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Riesiger IT-Flop bei der BLS

Die Berner Bahn stoppt die Einführung einer neuen Software zur Einsatzplanung. Der Abbruch kostet das Unternehmen mindestens 20 Millionen Franken.

Die neue Stoftware hätte insbesondere bei Betriebsstörungen zum Einsatz kommen sollen: BLS-Zug im Bahnhof Bern.
Die neue Stoftware hätte insbesondere bei Betriebsstörungen zum Einsatz kommen sollen: BLS-Zug im Bahnhof Bern.
Christine Strub

Die geplante Einführung einer neuen Software, mit welcher der Einsatz von Personal und Rollmaterial hätte geplant werden sollen, kommt das Berner Bahnunternehmen BLS teuer zu stehen. In der Testphase erwies sich die Lösung des Berliner IT-Unternehmens IVU als zu langsam, weshalb das Projekt nun abgebrochen wird, wie die BLS am Dienstag mitteilte.

Die neue Software hätte insbesondere auch bei Betriebsstörungen zum Einsatz kommen sollen. Gerade bei kurzfristigen Störungen erwies sie sich aber als zu langsam. «Das Risiko wäre zu gross, bei Betriebsstörungen nicht rasch genug reagieren zu können», schreibt das Bahnunternehmen in der Mitteilung.

Trotz gemeinsamer Anstrengungen mit dem Hersteller IVU habe man schliesslich feststellen müssen, dass die Software die Anforderungen der BLS mittelfristig nicht erfüllen könne. Zusätzliche Anpassungen der Software wären unter dem Strich zu teuer geworden. Deshalb beschloss die BLS den Abbruch des Projekts.

Millionenschwere Wertberichtigung

Dies hat finanzielle Folgen für die BLS: So wird das Jahresergebnis 2019 durch eine Wertberichtigung belastet. Diese liege aus heutiger Sicht zwischen 20 und 23 Millionen Franken, so die BLS. Mehr als 60 Prozent machen dabei Eigenleistungen wie Lohnkosten der Projektmitarbeitenden aus, welche durch ihre Aktivierung die vergangenen Jahresrechnungen entlastet.

Die Bahn verhandelt derzeit mit IVU über den Ausstieg aus dem Vertrag und will sich nicht zu allfälligen juristischen Konflikten äussern.

Alle Mitarbeitenden können bleiben

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV begrüsste den Projektabbruch laut Mitteilung vom Dienstag. SEV-Vertreter hätten einen solchen Schritt intern bereits mehrfach gefordert. Der Projekt-Stopp «ist ein Vernunftsentscheid, der allerdings etwas spät kommt», heisst es in der SEV-Mitteilung..

Sorgen bereiten dem SEV die 20 bis 23 Millionen Franken, die die BLS ins Kamin schreiben muss. Es gehe nicht an, dass das Personal dafür bezahlen müsse, betont der SEV. Das Personal habe in den vergangenen Jahren schon etliche Sparprogramme über sich ergehen lassen müssen. Zu weiteren solchen Massnahmen dürfe der finanzielle Schaden nicht führen. Denn: «die Verantwortung dafür liegt allein bei der Projektleitung.» Laut BLS werden wegen des Projektstopps keine Stellen gestrichen.

Vorläufig bleibt das System von 2003

Die BLS arbeitet seit 2003 mit einer Softwarelösung namens Rail-Opt. Die Planung mit diesem Instrument sei «sehr zeitintensiv», weshalb die Bahnverantwortlichen 2016 beschlossen, die Software bis 2021 durch ein neues, schnelleres System abzulösen. Die BLS transportiert täglich 160'000 Personen. Eine funktionierende Einsatzplanung von Zügen und Personal sei für den Bahnbetrieb unerlässlich, betont die BLS. Gerade bei Störungen gelte es, rasch und flexibel zu reagieren, damit die Reisenden nicht unter Verspätungen litten.

Die Einsatzdauer von RailOpt kann um mindestens fünf Jahre verlängert werden, wie das Bahnunternehmen in seiner Mitteilung weiter schreibt. Unbestritten bleibt für die BLS aber, dass die Software für die Ressourcenplanung modernisiert und verbessert werden soll.

Bessere Abgeltung gefordert

Projekte wie die Einführung eines neuen Ressourcenplanungssystems seien betrieblich notwendig, würden aber Unternehmen im regionalen Personenverkehr Risiken aussetzen, betont das Bahnunternehmen. Diese Risiken könnten nicht über die Einnahmen, also Abgeltungen und Ticketeinnahmen, finanziert werden. Damit Unternehmen im öffentlichen Verkehr risikofähiger werden, fordert die BLS «entsprechende Regelungen und Abgeltungen» – dies im Kontext der auf Bundesebene laufenden Reform des Regionalverkehrs.

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