Gericht muss über Egelsee-Café entscheiden

Während die Stadt Bern für eine Café-Bar am Egelsee kämpft, stellt sich der Kanton dagegen: Er erteilt die dafür nötige Bewilligung nicht. Die Stadt will den Entscheid anfechten.

Da gab es noch Hoffnung: Gut besuchte Demonstration am Egelsee im Frühling dieses Jahres.

Da gab es noch Hoffnung: Gut besuchte Demonstration am Egelsee im Frühling dieses Jahres.

(Bild: Manuel Zingg)

Erst war es die kurzfristige Absage an die Berner Sommerbar Peter Flamingo, jetzt trifft es die geplante Bar am Egelsee: Am Freitag teilte die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) mit, dass im Gebäude des früheren städtischen Entsorgungshof bis auf weiteres keine Café-Bar entstehen darf.

Dabei hatte der Regierungsstatthalter Christoph Lerch Mitte Februar die Bewilligung für die Umnutzung in eine Café-Bar mit einer Aussenbewirtungsfläche erteilt und sie auf fünf Jahre befristet. Die geplante Belebung wird beim Kanton als nicht bewilligungsfähig eingestuft: «Eine Gaststätte in einer Zone für öffentliche Nutzung zu betreiben, ist nicht zulässig», sagt Andrea Greiner, Vorsteherin des Rechtsamts in der BVE. Es sei denn, es liege eine Ausnahmebewilligung vor. In diesem Fall seien aber die Gründe dafür, eine solche zu erteilen, nicht gegeben.

«Das öffentliche Interesse ist nicht genug gross», begründet Greiner. Zudem stelle die Befristung für sich allein keinen Ausnahmegrund dar, deshalb gab sie mehreren Beschwerdeführern recht, die sich gegen die Belebungspläne wehrten. Solange es sich beim Egelsee um eine Zone für öffentliche Nutzung handle, könne keine Café-Bar in diesem Ausmass in Betrieb genommen werden, heisst es beim Kanton.

IG zeigt sich erfreut

Bei der Stadt Bern ist man wenig erfreut über die Post vom Kanton: «Es fällt mir schwer, zu glauben, dass die kantonale Beschwerdeinstanz der Stadt Bern abspricht, zu wissen, was hier einem öffentlichen Interesse entspricht», sagt die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP). Es gebe überwiesene Vorstösse, einen erfolgreichen Pilotbetrieb, eine Quartiermitwirkung und Ende März gar eine Demonstration für das Café: «Was braucht es denn sonst noch, um ein öffentliches Interesse zu bekunden?», fragt Wyss rhetorisch.

Die Beschwerdeführerin IG Egelsee sieht sich in ihrem Anliegen bestärkt, wie sie am Freitag mitteilte. Sie bemängelt, der Gemeinderat habe ein Baugesuch eingereicht, «obwohl er aufgrund der bisher eingereichten und gescheiterten Bau- und Festbewilligungsgesuche wusste, dass ein Bau im Gewässerraum gegen geltendes Recht verstossen würde». Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) sagt auf Anfrage, dass man die Rechtsprechung nicht losgelöst von gesellschaftlichen Entwicklungen sehen dürfe. «Wir wissen, dass praktisch die ganze Quartierbevölkerung klar eine Belebung dieses Ortes wünscht», sagt er. Deshalb geht er davon aus, dass die Stadt Bern den Entscheid anfechten wird. Dann wäre es am Berner Verwaltungsgericht, über die Zukunft der Café-Bar zu entscheiden.

Protest im Quartier

Seit Jahren erhitzt die Idee einer Café-Bar am Berner Egelsee die Gemüter. Mit der Schliessung des Entsorgungshofes 2015 flammten die Diskussionen um die künftige Nutzung auf. Stadtgrün Bern organisierte damals Workshops, um Ideen für eine mögliche Nutzung zu erhalten. Bald kristallisierte sich dabei der Wunsch nach einer Café-Bar heraus. Diese koordinieren sollte der extra gegründete Verein am See. Versuche, eine Bewilligung für die Café-Bar zu erhalten, scheiterten. 2017 erlaubte Regierungsstatthalter Christoph Lerch dennoch einen dreimonatigen Testbetrieb. Von Juni bis September wurde die Bar au Lac von den Betreibern der Caffè-Bar Sattler geführt.

Mit der IG Egelsee hatte sich unterdessen eine hartnäckige Gegnerschaft eines Café-Betriebes zusammengetan. Sie erhob Beschwerde gegen den Testbetrieb, schrieb von einer «lärmigen Festwirtschaft» – und bekam letztes Jahr von Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) recht. Er hiess die Beschwerde gut und erklärte den Testbetrieb der Bar 2017 nachträglich für unzulässig. Die Ereignisse gipfelten im März dieses Jahres in einem Protestmarsch, an dem rund 500 Personen teilnahmen, um sich für eine Café-Bar am Egelsee einzusetzen.

Trotzdem Kaffee serviert

Micha Flach, Geschäftsführer der Caffè-Bar Sattler in der Länggasse, hätte die Bar au Lac am Egelsee gern durch die nächsten Jahre führen wollen. Den Entscheid, die Bar diesen Sommer nicht zu bewilligen, bedauert er: «Die Sache ist auf der ganzen Linie nicht so gelaufen, wie wir uns das erhofft haben. Ich hätte mir gewünscht, dass die geplante Zonenplanänderung vielleicht einen Einfluss auf den Entscheid gehabt hätte.»

Diese plant die Stadt im Gebiet Egelsee-Wyssloch (der «Bund» berichtete). Dieser Umstand wurde laut Lerch bei der Beurteilung des Baugesuchs für das See-Café mitberücksichtigt. Die Volksabstimmung ist frühestens Ende 2020 geplant, bis die Café-Bar zonenkonform wäre, ginge es noch lange.

Ganz ohne Bar werden die Quartierbewohner am Egelsee aber trotzdem nicht auskommen müssen. Denn einzelne Veranstaltungen in einem kleineren Rahmen sind möglich. So öffnet ab dem 18. August das Café Komod seine Türen. Die Café-Bar bietet jeweils am Donnerstag und einmal im Monat am Sonntag Kaffee und Kuchen an.

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