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Bis auch der Astrophysiker keine Antwort mehr weiss

Thomas Zurbuchen, der Nasa-Direktor aus Heiligenschwendi, ist von einem Dokfilmer ein Jahr lang begleitet worden. Nun ist der Film fertig.

Dölf Barben
Im Film von Christof Franzen verschwimmen zwei Welten, als eine Rakete aus dem Nebel zu steigen scheint.
Im Film von Christof Franzen verschwimmen zwei Welten, als eine Rakete aus dem Nebel zu steigen scheint.
Screenshot

Es ist ein surrealistisches Bild: eine Rakete, die aus dem Nebel emporsteigt, der dick über dem Thunersee liegt. Es ist eine Überschneidung, die zwei Welten miteinander in Verbindung bringt. Jene der Physiker und Weltraumforscher im fernen Amerika und jene im kleinen Dorf über dem Thunersee, wo ein Teil der Menschen streng religiös ist.

Die Szene stammt aus dem Film über den Berner Astrophysiker Thomas Zurbuchen, der an diesem Donnerstagabend im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird. Ende 2016 wurde Zurbuchen Wissenschaftsdirektor der US-amerikanischen Weltraumbehörde Nasa. Seither ist er ein gefragter und immer berühmter werdender Mann. Letzten Sommer war er in Bern und feierte mit der Universität Bern das Mondlandejubiläum. Am 1. Juli erzählte er an einem Gesprächsanlass des «Bund» aus seinem Leben.

Schmerzhafte Ablösung

Ein Berner, der in die USA auswandert und in den Forscherolymp aufsteigt: Diese Geschichte wäre für sich allein gesehen schon aussergewöhnlich. Aber Zurbuchens Geschichte beinhaltet noch eine Dimension mehr – es geht darin um das höchst private und schmerzhafte Drama der Ablösung von seiner Familie, insbesondere von seinem Vater, einem frommen Prediger. Es geht um das Verlassen einer Welt, die Thomas Zurbuchen schon als Bub als zu eng empfand. Diese Geschichte ist in groben Zügen bekannt. Nun aber liefert «DOK»-Autor Christof Franzen, der den Nasa-Direktor ein Jahr lang mit der Kamera begleitet hat, noch die Bilder dazu.

Thomas Zurbuchen ist Wissenschaftsdirektor bei der Nasa. Foto: Franziska Rothenbühler
Thomas Zurbuchen ist Wissenschaftsdirektor bei der Nasa. Foto: Franziska Rothenbühler

Es ist eine feinfühlige Annäherung geworden an einen mittlerweile 52-jährigen Mann und dessen Familie. Der Film lebt von Zurbuchens entwaffnender Offenheit. Dieser nimmt den Filmemacher nach Heiligenschwendi mit, wo die Aussicht auf die Berner Alpen atemberaubend ist. Er führt ihn ins Elternhaus zu seiner Mutter. Am Küchentisch betrachten sie gemeinsam alte Fotos und sprechen über die innerfamiliären Beziehungen. In Amerika verschafft er ihm Zugang zu den Forschungsanstalten der Nasa, wo Mars-Rover zusammengebaut werden. Und er lädt ihn ein in sein Haus. Man sieht, wie der Astrophysiker Würste grillt und wie er im Wohnzimmer entspannt in einem Sessel sitzt und über das Verhältnis zu seinen Kindern spricht. Und über sich als fordernden Vater.

«Ich hoffe und glaube es»

Der Dokfilmer lässt Zurbuchen Zeit. Ob dieser nun über die Ausdehnung des Weltalls, den Sinn teurer Missionen oder den grössten Schritt in seinem Leben sinniert – jenen von Heiligenschwendi ans Gymnasium in Thun: Der Mann, der ein Budget von sieben Milliarden Dollar verwaltet und zahlreiche Mitarbeitende hat, versteckt sich nicht hinter Presseleuten. Er spricht für sich selbst, ob er die Antwort nun weiss oder nicht. Wie da, als Christof Franzen ihn fragt, wo seine Mutter, die im Laufe des Jahres dann starb, nun sei. «Ich weiss nicht, wie man solche Fragen beantwortet», sagt Zurbuchen. Seine Mutter sei überzeugt gewesen, sie werde zu ihrem Mann in den Himmel kommen. «Ich hoffe und ich glaube, dass sie damit recht hatte.»

Filmtipp:Donnerstag, 20. Februar, 20.05 Uhr, SRF 1: «Nasa-Direktor Thomas Zurbuchen – Von Heiligenschwendi auf den Mars». Ein Film von Christof Franzen.

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