Blumenstrauss Nein, kochen Ja

Was man über invasive Pflanzen und den Umgang damit wissen muss – und wie man ein Goldruten-Gratin zubereitet.

Der Goldruten-Kartoffel-Gratin.

Der Goldruten-Kartoffel-Gratin.

(Bild: Christoph Aebischer)

Christoph Aebischer@cab1ane

Nicht jede zugewanderte Pflanzen- oder Tierart ist ein invasiver, gebietsfremder Neophyt. Erst was ohne direkten Kontakt zum Verbreitungsgebiet auftaucht und dazu die einheimische Flora und Fauna bedroht, fällt in diese Kategorie.

Manchmal geschieht die Einführung bewusst, häufig reisen Organismen aber als blinde Passagiere ein. Weil auf diese Weise eingeschleppte Arten oft keine natürlichen Feinde haben, verbreiten sie sich ungehemmt. 2006 kam eine Studie für die Schweiz auf 800 gebietsfremde Arten, wovon etwa 100 potenziell Probleme bereiten könnten.

Seit 2008 ist der «Umgang in der Umwelt» mit gegenwärtig elf Pflanzen- und drei Tierarten untersagt. Im Klartext darf damit nicht gehandelt und auch nichts unternommen werden, was eine Ausbreitung fördert. Die derzeit prächtig gelb blühenden Goldruten etwa dürfen gemäss Gian-Reto Walther vom Bundesamt für Umwelt nicht für einen Blumenstrauss gepflückt, geschweige denn im eigenen Garten neu angepflanzt werden.

Bis jetzt muss der Gartenbesitzer aber noch nicht von Gesetzes wegen jäten. Aus gesammelten Goldruten hingegen ein Gericht zuzubereiten, ist aus seiner Sicht zulässig, wenn dies der Bekämpfung dient, also die Reste der Pflanze fachgerecht (also nicht auf dem Kompost) entsorgt werden und das Gericht nur für den eigenen Teller zubereitet wird (also nicht für zahlende Gäste).

Tatsächlich sind nicht alle Neophyten «gefährlich». Vielmehr sind einige sogar essbar. Der Pflanzenführer «Essbare Wildpflanzen» erwähnt neben der Goldrute das Drüsige Springkraut oder den Japanischen Knöterich. Zu letzterem existiere in Japan sogar eine eigene Kochbuchliteratur, schreibt auf Anfrage Steffen Guido Fleischhauer, einer der Buchautoren.

Im Folgenden finden Sie ein Rezept für einen Goldruten-Kartoffel-Gratin – vom Autor dieser Zeilen selber getestet –, publiziert mit ausdrücklicher Genehmigung Fleischhauers. Für dieses Jahr ist die Saison allerdings gelaufen. Verwendung finden nämlich bloss die obersten 15 Zentimeter der noch nicht blühenden Pflanze.

Goldruten-Auflauf:
– Geschälte Goldruten-Triebspitzen mit wenig Salz bestreuen und etwas ziehen lassen.
– Etwa die gleiche Volumenmenge Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden.
Zwiebel fein hacken und in Öl anbraten, dann die Triebspitzen darunterrühren und die Temperatur herunterschalten.
– Die Kartoffeln und das Stängelgemüse mit den Zwiebeln schichtweise in eine Auflaufform füllen.
– Aus Rahm, etwas Milch zum Strecken, Kräutersalz, Pfeffer und fein geriebenem Käse eine Sauce anrühren und über dem Auflauf verteilen; es muss ausreichend Flüssigkeit sein, damit der Auflauf saftig wird.
– Im Ofen bei 150 Grad etwa 90 Minuten backen, bis die Kartoffeln weich sind.

Rezept aus «Essbare Wildpflanzen einfach bestimmen» (die 50 beliebtesten Arten), erschienen im AT-Verlag.

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