Zum Hauptinhalt springen

Darum ist frühe Deutschförderung so wichtig

Schlechte Sprachkenntnisse wirken sich auf die ganze Schulkarriere aus. Deshalb ist es richtig, will die Stadt Bern Deutsch bereits vor dem Kindergarten fördern.

MeinungChristoph Aebischer
Im Kindergarten sollen die Kinder mit Deutsch vertraut sein, dies das Ziel der Stadt Bern.
Im Kindergarten sollen die Kinder mit Deutsch vertraut sein, dies das Ziel der Stadt Bern.
Keystone

Mit mindestens einer Berufslehre in der Tasche steht man in der Schweiz gut da: 80 Prozent haben eine bezahlte Arbeit. Bei den Übrigen sind es bloss 68 Prozent – etliche davon mit magerem Lohn. Die Weichen werden in der Jugend gestellt. Dort sieht vorerst alles bestens aus. 94 Prozent schaffen einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Nur: Von den hier geborenen Ausländerinnen und Ausländern schaffen einen solchen bloss 87 Prozent, von den zugezogenen sogar nur 76 Prozent. Die Hälfte dieses «Migranteneffekts» ist auf sprachliche Defizite zurückzuführen. So weit der 2018 erschienene nationale Bildungsbericht.

Was das mit Frühförderung zu tun hat? Erstaunlich viel. Denn vorschulische Deutschdefizite wirken sich auf die gesamte Schulkarriere aus. Sie behindern nicht bloss beim Lesen und Schreiben, sondern auch in Mathematik. Und beim Schulaustritt stehen die Chancen dann deutlich schlechter für eine Anschlusslösung. (Lesen Sie hier den Bericht zum Frühförderungs-Plan der Stadt Bern.)

Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch teuer. Erstens für die Wirtschaft. Diese braucht gut ausgebildete Fachkräfte. Eine Schande, wenn einige davon schon im Vorschulalter verloren gehen. Zweitens: Wenn 68 Prozent jener ohne Berufslehre einen Job haben, haben ergo 32 Prozent keinen. Nun sind nicht alle davon von der Sozialhilfe abhängig. Es gibt auch andere Gründe, etwa das traditionelle Rollenverhältnis. Dort schmeisst die Frau den Haushalt. Aber zumindest ein Teil davon wird das Auffangnetz der Sozialhilfe in Anspruch nehmen müssen.

Vor diesem Hintergrund ist es unvernünftig, wenn die frühe Förderung der deutschen Sprache beim Kanton – im Gegensatz zur Stadt Bern – keine höhere Priorität geniesst. Jeder Franken in die Frühförderung bringe einen Output von 12 bis 16 Franken, wurde bei der Präsentation des städtischen Programms «Deutsch vor dem Kindergarten» argumentiert. Selbst wenn dieser Vergleich zu mutig ist, im Kern stimmt er: Wer sich früh um Defizite benachteiligter Kinder kümmert, fährt am Ende wahrscheinlich günstiger. Und wir werden erst noch unserem Bildungsideal der Chancengleichheit gerechter.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch