Der hohe Preis der Transparenz

Die Ausschreibung für das Berner Asylwesens hat zwar einen immensen bürokratischen Aufwand mit sich gebracht – dafür war sie transparent.

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(Bild: Franziska Rothenbühler)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Die Neustrukturierung des Asylwesens im Kanton Bern ist weniger dramatisch ausgefallen als befürchtet. Von einer flächen­deckenden Kommerzialisierung kann nicht die Rede sein. Die viel geschmähte Firma ORS Service AG kam einzig in der Region Emmental-Oberaargau zum Zug. Sie feiert damit ein Comeback im Kanton Bern. Vor sieben Jahren hatte sie der Kanton noch ohne Ausschreibung direkt mit der Leitung der damaligen Unterkunft in der Zivilschutzanlage Bern-Hochfeld beauftragt.

Gegenüber solchen Direktvergaben ist die nun durchgeführte Ausschreibung nach den Kriterien der Welthandelsorganisation WTO ein Fortschritt. Dies wird letztlich auch die Stadt Bern einsehen müssen. Sie hat den Zuschlag nun im Rahmen einer Ausschreibung erhalten und nicht durch eine Direktvergabe, um die sie sich letztes Jahr noch bemüht hatte. Die Ausschreibung hat zwar einen immensen bürokratischen Aufwand mit sich gebracht. Und die erfolgsorientierte Abgeltung wird auch bei der Umsetzung zu einem grossen Überprüfungsaufwand führen. Dafür waren die Kriterien von Anfang an für alle Player transparent.

Die Kritik von links richtete sich denn auch weniger gegen die Zuschlagskriterien als gegen die dem Verfahren zugrunde liegenden Parameter, die von der bürgerlichen Mehrheit im Kanton gesetzt wurden. So besteht tatsächlich eine gewisse Gefahr, dass die erfolgsorientierte Abgeltung durch den Kanton dazu führen könnte, dass die Betreuungsorganisationen nur noch Personen mit guten Integrationsaussichten fördern. Es wird aber Aufgabe des Kantons sein, dafür zu sorgen, dass auch ein privater Anbieter wie die ORS seine Prioritäten nicht nur nach kommerziellen Kriterien setzt.

Bei einem transparenten Verfahren gibt es auch Verlierer. Die über 300 Angestellten von Heilsarmee, Caritas und Asyl Biel und Region, die ihre Stelle wohl verlieren werden, zahlen einen hohen Preis. Es bleibt zu hoffen, dass viele von ihnen ihr Know-how dereinst bei einem neuen Anbieter einsetzen können.

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