Die Formel E ist da – darf man sich freuen?

Ein ganzes Quartier wird für zwei Tage lahmgelegt, es gibt Baustellen und Engpässe – warum man am Berner Formel-E-Rennen trotzdem ein bisschen Spass haben darf.

Bald steigt der Formel-E Anlass in Bern.

Bald steigt der Formel-E Anlass in Bern.

(Bild: Urs Jaudas)

Jetzt ist sie also da. Die Formel E hat das Berner Gemüt bewegt in den letzten Monaten. Die Gegner haben sich gewehrt, die Befürworter gefreut – und den Entscheidungsträgern war es einerlei, weil sie das Rennen schon im Herbst mit einer Mehrheit im Gemeinderat unumstösslich nach Bern geholt hatten.

Und jetzt? Darf man sich freuen? Oder doch nicht? Formel E ist doch grün, und grün ist en vogue. Oder ist das alles doch nur Etikettenschwindel?

Wegweiser in die Zukunft

Nun, der emissionsfreie Sportanlass ist noch nicht erfunden. Menschen versammeln, Material transportieren, das braucht Energie. Selbst die CO2-neutralen «Gümmeler» der Tour de France begleitet ein tonnenschwerer Tross. In der Formel E ist das nicht anders, jeder der elf Rennställe trägt seine eigene kleine Materialschlacht aus.

Dennoch: Die Formel E kann für die Zukunft der Elektromobilität wegweisend sein. Experten sind sich einig, dass die technologischen Fortschritte auf den Strassenverkehr übertragbar sind. Und die Formel E kann dem elektronischen Antrieb zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft verhelfen.

Vor allem kurzfristiger Gewinn

Den Spass der elektromobilen Leistungsschau gibt es nicht umsonst: Ein ganzes Quartier wird für zwei Tage lahmgelegt, es gibt Baustellen und Engpässe. Und – Hand aufs Herz – der Anlass passt streng genommen nicht zur neuen Strategie der Eventstadt Bern, auf mehrtägige Anlässe mit einem langfristigen Effekt zu setzen.

Für die Stadt ist das Rennen vor allem kurzfristig ein Gewinn, 1500 Logiernächte sind für die gut 3800 Hotelbetten in Bern ein akzeptabler Wert. Längerfristig aber lässt sich damit nicht Kasse machen; in der internationalen Wahrnehmung der Rennsportfans geht die Formel E in Bern vor allem als «Swiss Prix» durch.

So weit, so schwierig. Doch trotz aller Unwägbarkeiten und der keinesfalls perfekten Bilanz – so übel ist das alles nicht. Man darf sich durchaus auch freuen – und sich unter die Rennsportfreaks mischen, den Hals nach den vorbeiflitzenden Wagen verrenken und, ganz ohne Gehörschutz, einfach ein bisschen Spass haben.

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