Die Autozukunft soll in Bern elektrisch sein

Wenn Autos, dann nur noch solche mit Elektroantrieb: Das fordern die rot-grünen Parteien für die Stadt Bern - ein kühnes Unterfangen.

Ladestationen für E-Autos sollen künftig mehr zu sehen sein. Das fordert die Mobilitätskonferenz Bern in ihrem Positionspapier zur Elektromobilität.

Ladestationen für E-Autos sollen künftig mehr zu sehen sein. Das fordert die Mobilitätskonferenz Bern in ihrem Positionspapier zur Elektromobilität.

(Bild: Beat Mathys)

Simon Thönen@SimonThoenen

Schon bald sollen an vielen öffentlichen Parkplätzen in der Stadt Bern Ladesäulen für Elektroautos stehen. Dies ist eine der Forderungen der Mobilitätskonferenz Bern in ihrem gestern publizierten «Positionspapier Elektro-Mobilität».

Die Konferenz ist ein politischer Verein mit Gewicht. Mitglieder sind neben grünen Verkehrsverbänden die städtischen Parteien des Rot-Grün-Mitte-Bündnisses (RGM) sowie die Grünliberalen, die zusammen im Stadtparlament locker die Mehrheit stellen. Die Mobilitätskonferenz verfasst seit Jahren Grundsatzpapiere zur Verkehrspolitik.

Kurz nach dem Formel-E-Rennen in Bern nun also zur Elektromobilität. Klar, in erster Linie wollen die rot-grünen Parteien und Organisationen, dass der Autoverkehr reduziert wird: «Die gemeinsame Vision ist eine Stadt der kurzen Wege. Umweltfreundliche, flächeneffiziente, geteilte oder öffentliche Verkehrsmittel sollen grundsätzlich den Vorrang haben.»

Der «unvermeidbare» Rest des Autoverkehrs aber soll mit Elektromotoren angetrieben werden, so die zentrale Forderung. Denn der Verkehr müsse «grundsätzlich fossilfrei» abgewickelt werden, «um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen».

Konkret will man vor allem bei den Parkplätzen ansetzen. In ihrem Klimapaket hat die Stadtregierung bereits Massnahmen im Verkehr angekündigt. So eine Umstellung der Busse von Bernmobil auf Elektroantrieb – und eine Halbierung der öffentlichen Parkplätze.

Das Grundsatzpapier der Mobilitätskonferenz ist parallel zum Klimapaket des Gemeinderates entstanden und nimmt nicht direkt darauf Bezug. «Wir nehmen es sehr wohlwollend zur Kenntnis, wollen aber mehr tun, und dies schneller», sagt Benno Frauchiger, Präsident der Mobilitätskonferenz und SP-Stadtrat.

Die FDP reagiert offen

So sollen laut dem Positionspapier Ladestationen auf Parkplätzen in Neuüberbauungen vorgeschrieben werden – vor allem aber soll in den Quartieren «ein möglichst dichtes Netz von Ladestationen auf öffentlichen Parkplätzen erstellt werden», so Frauchiger. «Nur so wird der Kauf eines Elektroautos für Mieter möglich, die, anders als die Hausbesitzer, zu Hause nicht einfach so Ladestationen einrichten können.» Unter sonst gleichen Bedingungen seien E-Autos besser für die Umwelt, betont die Mobilitätskonferenz, «zwingend» sei aber, dass der Strom aus erneuerbaren Quellen stamme. Elektroautos kosteten zwar mehr, seien aber effizienter und damit auch günstiger im Betrieb.

Die SVP lehnt die Förderung der Elektroautos ab. Viele Leute könnten sich teure Elektroautos gar nicht leisten, sagt Fraktionschef Alexander Feuz. Zudem bezweifle er, «ob Elektroautos wirklich ökologisch sind, wenn man alle Aspekte betrachtet».

Offen reagiert dagegen FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher. Zwar lehnt er die Forderung nach einer Reduktion der Parkplätze ab, «weil dies zu mehr Suchverkehr in den Wohnquartieren führt». Die Förderung der Elektromobilität hingegen «ist positiv». Es sei durchaus im Sinne der FDP, «Alternativen zum Verbrennungsmotor zu suchen, solange dies mit Förderung und nicht mit Verboten geschieht.» Die politischen Hürden für die Elektromobilität dürften in Bern also nicht allzu hoch sein. Schwieriger ist wohl die Umsetzung. Energie Wasser Bern (EWB) betreibt seit Ende April als Pilotprojekt zwei öffentliche Parkplätze mit Ladestationen an der Hallerstrasse 56 und der Schwabstrasse 70. Das sei zu kurz für gefestigte Erkenntnisse, heisst es bei EWB.

«Sehr hohe Investition»

Die Mitgliedschaft bei der Organisation Move, die nötig ist, um das Ladesystem zu nutzen, bietet EWB Quartierbewohnern gratis an. Dies stosse aber «auf geringes Interesse». Falls an sehr vielen öffentlichen Parkplätzen Ladestationen gebaut würden, würde die Investitionssumme, so EWB, «wohl sehr hoch ausfallen, da es Netzanschlüsse, Ladestationen, Tiefbauarbeiten und Weiteres bedingen würde».

Anlaufschwierigkeiten hat die Elektromobilität auch dort, wo sie sehr einfach zur Verfügung steht: bei Mobility. In Bern bietet Mobility momentan 5, in der ganzen Schweiz 63 Elektroautos an. Bis Ende 2020 will Mobility die Anzahl der E-Autos verdoppeln. Gemessen an einer Flotte von über 3000 Autos werden es aber auch dann nur wenige E-Gefährte sein.

«Wir glauben daran, dass der Elektromotor eine Antriebsform der Zukunft ist», sagt Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann. Gegenwärtig seien die bereits im Angebot von Mobility vorhandenen E-Autos «allerdings eine unterdurchschnittlich gebuchte Kategorie». Offensichtlich hätten viele Kunden noch Bedenken, etwa wegen der Reichweite, «auch wenn sie vielleicht nicht berechtigt sind».

Die Stadt solle eine «teilweise odervollständige Umstellung» des lokalen Mobility-Angebots fördern, verlangt die Mobilitätskonferenz. Dies etwa, indem sie Ladestationen wo nötig auch an Mobility-Parkplätzen erstelle. Es sei «super», wenn sich die Stadt Bern an den Infrastrukturkosten für elektrische Leihautos beteilige, sagt dazu Mobility-Sprecher Eigenmann. Er spricht sich aber gegen politische Vorgaben zum Anteil der E-Autos an der Mobility-Flotte aus. «Wir sind ein privatwirtschaftliches Unternehmen und müssen mit dem Markt mitgehen. Elektromobilität fördern wir gerne, aber sie muss schwarze Zahlen schreiben können.»

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