Die Blüttler von Bern sünnelen in der Lorraine

Nacktheit hat nicht zwingend etwas mit Sex zu tun, sagt der überzeugte FKK-Anhänger Thomas Lüthi. Die Menschen seien zu verklemmt.

Thomas Lüthi mag das Gefühl des Nacktseins.

Thomas Lüthi mag das Gefühl des Nacktseins.

(Bild: Adrian Moser)

«Es ist einfach schön, die Sonne und das Wasser am ganzen Körper zu spüren, ohne dass einem die nasse Badehose am Bein klebt», erklärt Thomas Lüthi seine Begeisterung für die FKK-Kultur. Der Arzt und Masseur ist Vorstandsmitglied der Naturisten-Vereinigung Bern. Die Mitglieder haben eines gemeinsam: Sie sind gerne nackt. Blüttler, wie Lüthi sich selber scherzhaft bezeichnet, haben in Bern eine lange Tradition.

Bereits seit dem späten 18. Jahrhundert wird im Marzili nackt sonnengebadet. Die grosse Wiese war zwischenzeitlich den Frauen vorbehalten. Im Jahr 1969 wurde sie für Männer und Kinder geöffnet. Seither gibt es im Marzili noch zwei für Frauen reservierte Bereiche: die Frauen-Ruhezone, eine leicht abgetrennte Liegewiese, und das sogenannte Paradiesli, ein FKK-Bereich für Frauen. Männern, die in Bern nackt sünnelen wollen, bleibt einzig das Lorrainebad.

Nacktbaden nicht möglich

Wirklich nackt zu baden, ist aber ohnehin nicht möglich. Wer ins Wasser will, muss die Badehose anziehen. «Es wäre schön, wenn es in Bern einen Ort gäbe, wo man wirklich nackt baden darf», sagt Lüthi. Den «Bueber» vermisst er nicht: «Ich habe nie wirklich begriffen, was das genau für ein Ort ist.» Der 45-Jährige frönt seinem Lebensstil lieber dort, wo es explizit erlaubt ist: im Lorrainebad oder in der Natur, wo es niemanden stört. Für die FKK-Kultur wünscht er sich mehr Toleranz. «Das Problem ist, dass die meisten Menschen Nacktheit mit Sex verbinden.» Die Menschen seien zu verklemmt. «Dabei gibt es keinen vernünftigen Grund, warum man Menschen zwingen sollte, Kleider zu tragen», so Lüthi.

Wie einfach oder schwierig ist es, den neuen Kanal zu passieren? Sind Wirbel ein Thema? Und überhaupt der Bueber: Haben die Männer Recht, die den Verlust Ihres Refugiums beklagen? Diskutieren Sie mit im Stadtgespräch.

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