BLS-Präsident: «Das ist fast wie eine eigene Konzession»

Die BLS hat auf eine eigene Konzession für Fernverkehrslinien verzichtet. Dafür könne man nun drei statt zwei Bahnlinien auf eigene Rechnung betreiben, sagt BLS-Präsident Rudolf Stämpfli.

Rudolf Stämpfli «verzichtet gar auf nicht alles».

Rudolf Stämpfli «verzichtet gar auf nicht alles».

(Bild: Keystone Anthony Anex)

Herr Stämpfli, die BLS verzichtet gewissermassen auf alles, was sie wollte. Sind Sie eingeknickt?
Nein, wir verzichten gar nicht auf alles. Wir erhalten sogar eine Linie mehr, als das Bundesamt verfügt hat. Wir fahren drei statt wie verfügt zwei Linien. Unser Entgegenkommen ist, dass wir auf die eigene Konzession verzichtet haben. Das ist für mich ein ausgewogener Kompromiss.

Die eigene Konzession war für Sie aber wichtig. Sind Sie vom Kanton Bern unter Druck gesetzt worden, eine Lösung zu finden?
Nein, wir konnten in unserem Vertrag genügend Absicherungen aufnehmen, sodass wir die Strecken eigenständig fahren können. Das heisst, wir können die Linien mit unseren Fahrzeugen, mit unserer Beschriftung und mit unserem Kosten- und Ertragspotenzial betreiben. Das ist fast wie eine eigene Konzession. Im Betriebsvertrag zwischen uns und den SBB erhalten wir die Aufgaben der SBB weiter übertragen.

Die SBB wollten von Anfang an eine gemeinsame Lösung. Nun sind Sie dort, wo die SBB hinwollten. Hat sich der Aufwand für den Poker gelohnt?
Nein, wir sind nicht dort, wie die SBB ursprünglich vorgeschlagen haben, so wie wir auch nicht dort sind, wo wir ursprünglich hinwollten. Wir sind in einer Mitte. Wir fahren anders als etwa die Südostbahn allein, eigenständig und vollständig auf unsere eigene Rechnung. Das ist ein riesiger Unterschied, für uns ein sehr bedeutender.

Ohne die zusätzlichen Linien sei es für die BLS schwierig, die Strecken nach Olten und Biel wirtschaftlich zu betreiben, sagten Sie ursprünglich.
Wir konnten mit dem Bundesamt und den SBB Lösungen finden, die uns ermöglichen, die drei Linien rentabel zu betreiben.

Was bedeutete der Wechsel für den Fahrplan auf den Linien, die Sie übernehmen?
Der Fahrplan bleibt auf den Strecken nach Biel und Olten gleich, abgesehen von Änderungen, die ein Fahrplanwechsel üblicherweise mit sich bringen kann.

Gibt es nun wieder mehr Zugbegleiter nach Biel und Olten, sodass man auch im Zug ein Billett kaufen kann?
Nein. Denn das Bundesamt für Verkehr legt fest, auf welchen Strecken Zugbegleiter mitfahren müssen und auf welchen nicht. Wir erfüllen diese Auflagen.

Vor einem Jahr kündigte die BLS einen grossen Stellenabbau bis 2023 an. Hat der Deal mit den SBB nun eine Auswirkung darauf?
Ja. Ich kann noch nicht sagen, in welchem Ausmass, aber der Deal hat Auswirkungen auf den Stellenabbau. Da wir mehr Linien haben, werden wir sicher mehr Lokführer und mehr Zugbegleiter brauchen. Welches die genauen Auswirkungen sind, wissen wir noch nicht.

Aber sind es tendenziell positive für die Mitarbeitenden?
Ja, tendenziell positive.

Wird die BLS nun auch die Pläne im Chlyforst überdenken und allenfalls auf das Angebot der Werkstätte der SBB in Biel zurückkommen?
Biel ist keine Möglichkeit. Ich weiss nicht, warum Biel immer wieder aufkommt. Biel ist eine Werkstätte der SBB, die sie mitten in einem Wohnquartier für ihre Neigezüge ausgebaut haben. Dort haben wir keinen Platz. Zudem kommen wir mit unseren Zügen nicht über Zollikofen und Lyss nach Biel. Die Strecke ist so verstopft, dass das nicht geht. Wir müssen die Aebimatt im Westen des Bahnhofs Bern ersetzen. Die neue Werkstatt muss sich ebenfalls im Westen des Bahnhofs Bern befinden.


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