische Ebene zu tragen?

Gab es auch eine militärische Option?

Ein Militäreinsatz der Schweiz gegen Libyen wäre etwas Einzigartiges gewesen.

Gab es konkrete Pläne für eine Militärintervention?

Die libysche Seite behauptet, solche Pläne hätten dazu geführt, dass die Geiseln aus der Botschaft abgeholt und «an einen sicheren Ort» gebracht wurden. Haben die Libyer Wind bekommen von den Militärplänen der Schweiz?

Wieso hat man nicht schon früher Visa-Restriktionen beschlossen?

Was waren die schwierigsten Momente?

Offenbar wollte Ghadhafi zu einem bestimmten Zeitpunkt die Schweizer Botschaft stürmen lassen. Berlusconi habe ihn am Telefon überzeugt, es nicht zu tun.

War die Schweiz einverstanden, dass Göldi inhaftiert wurde?

Weshalb haben die Libyer Hamdani zuerst gehen lassen? Die SVP sagt, weil er ein «Papierli-Schweizer» sei.

Hat die libysche Seite in den Verhandlungen einen Unterschied zwischen den Geiseln gemacht?

Es hiess, Hamdani habe mit dem Premierminister Tennis gespielt.

Ist die Lehre aus dieser Krise, dass die Schweiz nur noch mithilfe der EU in der Lage ist, international genug politischen Verhandlungsdruck aufzusetzen?

Und als die Schweiz die Liste aufgab, war das nicht auf Geheiss der EU, sondern immer noch gemäss Plan und Strategie?

Hat die Libyen-Affäre bewiesen, dass auch die Schweiz in einer grösseren Staatengemeinschaft besser aufgehoben wäre?

Worüber wird nun in Madrid verhandelt?

Wieso haben Sie nicht von Anfang an mitgeteilt, dass ein Lösegeld in der Höhe von 1,5 Millionen Franken gezahlt wurde?

Das ist doch Wortklauberei.

Wenn Sie zurückblicken: Wie konnte der Zwischenfall in Genf zu einer solchen Staatsaffäre eskalieren?

Hat sich Herr Merz bei Ihnen bedankt? Mit der Geiselbefreiung ist auch ihm bestimmt ein Stein vom Herzen gefallen.