Bern kann weiter Rad- und Eventstadt sein

Zürich hatte das bessere Dossier für die Strassen-WM. Aber Bern wird auch künftig Austragungsort wichtiger Sportanlässe sein – und eine Velostadt beiben.

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Es stand Kopf an Kopf beziehungsweise Rad an Rad. Und am Ende war es halt Zürich, das um eine Lenkerlänge früher im Ziel war. Nun, ganz so knapp wie von den Würdenträgern im Schweizer Radsportverband beteuert, dürfte die Entscheidung nicht gewesen sein. Zürich war überzeugender, finanzkräftiger und die besser beworbene zweier guter Kandidaturen für die Rad-WM 2024. Und hatte ein cleveres Lobbying, etwa mit Swiss-Cycling-Sportdirektor Thomas Peter, der die Zürcher Kandidatur mitberaten hat. Dass Bern hier den Kürzeren zieht, hat sich für einmal abgezeichnet.

Hinter vorgehaltener Hand sprach man schon vergangene Woche von Defiziten der Berner Kandidatur, von zu wenig überzeugendem Marketing der Drahtzieher um Koordinator Fränk Hofer, von ungenügendem Vortrag und Management. All das dürfte sich im Dossier niedergeschlagen haben, das der Berner Gemeinderat und «Event-Vater» Reto Nause vergangene Woche persönlich bei Swiss Cycling in Grenchen überbracht hatte.

Die Politik hat sich in beiden Städten voll und ganz hinter die Kandidatur gestellt. In Zürich sprach sie mit über zehn Millionen Franken alleine von Stadt und Kanton aber mehr Geld als in Bern – nicht nur aufgrund der in Zürich höheren Sicherheits- und Organisationskosten.

Wirklich schlimm ist die Niederlage für Bern indes nicht. Bern kann weiter Rad- und Eventstadt sein. Die vielbeschworene Velo-Offensive von Gemeinderätin Ursula Wyss definiert sich ohnehin mehr durch Ausbau von Infrastruktur und Innenstadt als über einen Grossanlass.

Alle zehn Jahre ein Grossanlass

Auch für die Eventpolitik ist die gescheiterte Kandidatur keine empfindliche Niederlage. Nauses Richtwert von einem Grossanlass in zehn Jahren übertrifft die Stadt dank ihrer Umtriebigkeit in diesem Bereich auch so. Seit der Fussball-EM 2008 ist Bern in zuverlässigen Abständen im internationalen Sportkalender vertreten – als nächstes im Juni mit dem e-Prix der Formel E. Selbst im Radsport wird Bern weiter eine Rolle spielen: Der Ittiger Marc Hirschi zählt zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrern des Landes. Und auch die Tour de Suisse wird früher oder später wieder in der radbewährten Bundesstadt Halt machen.

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