«Das ist nicht trivial»

Die Finanzierung eines Kunstmuseum-Neubaus ist von verschiedenen Geldgebern abhängig. Die Hälfte der Summe könnte aus privaten Quellen stammen, sagt Stiftungsratspräsident Jonathan Gimmel.

Stiftungsratspräsident Jonathan Gimmel steht vor einigen Verhandlungen.

Stiftungsratspräsident Jonathan Gimmel steht vor einigen Verhandlungen.

(Bild: zvg)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Herr Gimmel, Sie präsentieren drei Varianten fürs Kunstmuseum der Zukunft, die bereits in der Machbarkeitsstudie vorlagen. Was ist denn heute anders?
Zwischen der klassischen Machbarkeitsstudie und den vorliegenden Lösungsvarianten liegt der öffentliche Dialog mit rund fünfzig Workshops, Panelveranstaltungen, Publikumsbefragungen und anderen Formen der Teilnahme. Ausgehend von den Bedürfnissen von Bevölkerung, Politik und Wirtschaft haben wir in allen drei Varianten Raumprogramme, mit denen wir die Kosten neu berechnet haben. Zudem sind zwei von drei Lösungs­varianten städtebaulich eingebettet mit der Kunstmeile Hodlerstrasse und den Plänen für einen Fussweg bis zum Aareufer. Wir sind nun inhaltlich bereit, um über die Finanzierung zu sprechen. Wir können jetzt mit überzeugenden Lösungen begründen, was wir realisieren möchten und wie viel dies kosten soll.

Der Grosse Rat hat diese Woche den Investitionsfonds abgelehnt, was fürs Berner Kunstmuseum einen fünfjährigen Finanzierungsaufschub bedeutet. Was heisst das konkret?
Dieser Entscheid wird allenfalls Auswirkungen auf den Baubeginn haben, aber nicht auf den Wettbewerb. Wir können ohnehin frühestens 2027 einziehen, wenn die Polizei auszieht. Kein Parlament wird einen Kredit sprechen ohne konkretes Projekt. Wir stehen aber erst vor dem Wettbewerb. In dieser Phase braucht es vor allem das Commitment des Regierungsrats.

Es braucht ja noch das Commitment des Milliardärs Hansjörg Wyss. Wie steht es damit?
Wir brauchen nicht nur das Commitment von Herrn Wyss. Wir brauchen diverse andere Commitments, zum Beispiel von unserem Technologie-Partner Energie Wasser Bern (EWB), von der Museumsstiftung der Berner Burgergemeinde, von der Stadt als Eigentümerin des heutigen Polizeigebäudes Hodlerstrasse 6 und von der Berner Wirtschaft. Das ist nicht trivial. Alle Geldgeber haben ihre Leistungen an Bedingungen geknüpft. Diese werden wir gemeinsam im Vorfeld des Wettbewerbes ausdiskutieren. Liegt ein Siegerprojekt vor, wird dieses auch finanziert werden können.

Müssten Sie die Prioritäten nicht auf die grössten Geldgeber legen – auf den Kanton, der vierzig Millionen geben soll, und auf Herrn Wyss mit seinen zwanzig Millionen Franken?
Es ist nicht damit getan, mit dem Kanton und Herrn Wyss zu reden. Wir haben noch einige Verhandlungen vor uns. Zur Kontrolle der Betriebskosten zum Beispiel wird es wichtig sein, zu welchen Konditionen wir die Hodlerstrasse 6 von der Stadt übernehmen können. Das ist aber nicht so einfach, zumal für die damit verbundene Zonenplanänderung noch eine Volksabstimmung nötig sein wird.

Herr Wyss hat eine autofreie Hodlerstrasse zur Bedingung gemacht. Wie ist da der Stand?
Es gibt kein Museum der Zukunft, ohne dass die Hodlerstrasse deutlich an Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung gewinnt. Ich wünschte mir, dass die Installation von Thomas Hirschhorn auf dem Bieler Bahnhofplatz auf der Hodlerstrasse stehen würde. Der Lead bei der Hodlerstrasse liegt aber bei der Stadt, die aktuell eine Vorstudie durchführt. Dabei gibt es zentrale Fragen zu klären: Wo ist der Ausgang des Metroparkings? Und welches Verkehrsregime soll auf der Hodlerstrasse herrschen? Klar ist, dass die Erschliessung der Polizei garantiert und der Zubringerdienst gewährleistet werden muss.

Haben Sie das alles auch Herrn Wyss erklärt – und wie hat er darauf reagiert?
Selbstverständlich werden wir die Ergebnisse der Vorstudie Hodlerstrasse mit Herrn Wyss besprechen, sobald sie vorliegen. Sie sind integraler Bestandteil des Wettbewerbs. Wir diskutieren nun mit allen Partnern an einem Tisch über deren Bedingungen, um herauszufinden, welches Projekt am Ende finanziert werden soll. Wir könnten jetzt auch über die kantonale Finanzplanung reden.

Nur zu.
Wenn Herr Wyss und die Berner Wirtschaft mitziehen, wird das Projekt zur Hälfte privat finanziert werden. Das dürfte auch ein wichtiges Signal für den Grossen Rat sein – nebst den inhaltlichen Argumenten fürs Projekt.

Und wenn der Wettbewerb startet, haben alle Geldgeber ihr Commitment abgegeben?
Ja. Ich wünsche mir, dass die nächste Medienorientierung über den Wettbewerbsstart mit den Geldgebern gemeinsam erfolgt.

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