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Der Bastelmarkt für Umweltbewusste

Auf dem Berner Meinen-Areal hat am Samstag der Verein Offcut einen Bastelmarkt eröffnet. Das Besondere: Alle Materialien sind aus zweiter Hand.

Vorne in der Halle ist das Material offen ausgelegt, hinten lässt sich in Kisten stöbern.
Vorne in der Halle ist das Material offen ausgelegt, hinten lässt sich in Kisten stöbern.
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Auf den ersten Blick wähnt man sich in einer Designer-Galerie mit überteuerten Einzelstücken: verschiedene Gegenstände in zueinander passenden Farben sind in loser Formation auf grossen weissen Tischen ausgestellt. Auf den zweiten Blick sind die Gegenstände als Wollknäuel, Garn, Gummischläuche und Metallteile zu erkennen. Dass in der 500 Quadratmeter grossen Halle einst Fleisch verarbeitet wurde, kann man nur erahnen. In den ehemaligen Räumlichkeiten der Grossmetzgerei Meinen in der Stadt Bern werden ab heute Samstag allerlei Materialien für den Bastelbedarf angeboten.

Dahinter steckt der Verein Offcut. «Alle, die Freude am kreativen Gestalten haben, werden hier fündig», sagt Claudia Meyr, die zu dem siebenköpfigen Team in Bern gehört. Das Konzept der Zwischennutzer: Nachhaltigkeit und kreatives Schaffen. Die Idee von Offcut ist simpel. Restmaterialien und Überschüsse aus Industrie, Gewerbe und privaten Ateliers landen nicht im Müll, sondern werden zur Wiederverwendung angeboten. «In der heutigen Wegwerfgesellschaft finden wir Recycling enorm wichtig», so Meyr.

(v.l.n.r.) Mariann Oppliger, Claudia Meyr und Lilo Fritz.
(v.l.n.r.) Mariann Oppliger, Claudia Meyr und Lilo Fritz.

Das ganze Projekt wurde durch Freiwilligenarbeit auf die Beine gestellt. Um das Projekt zu stemmen, hatte der Verein im November 2019 ein Crowdfunding eröffnet. Damit seien nun 27'000 Franken zusammen gekommen. Dazu kam eine Anschubfinanzierung durch Stiftungen. Das Material wurde alles gespendet oder von den Offcut-Märkten in Basel und Zürich geliefert. Jedoch wird das Sortiment nicht gratis abgegeben, sondern günstiger verkauft als zum Beispiel in einem Bastelzentrum.

So erhält man ein Knäuel Wolle von 100 Gramm für 3 Franken, für edlere Mohair-Wolle bezahlt man 4 Franken für 50 Gramm. Wer einen schönen Stoff sucht, wird ebenfalls fündig. Das Material wird in Quadratmetern abgemessen und verkauft. Ein gewöhnlicher Stoff kostet pro Quadratmeter 5 Franken, hochwertige Materialien wie Seide und Spitze 10 Franken. In Zukunft soll das Projekt selbsttragend sein. Denn auch die Miete der Räumlichkeiten von rund 4000 Franken muss bezahlt werden.

Selbstgemachte Taschen aus recycelten Materialen.
Selbstgemachte Taschen aus recycelten Materialen.

Was auffällt: Der Marktbereich ist unbeheizt. Das scheint die Besucherinnen und Besucher jedoch nicht fernzuhalten. Dafür ist es in den beiden Cube-Räumen aus Holz, die mit «Atelier» und «Kasse» angeschrieben sind, etwas wärmer.

Nebst dem Markt will der Verein auch Workshops für Kinder und Erwachsene anbieten, die sich alle um das Kreativsein und Nachhaltigkeit drehen. So ist ein offenes Atelier für Kinder und ein Kurs zum Aufwerten und Flicken der eigenen Garderobe geplant. «Wir verstehen uns als eine Plattform für niederschwellige Kulturförderung», so Meyr. Es solle ein Ort des Schaffens und der sozialen Kontakte sein. Wer gleich vor Ort kreativ werden möchte, soll auch dazu Gelegenheit bekommen. «Wir planen, Arbeitsplätze zu vermieten», so Meyr. Dazu stehen bereits Nähmaschinen bereit.

Der erste Offcut-Markt in der Schweiz wurde in Basel eröffnet. Danach wurden in Zürich und Bern je ein Laden in Betrieb genommen. In Luzern ist ein weiterer in der Entstehungsphase.

Öffnungszeiten von Offcut in Bern ab dem 1. Februar 2020, Mittwoch bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr, www.offcut.ch

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