«Die perfekte grüne Batterie gibt es noch nicht»

Die Berner Mobilitätskonferenz will die E-Mobilität besser fördern. Für die Energieforscherin Merla Kubli ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

Wie fördert man die E-Mobilität am Besten? Die Expertin gibt Auskunft.

Wie fördert man die E-Mobilität am Besten? Die Expertin gibt Auskunft.

(Bild: Adrian Moser)

Ein Zusammenschluss aus Berner Interessensverbänden und Parteien fordert die Abkehr vom Verbrennungsmotor. Zudem solle die Stadt Bern mit zahlreichen Massnahmen die E-Mobilität besser fördern.

Merla Kubli forscht an der Uni St. Gallen sowie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften zu nachhaltigen Energiesystemen. Sie schätzt die Pläne der Mobilitätskonferenz mehrheitlich positiv ein.

Die Berner Mobilitätskonferenz will mehr öffentliche Ladestationen. Können die Leute ihr E-Auto nicht einfach zu Hause aufladen?
Öffentlich zugängliche Ladestationen sind wichtig, um E-Fahrzeuge auch attraktiv für längere Strecken zu machen. Zudem ist es essenziell für E-Auto-Fahrer, die keine eigene Ladestation zu Hause installieren können.

Woher soll in Bern der Strom für die öffentlichen Ladestationen herkommen?
Öffentliche Ladestationen werden meist tagsüber genutzt. Das bringt den Vorteil, dass sie mit Solarstrom von den Hausdächern von Unternehmen oder Verwaltungsgebäuden betrieben werden können. Die Firmen könnten dann auch gleich Ladestationen für ihre Angestellten oder Kunden installieren.

Was halten Sie davon, dass auch Lieferanten künftig auf Stromantrieb umsteigen sollen?
Das ist sicher ein interessanter Ansatz, schon nur wegen der Feinstaubthematik in den Städten. Diese Massnahmen sollten so ausgestaltet werden, dass nicht falsche Anreize gesetzt werden. Wenn in Städten Lastenvelos statt Autos eingesetzt werden, spart man noch zusätzlich Platz.

E-Mobilität ist ein allgegenwärtiges Thema. Wie viele E-Autos wurden denn letztes Jahr in der Schweiz verkauft?
5400, das entspricht einem Marktanteil von 1,8 Prozent. Bis 2022 hat der Bund 15 Prozent zum Ziel gesetzt. Andere Länder sind aber bereits viel weiter. So beträgt in Norwegen der Marktanteil der E-Autos heute bereits über 50 Prozent.

Wie wurde dort die E-Mobilität gefördert?
Die Import- und die Mehrwertsteuer wurden in Norwegen für E-Fahrzeuge komplett ausgesetzt. Zudem erlaubte man E-Fahrzeugen, im Stadtzentrum gratis zu parken, oder das Fahren auf der Busspur zu Stosszeiten. Auch befreite man die E-Fahrzeuge auf gewissen Strecken von Mautgebühren und installierte auf den Autobahnen Schnellladestationen.

Wie hat sich dieser enorme Anstieg der E-Mobilität auf das dortige Stromnetz ausgewirkt?
Gemessen am Gesamtverbrauch macht die E-Mobilität auch in Norwegen heute nur einen kleinen Anteil aus. Es gibt dort sehr viel Strom aus Wasserkraft, und das Stromnetz ist dort stark ausgebaut.

Eine Studie kam vor kurzem für die Schweiz zum Schluss: Wenn nun alle auf E-Fahrzeuge umsteigen, droht im Winter eine Stromlücke.
Winterstrom ist generell ein Thema, mit oder ohne Elektromobilität, weil beispielsweise der Ausbau von Windenergie und der Ersatz von Elektroheizungen nur langsam vorankommen. In der Studie habe ich Lösungsansätze wie das dynamische Lademanagement vermisst, bei dem das Laden zu Randzeiten gefördert wird und so das Stromnetz entlastet wird.

Was geschieht eigentlich mit den alten Batterien?
Hier besteht Handlungsbedarf. Heute lohnt sich das Recycling noch nicht. Auch beim Abbau der Ressourcen und bei der Herstellung der Batterien läuft vieles noch nicht optimal. Die perfekte grüne Batterie gibt es noch nicht.

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