Burgernziel-Überbauung: Initianten werfen der Stadt Bern Lügen vor

In letzter Minute versucht eine Gruppe aus dem Berner Murifeldquartier mit einer Initiative die Überbauung des alten Tramdepots zu stoppen. Sie werfen dem Gemeinderat vor, in der Abstimmungsbotschaft gelogen zu haben.

Eine Gruppe aus dem Murifeld möchte die Zwischennutzung auf dem alten Tramdepot im Burgernziel retten.<p class='credit'>(Bild: Valérie Chételat)</p>

Eine Gruppe aus dem Murifeld möchte die Zwischennutzung auf dem alten Tramdepot im Burgernziel retten.

(Bild: Valérie Chételat)

Eine Initiative soll die Überbauung des alten Tramdepots Burgernziel in letzter Minute verhindern. Im November 2015 sprach sich die Berner Stimmbevölkerung deutlich dafür aus, dass das Areal von Investoren im Baurecht überbaut werden soll. Auf dem Gelände sollen rund 100 Wohnungen, eine Migrosfiliale, ein Restaurant sowie ein Kindergarten entstehen.

Letzter Freiraum im Stadtteil

Dies will eine Gruppe Bewohner und Bewohnerinnen aus dem städtischen Murifeldquartier nun mit einer Initiative verhindern, wie die «Berner Zeitung» berichtete. Der Stadtteil Kirchenfeld-Schosshalde brauche ein Art Dorfplatz, begründet Stefan Käsermann die Initiative. Das Areal des alten Tramdepots sei der einzige Freiraum, der dazu infrage komme.

Die Initianten argumentieren zudem, dass in der Botschaft zur Abstimmung falsche Angaben zum Zustand des Areals gemacht worden seien. «Um das Geschäft durchzubringen, wurde durch die Stadtregierung wurde gelogen und Fehlinformation betrieben», schreiben sie in ihrer Mitteilung. Im Abstimmungsbüchlein sei nämlich von einem «ungenutzten Areal» die Rede gewesen, was aber falsch war. Die ehemaligen Tramhallen werden regelmässig für Ausstellungen genutzt. In den Gebäuden befinden sich das Restaurant Punto und ein Brocante. Auf dem Gelände finden immer wieder kulturelle Anlässe und ein Flohmarkt statt.

Gefährdete historische Allee

Die Initianten kritisieren weiter, dass die Überbauung nicht ökologisch sei, wie in der Abstimmungsbotschaft festgehalten. Sie reiche ins Grundwasser und gefährde die nahe historische Lindenallee.

Auch den Stadtrat habe der damals zuständige Gemeinderat Alexandre Schmidt in seinem Plädoyer falsch informiert. Es würden keine Gebäude abgerissen. Doch das denkmalgeschützte Sandsteinhaus soll den Wohnhäusern weichen.

Die Initianten kritisieren zudem, dass auf dem Areal eine Migrosfiliale vorgesehen sei. Das entspreche nicht dem Bedürfnis nach öffentlichem Raum. Zudem gebe es bereits vier Migros-Filialen in näherer Umgebung.

Über Gültigkeit wird später entschieden

Der Stadtschreiber Jürg Wichtermann lässt offen, ob die Initiative gültig ist. Das entscheidet der Gemeinderat erst, wenn sie mit genügend Unterschriften eingereicht wird. Bei einem Projektstopp müsste die Stadt unter Umständen mit hohen Schadenersatzforderungen rechnen.

Bereits vor zwei Jahren wurden Unterschriften gesammelt, um das alte Tramdepot zu erhalten und die geplante Überbauung zu verhindern. Die Initiative kam jedoch nicht zustande, weil zu viele Unterschriften ungültig waren.

nj

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