Experten sagen: Grossbern hat Potenzial

Eine Studie zeigt, dass die Fusion von Bern und Ostermundigen langfristig sinnvoll ist. Auch für andere Gemeinden könnte sie Vorteile bringen. In Bremgarten würden aber die Steuern steigen.

Bald Bern, so weit das Auge reicht, oder doch nicht? Die Fusion von der Stadt Bern mit fünf umliegenden Gemeinden wäre möglich.

Bald Bern, so weit das Auge reicht, oder doch nicht? Die Fusion von der Stadt Bern mit fünf umliegenden Gemeinden wäre möglich.

(Bild: Keystone)

Naomi Jones

Ostermundigen kann mit Bern fusionieren. Bremgarten, Bolligen, Frauenkappelen und Kehrsatz können es auch, sofern sie denn wollen. Zu diesem Schluss kommt die am Freitag präsentierte, neue Machbarkeitsstudie, welche die sechs Gemeinden im letzten Sommer in Auftrag gegeben haben. Die Fusion sei zwar nicht zwingend, aber langfristig «voraussichtlich vorteilhaft», schreiben die Studienautoren. Die Zusammenarbeit der Gemeinden sei bereits heute eng und könne ohne Fusion nicht wesentlich vertieft werden.

Das Beratungsbüro Ecoplan untersuchte für jede der beteiligten Gemeinden, welche Vor- und Nachteile eine Fusion mit der Stadt Bern oder mit allen Gemeinden hätte. Es untersuchte dabei verschiedene Themen aus dem Alltag der Bürger und der Verwaltung:

  • Wie viele Steuern zahlen die Bürger nach einer Fusion? Die meisten eher weniger, denn der Steuerfuss käme auf den der Stadt Bern (1.54) zu liegen. Nur für die Bürger von Bremgarten wäre die Fusion demnach mit einer Steuererhöhung verbunden. Zudem müsste die fusionierte Gemeinde sogar rund 10 Millionen Franken einsparen, um den Steuerfuss der Stadt Bern zu halten.
  • Was geschieht mit den Gemeindeangestellten? Sie sollen eine Arbeitsplatzgarantie und Verträge wie die Angestellten der Stadt Bern erhalten. Für die meisten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gemeinden würde sich das Arbeitsverhältnis also verbessern. Die fusionierte Gemeinde hätte dadurch aber rund 2 Millionen Franken mehr Lohn- und Pensionskassenkosten als heute.
  • Wo gehen die Kinder zur Schule? In der Infrastruktur und Verwaltung würde vieles gleich bleiben. Die Gemeinden könnten hier auch nicht grosse Synergien nutzen. Denn die Kinder gehen da zu Schule, wo sie wohnen, und der Schnee muss im Winter überall geräumt werden.
  • Wie können die Bürger der fusionierten Gemeinde politisch mitbestimmen? Die neue Grossgemeinde könnte Wahlkreise bilden oder in einer Übergangszeit für die neuen Stadtteile Sitze im Parlament und im Gemeinderat garantieren. Von den Wahlkreisen würden auch alte Stadtteile von Bern profitieren. Heute ist Bümpliz im Parlament untervertreten. Mit einem eigenen Wahlkreis hätte der Westen eine bestimmte Anzahl Sitze zugute.

Gemeindepräsidenten und Gemeindepräsidentinnen stellten die Studie am Freitagmorgen gemeinsam mit den Autoren vor. Bis Mitte Mai können sich die Bürger und Bürgerinnen an verschiedenen Veranstaltungen oder online zu den Fusionsplänen äussern. Bis Ende Jahr werden die Parlamentarier in den verschiedenen Gemeinden entscheiden, ob eine Fusion in Angriff genommen werden soll oder nicht. Am Schluss werden aber die Bürger und Bürgerinnen darüber abstimmen.

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