Bundesgericht: Asbest-Klage gegen BLS ist nicht verjährt

Die BLS muss womöglich Schadenersatz für ein Asbest-Opfer bezahlen. Die Witwe eines ehemaligen Mitarbeiters der Werkstatt in Bönigen hat vor Bundesgericht Recht erhalten.

In der BLS-Werkstätte in Bönigen wurde womöglich jahrelang ohne Schutzanzüge mit Asbest gearbeitet.

In der BLS-Werkstätte in Bönigen wurde womöglich jahrelang ohne Schutzanzüge mit Asbest gearbeitet.

(Bild: zvg)

Wegen des Asbest-Todes ihres Mannes fordert eine Witwe 400'000 Franken Schadenersatz und Genugtuung von der BLS. Die BLS sei sich seit Mitte der Siebzigerjahre der Gefahren bewusst gewesen. Trotzdem seien Arbeiter in der Werkstatt des Depots Bönigen dem tödlichen Asbeststaub jahrzehntelang schutzlos ausgesetzt gewesen. So lautet zumindest der von der Witwe vertretene Standpunkt im Zivilprozess.

Nachdem die Vorinstanzen die Klage abgewiesen hatten und zugunsten der BLS entschieden, hiess das Bundesgericht die Beschwerde wegen Ablauf der Verjährungsfrist nun teilweise gut.

Das Opfer war ein 1936 geborener Mann, der von 1961 bis Januar 1998 bei der BLS in der Werkstatt in Bönigen bei Interlaken arbeitete und dort Asbeststaub ausgesetzt war. 2003 wurde bei ihm Brustfellkrebs festgestellt. Ein Jahr später starb der Mann.

Seine Erben machten ihre Ansprüche gegenüber der BLS im Jahr 2010 geltend. Die Berner Justiz wies die Klagen ab. Das Obergericht hielt fest, dass die intensive Asbestexposition zwischen 1961 und 1985 stattgefunden habe. Damit habe die zehnjährige Verjährungsfrist 1985 zu laufen begonnen.

Tat die BLS was nötig war für den Schutz ihrer Mitarbeiter?

Das Bundesgericht kommt zu einem anderen Schluss. Es hält fest, eine Haftung der BLS setzte unter anderem voraus, dass das Unternehmen Massnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden unterlassen habe, die nach dem damaligen Kenntnisstand erforderlich gewesen wären. Von der Frage, ob und bis wann eine solche Pflichtverletzung von Seiten der BLS vorliege, hänge der Beginn des Laufs der Verjährungsfrist ab. Massgebend sei der Zeitpunkt des schädigenden Verhaltens, schreibt das Bundesgericht. Dauert das Verhalten an, ist es entscheidend, wann dieses aufhört. Im Fall des früheren BLS-Mitarbeitenden geht das Bundesgericht davon aus, dass der Mann bis zum Ende seiner Anstellung Asbest ausgesetzt war.

Sollte die BLS nicht bereits vor 1998 erforderliche Schutzmassnahmen getroffen habe, würde die Verjährungsfrist erst dann zu laufen beginnen. Diesen Punkt muss das Berner Obergericht nun nochmals prüfen und anschliessend über die Verjährungsfrage neu befinden.

spr/sda

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