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«Grün hat Potenzial»

Die Höhepunkte ihrer Amtszeit sind der Umbau des Bahnhofplatzes und der Durchbruch fürs Tram Bern West: Nun möchte Regula Rytz (gb) ihre Arbeit weiterführen und weitere vier Jahre im Berner Gemeinderat bleiben.

An der Wand hängen Baupläne, in einer Ecke sind Gummistiefel fein säuberlich aufgereiht: Regula Rytz (gb) hat gestern in einer Baubaracke beim Bahnhof über ihre Ziele als Gemeinderätin in den nächsten vier Jahren informiert. Der Ort war mit Bedacht gewählt: In ihrer bisherigen Amtszeit hat sich die Vorsteherin der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS) schwergewichtig mit dem Bau des neuen Bahnhofplatzes beschäftigt. «Als oberste Bauherrin weiss sie, wie wichtig Teamarbeit ist», sagte GB-Präsidentin Natalie Imboden.

Das GB habe «ihre» Gemeinderätin einstimmig nominiert. Zur Wiederwahl ins Stadtpräsidium empfehle die Partei Alexander Tschäppät (sp). Imboden bekräftigte gestern die Auffassung des GB, wonach der Rot-Grün-Mitte-Liste eine vierte Kandidatur der Grünen Freien Liste (GFL) gut anstehen würde (siehe «Bund» vom 27. November 2007). «Wir sind die grünste Stadt der Schweiz», erklärte sie unter Anspielung auf den Wähleranteil von 25 Prozent, den die grünen Parteien in der Stadt Bern bei den letzten Nationalratswahlen erzielt haben. Der GFL-Vorstand hat eine Kandidatur bereits abgelehnt. Zudem will die GFL die RGM-Gemeinderatsliste finanziell nicht unterstützen. Der definitive Entscheid über eine allfällige GFL-Kandidatur steht aber noch aus.

Im Kampf gegen die Verkehrsflut

Rytz präsentierte sich als Vorkämpferin für den öffentlichen Verkehr und zeigte sich besorgt über die Zunahme des Individualverkehrs. Ihr «grösster kollektiver Erfolg» sei der Durchbruch für das Tram Bern West. Dank «konsensorientiertem Vorgehen» habe sogar eine knappe Zustimmung in Bern West erzielt werden können. Trotz Tram führe jedoch der «aussergewöhnliche Stadtentwicklungsschub» der letzten Jahre zu einer Zunahme der Mobilität, die die städtische Politik der Verkehrsvermeidung und -verlagerung infrage stelle. «Die heute prognostizierte 70-prozentige Verkehrszunahme auf den Autobahnen rund um Bern darf aus meiner Sicht nicht akzeptiert werden», sagte Rytz. Laut einer jüngst präsentierten Studie des Kantons steige das Verkehrsvolumen auf der A1 bis ins Jahr 2030 gar um 172 Prozent. Sie werde sich zwar für den Lärmschutz in den stark betroffenen Quartieren einsetzen, sagte Rytz. Den massiven Ausbau der Strassenkapazitäten lehne sie aber ab. Die Gelder des Bundes sollten vielmehr in den «gemeindeüberschreitenden Langsamverkehr» investiert werden.

Das Thema Road-Pricing, das Rytz einst mit einer Reise nach London auch in Bern lancierte, ist für die Stadtberner Verkehrsdirektorin zurzeit nicht akut. Momentan gebe es noch genug Mittel zur Verkehrslenkung, sagte Rytz. Angesichts der erwähnten Zuwachsraten des Individualverkehrs dürfte der Leidensdruck in der Bevölkerung aber zunehmen und Road-Pricing wieder aktuell werden.

Rytz zeigte sich auch als Befürworterin eines autofreien Bahnhofplatzes. Ende April werde der Platz aber wieder für den Individualverkehr freigegeben, wie das in der vom Volk genehmigten Abstimmungsvorlage auch vorgesehen sei. Die Initiative für einen autofreien Bahnhofplatz, wie sie die SP zurzeit vorbereitet, sei begrüssenswert. Sie dürfe aber nicht auf Kosten des Länggassquartiers gehen.

Kein generelles Bettelverbot

Die Probleme des Verkehrs und der Infrastruktur können längerfristig «nur in grösseren geografischen Räumen» gelöst werden, sagte Rytz. Sie sei zwar eine Befürworterin der Regionalkonferenz, diese reiche aber nicht aus. Bern müsse sich mit seinen Nachbargemeinden zusammenschliessen. «Raufen sich Stadt und Region in dieser Frage nicht zusammen, dann werden Lausanne, Winterthur und Luzern uns an Grösse und Bedeutung überholen». Die Stadt könne als Partner aber nur attraktiv sein, wenn sie den Bilanzfehlbetrag «rasch abbauen kann», sagte Rytz.

Die Gummistiefel in der Baubaracke beim Bahnhof bleiben unberührt. Rytz will das Schuhwerk offenbar nicht wechseln. So sieht sie auch den jüngst demonstrierten Einsatz der RGM-Mehrheit für mehr Sicherheit und Sauberkeit nicht als Wendehalspolitik, da die Stadt seit Jahren gegen Littering und Vandalismus vorgehe. Zur vom Gemeinderat ausgearbeiteten neuen Bahnhofordnung samt Bettelverbot will sich die Gemeinderätin aus Gründen der Kollegialität nicht äussern. Ein generelles Bettelverbot für die ganze Stadt lehne sie jedoch ab, sagte Rytz.

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