«Die einzige Bundesregierung der Welt, die ihre Hauptstadt so behandelt»

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried hat gar kein Verständnis für den Entschied des Bundesamts für Kultur, die Bundesmillion zu streichen.

Es sei Aufgabe der Stadt Bern, nun zu lobbyieren, sagt Alec von Graffenried.

Es sei Aufgabe der Stadt Bern, nun zu lobbyieren, sagt Alec von Graffenried.

(Bild: Raphael Moser)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Bundesrat Alain Berset gab am Mittwoch bekannt, dass die sogenannte Bundesmillion gestrichen wird. Haben Sie damit gerechnet, Herr von Graffenried?
Nein, damit habe ich nicht gerechnet, weshalb ich auch überhaupt kein Verständnis dafür habe. Es wurde ja nicht nur auf die Ausrichtung des Bundesbeitrages verzichtet, sondern die lange Tradition soll gänzlich aus dem Kulturförderungsgesetz gestrichen werden. Das Vorgehen befremdet mich. Wir sind in Kontakt mit dem Bundesamt für Kultur und Bundesrat Berset. Wir wurden vorher nie darauf aufmerksam gemacht, dass der Entscheid so ausfallen könnte. Das ist weltweit die einzige Bundesregierung, die ihre Hauptstadt so behandelt. Was mich erschüttert, ist der symbolische Gehalt dieser Nachricht.

Was bedeutet der heutige Entscheid?
Vorerst nichts. Ausser, dass Bundesrat Berset eine Mehrheit für diese Entscheidung gefunden hat. Doch entscheiden werden schlussendlich die parlamentarischen Räte. Jetzt beginnt erst die Vernehmlassung, aber wir sind schon im Rückstand. Nun müssen wir diesen aufholen. Vor zwei Jahren haben wir das auch geschafft, denn schon damals wollte Berset die Gelder streichen.

«Es ist fraglich, ob der Stadt Bern ein finanzieller Nachteil erwächst», heisst es in der Erklärung des Bundesrats. Was sagen Sie dazu?
Das ist eine rein fiskalpolitische, keine kulturpolitische Begründung. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass Bern die Bundesstadt ist. Die Bundesmillion war stets als Zeichen für eine vielfältige Kultur in der Bundesstadt gedacht. Es ging nie darum, die Lasten, die wir als Bundesstadt tragen, zu erleichtern.

Haben Sie einen Plan B, wenn das Geld nicht mehr fliesst?
Nein. Wenn der Vertrag ausläuft, wird es diese Unterstützung nicht mehr geben. Wir haben erst kürzlich die städtische Kulturbotschaft verabschiedet - die funktioniert mit oder ohne Bundesmillion.

Wäre die städtische Kulturbotschaft anders ausgefallen, wenn man von der Streichung der Bundesgelder gewusst hätte?
Nein, weil mit dem Bund genau abgesprochen ist, wohin diese Mittel fliessen. So wurde etwa vorgegeben, dass zwischen 60 und 70 Prozent für die grossen Kulturinstitutionen zu verwenden sind.

Werden Sie nun ein Lobbyingkonzept mit den betroffenen Institutionen wie dem Historischen Museum oder Konzert Theater Bern erarbeiten ?
Das ist die Aufgabe der Stadt, aber sicherlich wird sich auch die Hauptstadtregion in dieser Frage einbringen. Vorerst einmal läuft aber die Vernehmlassung, in der sich auch die Stadt einbringen wird.

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