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Das Jura-Fest verärgert den Berner Jura

Dass die Berner Gäste am Jura-Festakt nicht teilnehmen konnten, sorgt für Unmut. Einer aber nimmt es gelassen.

Ausgeladen: Grossratspräsident Hannes Zaugg-Graf.
Ausgeladen: Grossratspräsident Hannes Zaugg-Graf.
N. Philipp

Ausgerechnet das Jubiläumsfest zum vierzigsten Geburtstag des Kantons Jura am Sonntag in Saignélegier bereicherte den Jurakonflikt um eine neue Facette: Weil die jurassische Kantonsregierung die Sicherheit der eingeladenen Berner Delegation nicht garantieren konnte, sagte diese ihre Teilnahme am Sonntagmorgen kurzfristig ab.

Wie der bernische Regierungsrat reagieren wird, ist offen. Offizielle Stellungnahmen über das knappe Communiqué vom Sonntag hinaus gibt es nicht. Auf Anfrage verweist man darauf, dass die bernische Regierung an ihrer Sitzung von morgen Mittwoch entscheide, ob und wie sie reagieren werde.

Harsche Worte gibt es aus dem Berner Jura. «Das ist eine Katastrophe», sagt Marc Tobler, SVP-Grossrat und Vertreter der probernischen Minderheit im Gemeinderat von Moutier. Es sei beschämend für den Kanton Jura, dass er die Sicherheit seiner Gäste nicht garantieren könne.

Doch hätte der Kanton Bern im umgekehrten Fall wirklich verhindern können, dass bei einem offiziellen Besuch einer jurassischen Persönlichkeit Antiseparatisten zum Beispiel Eier werfen würden? «Diesen Fall gäbe es gar nicht», sagt Tobler, «wir führen uns nicht so auf.» Für ihn ist das Problem, dass die bernische Seite zu nett sei. Er hofft nun, dass der Regierungsrat die Sache nicht einfach auf sich beruhen lasse. Zumindest eine Protestnote der bernischen Regierung sei angebracht.

«Dramatisch» und «völlig inakzeptabel» sei es, dass der Jura die Sicherheit nicht garantieren könne, sagt Jean-Luc Niederhauser, FDP-Grossrat und Gemeindepräsident von Court. SP-Grossrat Hervé Gullotti wundert sich, dass dies für die Berner Gäste nicht gelang, wo doch die Sicherheit von Bundesrat Alain Berset garantiert werden musste.

Verständnis für den Unmut «gegen Pierre Alain Schnegg, der von Projurassiern als Hardliner empfunden wird», äussert dagegen Peter Gasser, Grossrat der autonomistischen PSA, auch wenn er «Gewalt ablehnt».

«Prozess zu Ende führen»

Gelassen und mit einer Prise Humor reagiert einer der de facto Ausgeladenen. Grossratspräsident Hannes Zaugg-Graf (GLP) hatte für den Jubiläumsanlass in Saignélegier «Kleider angezogen, um die es nicht schade wäre». Denn bereits seit Donnerstagabend seien Protestaktionen ein Thema gewesen, was zu intensivem Mailverkehr zwischen der jurassischen und bernischen Regierung führte. Fünf Minuten vor seinem Aufbruch erfuhr er dann, dass die bernische Delegation nicht teilnehme.

Von einem Affront will Zaugg-Graf nicht sprechen. «Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass die jurassische Regierung den Festakt nicht durch Radaubilder getrübt sehen wollte.» Schlimmeres als Pfiffe, Tortenwürfe oder Farbbeutel habe er ohnehin nicht befürchtet. «Aber auch ein Farbbeutel kann ins Auge gehen.» Letztlich sei es in der Politik wie im Sport. «Man darf sich die Freude nicht durch eine kleine Gruppe von Hooligans verderben lassen.»

Für ihn ist ohnehin klar, «dass ein emotionales Thema wie die Kantonszugehörigkeit von Moutier sich nicht rasch und mit rationalen Argumenten klären lässt». Umso wichtiger sei es, dass die Rechtmässigkeit der Volksabstimmung für den Kantonswechsel von Moutier nun von der Justiz überprüft werde. «Und nötigenfalls wird die Abstimmung eben wiederholt. Der Prozess muss auf demokratisch und rechtlich einwandfreie Weise zu Ende geführt werden.»

Diese Ansicht vertritt auch FDP-Grossrat Niederhauser. «Unsere Seite muss zeigen, dass sie die Demokratie respektiert.» Jedoch müsse der Jura nach der Klärung der Moutier-Frage seine Gebietsansprüche aufgeben. Es sei irritierend, dass man am Fest in Anwesenheit der jurassischen Regierung die Hymne «Rauracienne» sang, die einen Jura bis zum Bielersee fordert.

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