Dieses Signal kann die SRG nicht ignorieren

Im Gezerre um den Standort des Radiostudios ist ein Kompromiss möglich. Es braucht mehr Respekt für die «Idée Suisse».

Der Kampf ums Studio: Kopfhörer in einem Studio von Radio SRF 4 News in Bern.

Der Kampf ums Studio: Kopfhörer in einem Studio von Radio SRF 4 News in Bern.

(Bild: Keystone Anthony Anex)

Patrick Feuz@patrick_feuz

Wenn die grosse Parlamentskammer der Schweiz überparteilich und unzweideutig kundtut, dass sie den Umzug des Radiostudios von Bern nach Zürich nicht will, dann ist klar: So wie geplant, kann die SRG die Sparübung nicht durchziehen. Sie ist kein Unternehmen wie jedes andere. Sie lebt im Wesentlichen von den Gebühren, die alle Bürgerinnen und Bürger in diesem Land bezahlen müssen, und vom Goodwill der Politik. Diese räumt ihr medienpolitisch eine privilegierte Stellung ein. Also kann die SRG jetzt nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Selbst dann nicht, wenn der Ständerat die Vorstösse des Nationalrats nicht unterstützen sollte.

Bisher hat die SRG den Widerstand gegen die örtliche Verschmelzung von Radio und TV im Zürcher Leutschenbach mit dem Hinweis abgetan, dahinter stünden profilierungssüchtige Regionalpolitiker. Das geht ab sofort nicht mehr. Die SRG-Spitze und ihre PR-Berater haben schlicht die Stimmung im Land unterschätzt: die Sorge nämlich, dass die Zentralisierung die publizistische Vielfalt beschädigt und unter TV-Diktat ein Info-Moloch entsteht, eine auf Tempo getrimmte Verwurstungsmaschine, die Sendungen wie «Echo der Zeit» und weiteren Radio-Flaggschiffen die Seele raubt.

Die SRG muss wirtschaftlich arbeiten, die Bevölkerung will künftig weniger Gebühren zahlen. Auch steht – trotz föderalistischem Auftrag – nirgends geschrieben, dass die nationale Radio- und Fernsehgesellschaft ihre Arbeitsplätze nach regionalpolitischen Kriterien verteilen muss. Zudem muss die SRG wie andere Medienunternehmen neue Wege und Formen finden, um angesichts der veränderten Mediennutzung mit ihren Inhalten künftig überhaupt noch genug Konsumenten zu erreichen. Ein schwieriger Job.

Doch maximaler Effizienzgewinn kann nie die oberste Maxime der SRG sein. Sie selber hat ihr Wesen schon mit «Idée Suisse» umschrieben. Jetzt muss sie nur genau hinhören, was der Nationalrat darunter versteht. Dann ist für die geplante Reform des Schweizer Radios und Fernsehens ein schlauer Kompromiss möglich.

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