Die 426. und letzte Mahnwache: «Heute freuen wir uns»

Die Stimmung an der Mahnwache vor dem BKW-Hauptsitz in Bern ist ausgelassen, aber auch kämpferisch. Trotz der Abschaltung von Mühleberg geht der Widerstand gegen die Atomkraft weiter.

Um 12.30 Uhr vor der dem BKW-Hauptsitz in Bern.

Um 12.30 Uhr vor der dem BKW-Hauptsitz in Bern.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Es ist 12.30 Uhr. Moment der Abschaltung des AKW Mühleberg. Doch bei den Atomkraftgegnern vor dem BKW-Hauptsitz auf dem Viktoriaplatz brandet kein Jubel auf. Denn die rund 50 Personen lauschen gebannt der Rede von Maude und verpassen den entscheidenden Augenblick.

Maude sagt, sie sei dankbar für die erste Stilllegung eines AKW in der Schweiz, sie habe nun neuen Mut geschöpft und Kraft getankt für den weiteren Kampf. Das es weitergehen soll, in welcher Form auch immer, davon ist nicht nur sie überzeugt.

Thomas Klöti, ein Mitstreiter der Mahnwache, bedankt sich vor allem für das verfrühte «Weihnachtsgeschenk». Ein Problem sei nun gelöst. Aber der Widerstand solle im Bewusstsein bleiben. Ursula Zimmermann, Gesinnungsgenossin von Klöti, erklärt: «Die Mahnwache ist nur ein kleiner Beitrag von uns. Jeder hat seinen Teil zu diesem Erfolg beigetragen - jede und jeder Einzelne hier, aber auch die Politik und die kritische Wissenschaft.» Barbara Zimmermann, die Dritte im Bunde, erklärt, dass ein wichtiger Schritt gemacht sei: «Das Thema AKW und Endlager wird uns noch beschäftigen - aber heute freuen wir uns».

Heute ist also Feiertag. Alle umarmen sich und stossen bei Maroni und Glühwein an. Und wer die Abschaltung des AKW verpasst hatte, für den legten die Grünen symbolisch für alle den Schalter um.

Rückblende. Am 11. März 2011 kommt es in vier von sechs Reaktorblöcken in Fukushima in Japan zu einer Serie von Unfällen, in drei davon zu Kernschmelzen. Eine folgenschwere nukleare Katastrophe, die auch in der Schweiz und in Bern Grundsatzdiskussionen über die Atomkraft wieder aufflammen lassen.

Nur rund drei Wochen nach der Fukushima-Katastrophe begann jener Protest auf dem Berner Viktoriaplatz, der an diesem Freitag sein definitives Ende findet. Aktivistinnen und Aktivisten errichteten ein Anti-AKW-Camp, besetzten damit den Platz vor dem Hauptsitz der Mühleberg-Betreiberin BKW und verkündeten, bleiben zu wollen, bis das AKW Mühleberg abgestellt sei. Das Camp wurde zwar gut zwei Monate später geräumt, doch blieben einige AKW-Gegner hartnäckig. Den Protest führten sie fort, jeden – und wirklich jeden – Freitagmittag. Mindestens eine Stunde. Mit Anti-Atomkraft-Fahnen und etwas zu Essen. Und vor allem: Mit Ausdauer. «Protest-Picknick» nannten sie es jeweils. Antrieb habe ihnen die stete Gefahr gegeben, die vom AKW Mühleberg ausgegangen sei, sagt Barbara Zimmermann, die stets Teil der Mahnwache war. Und selbst Rückschläge motivierten sie, weiterzumachen. Etwa als das Bundesgericht dem AKW Mühleberg 2013 eine unbefristete Betriebsbewilligung zugestand.

Nun zum 426. und letzten Mal Mühleberg-Mahnwache gibt es nicht nur Picknick und Hoffnung, sondern Glühwein und Gewissheit.

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