Die «Boillat» ist schon wieder gerettet

Zwei Schweizer Investoren übernehmen die Kupferfabrik Baoshida Swissmetal. Sie retten so 160 Arbeitsplätze im Berner Jura.

Die in Reconvilier hergestellten Kupferprodukte haben einen hervorragenden Ruf.

Die in Reconvilier hergestellten Kupferprodukte haben einen hervorragenden Ruf.

(Bild: Keystone Marcel Bieri)

Aufatmen im Berner Jura: Baoshida Swissmetal (BSM) mit Sitz in Reconvilier ist gerettet. Die Auffanggesellschaft Swissmetal Industries hat die Aktiven der Kupferfabrik gekauft und führt den Betrieb fort. Die rund 160 Arbeitsplätze sind gesichert, wie die neuen Besitzer am Dienstag mitteilten. Allerdings wollen sie lediglich am Standort Reconvilier im Kanton Bern festhalten, der Standort Dornach im Kanton Solothurn soll laut Mitteilung zwischen 2024 und 2026 aufgehoben werden. Hinter der Auffanggesellschaft stehen zwei Schweizer: der Unternehmer André Rezzonico und der ehemalige Bankdirektor Pierre Steiger. Als CEO soll weiterhin Claudio Penna fungieren.

Investitionen geplant

Für Fabian Engel, Präsident des Handels- und Industrievereins Biel-Seeland/Berner Jura, ist die Rettung von Swissmetal «selbstverständlich» eine gute Nachricht, wie er auf Anfrage sagt. Er freue sich zudem, dass Penna, der in der Region verankert sei und über einen guten Ruf verfüge, weiterhin die Geschicke der Firma leite.

Wie viel Geld die neuen Besitzer aufgeworfen haben, ist offen. Im Vorfeld gab Rezzonico bekannt, dass er die Firma für 9 Millionen Franken übernehmen und sie während fünf Jahren mit je 3,5 Millionen rekapitalisieren wolle. In der Mitteilung ist die Rede von geplanten Investitionen in die Produktionsmittel und in die Entwicklung neuer, «vom Markt erwarteter Produkte, wie bleifreiem Messing».

«Absolute Spitzenqualität»

Die Übernahme fällt in eine Zeit, in der viele Schweizer Industriebetriebe darben – so wegen des starken Frankens. Engel glaubt aber dennoch an eine erfolgreiche Zukunft. «Swissmetal ist in einer kleinen Nische tätig, in der sie absolute Spitzenqualität anbietet», sagt Engel dazu. Und da die Produkte auch von der heimischen Uhrenindustrie nachgefragt würden, sei die Firma weniger stark vom Export abhängig als andere Betriebe. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Spezialprodukte aus Kupfer und Kupferlegierungen. Zum Einsatz kommen diese beispielsweise in der Elektronik, der Telekommunikation, der Luftfahrt und der Autoindustrie.

«Ich hoffe einfach, die hängige Klage stellt die neuen Besitzer vor keine grossen Probleme.»Fabian Engel ist Präsident des Handels- und Industrievereins Biel-Seeland/Berner Jura

Rezzonico ist Direktor und Verwaltungsratspräsident der Unterwalliser Firma Lemco ­Précisions, einem der grössten Kunden von Swissmetal. Er begründet den Kauf unter anderem damit, dass seine Firma nicht auf die Produkte von Swissmetal verzichten wolle.

Volle Auftragsbücher

Dass die bisherigen chinesischen Besitzer den Betrieb nicht selber weiterführen, hat denn auch wenig mit dem operativen Ergebnis zu tun. Baoshida schrieb schwarze Zahlen und die Auftragsbücher sind gut gefüllt.

Schuld am drohenden Konkurs war das Geschäftsgebaren des früheren Verwaltungsratspräsidenten. Dieser hatte die Immobilien in Reconvilier verpfändet und das Pfand in einer rechtswidrigen Aktion mehrere Monate später im Grundbuch eintragen lassen. Der Chinese wurde wegen ungetreuer Geschäftsführung zu 24 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt und musste sich verpflichten, dem Unternehmen 20,5 Millionen Franken zurückzuzahlen.

Die neuen Besitzer müssen sich deshalb noch mit einer Klage befassen, die derzeit vor Obergericht hängig ist. Zudem sind sie noch nicht im Besitz der Immobilien von Baoshida. Der Plan sieht vor, diese nach dem kontrollierten Konkurs von Baoshida zu erwerben.

«Ich hoffe einfach, die hängige Klage stellt die neuen Besitzer vor keine Probleme», sagt Engel vom HIV dazu. Dass die Strategie mit einem späteren Kauf der Immobilien mit Risiken verbunden sind, glaubt er aber nicht. «Die Immobilien in Reconvilier sind sehr stark auf die Bedürfnisse des Unternehmens ausgerichtet und für andere kaum ­attraktiv.»

150-jährige Tradition

Als die Chinesen die Firma vor sechs Jahren übernahmen, war die Freude gross. Der Übernahme waren lange Streiks vorausgegangen. Allerdings zeigte sich rasch, dass die neuen Besitzer keine Investitionen tätigten und den Betrieb nur in kleinerer Dimension weiterführten. In Reconvilier ist das 150-jährige Traditionsunternehmen noch heute als «La Boillat» ein Begriff, benannt nach dem Gründer Edouard Boillat. Es entstand 1855. Damals herrschte in der Schweiz grosser Bedarf an Buntmetallprodukten.

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