«Das Verhalten des Verbands ist irritierend»

Der Berner Gemeinderat Reto Nause (CVP) ist nach der verlorenen WM-Kandidatur enttäuscht von der Kommunikation des Verbands Swiss Cycling.

Er fuhr auch schon mit dem Fahrrad zu einer Pressekonferenz ein: Der Berner Gemeinderat Reto Nause (CVP).

Er fuhr auch schon mit dem Fahrrad zu einer Pressekonferenz ein: Der Berner Gemeinderat Reto Nause (CVP).

(Bild: Andreas Blatter)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Die Rad-WM 2024 wird nicht in Bern, sondern in Zürich stattfinden. Warum?
Zuerst einmal will ich den Zürchern gratulieren, sie hatten ein gutes Dossier. Das Berner Konzept war auch sehr gut, und mir gegenüber hat der Verband Swiss Cycling den Entscheid damit begründet, dass die Zürcher Kandidatur «finanziell solider» sei - kurz gesagt, sie zahlen mehr. Das kann ich gewissermassen nachvollziehen, aber man hätte die Bedeutung des Geldes von Anfang an transparent kommunizieren können, dann hätten wir uns die Kandidatur vielleicht anders überlegt. Jetzt bin ich etwas konsterniert.

War die Vergabe an Zürich nicht absehbar?
Vor etwas mehr als drei Jahren war Markus Pfisterer von Swiss Cycling bei mir im Büro. Wir haben darüber gesprochen, was es brauchen würde, um die Rad-WM nach Bern zu holen. Wir haben uns freudig getrennt, dann aber lange nichts voneinander gehört. Dann erfuhr ich plötzlich von der Kandidatur von Zürich. Das fand ich irritierend. Aber selbst danach war auch nicht klar, dass sie die finanziellen Kriterien so hoch gewichten.

War Bern von Beginn an chancenlos?
Ich habe nicht den Eindruck, dass wir etwas anders hätten machen können, um den Verband umzustimmen. Unsere Rennstrecke ist sehr attraktiv, wir hatten hier ja auch schon die Tour de France. Wir haben in die Erarbeitung des Dossiers viel Energie, Herzblut und auch Geld gesteckt. Wir haben aber unsere finanziellen Limiten, schliesslich geht es ja um Steuergelder.

Welche Auswirkungen hat dieser Entscheid für Bern als Velostadt?
Das hat keine negativen Auswirkungen. Wenn die WM in Bern stattgefunden hätte, hätte es positive Auswirkungen gehabt. Ein solcher Event hat eine Leuchtturmfunktion. Aber nun gilt es, Elemente aus unserem Dossier für die Zukunft zu retten. Wir haben brauchbare Pläne für die Rennstrecke und die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden entwickelt. Jetzt werden wir mit Playern aus der Radszene das Gespräch suchen und schauen, was sich davon im kleineren Rahmen umsetzen lässt.

Vor ein paar Wochen sagten Sie, dass ein grösserer Sportanlass alle paar Jahre nach Bern gehöre. Will man die Lücke der Rad-WM also mit kleineren Velo-Events füllen?
Das wird sich zeigen. Mit der Arbeit aus unserem Dossier liesse sich etwa ein Rad-Rundstreckenrennen organisieren. Wir sind aber auch in anderen Bereichen sehr aktiv, was Sportevents angeht. Die Rad-WM war eine Chance, die nicht an Bern, sondern an Zürich gegangen ist. Aber Bern wird auch andere Chancen haben.

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