Bern ist der Schicksalskanton für die BDP

Für niemanden ist der Ausgang der Wahlen im Kanton Bern existenzieller als für die BDP. Zu den Verlierern dürfte aber die SVP gehören.

Beatrice Simon ist der Trumpf der BDP und soll vom Berner Rathaus ins Bundeshaus ziehen. Sie kandidiert sowohl für den National- als auch für den Ständerat.

Beatrice Simon ist der Trumpf der BDP und soll vom Berner Rathaus ins Bundeshaus ziehen. Sie kandidiert sowohl für den National- als auch für den Ständerat.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Christoph Aebischer@cab1ane

Die Wahllokale sind nun geschlossen. Jetzt hat die grosse Zeit der Prognostiker begonnen. Für 15.30 Uhr sind Hochrechnungen angekündigt. Von besonderem Interesse für Bern: Wie stark muss die SVP nach ihrem Spitzenresultat von 2015 Federn lassen? Wie deutlich werden die Gewinne der Grünen und Grünliberalen ausfallen? Die Abwahl befürchten muss Erich Hess (SVP), aber auch Adrian Wüthrich von der SP könnte es treffen. Er würde allerdings eher ein Opfer der SP-Frauen oder der Grünen, die eine Listenverbindung mit der SP eingegangen sind.

Nirgends muss die BDP mehr Sitze verteidigen

Besonders schicksalsträchtig ist der Berner Wahlausgang für die BDP. In keinem anderen Kanton muss die schrumpfende Partei mehr Sitze verteidigen. Das Abschneiden im Kanton Bern wird darum quasi darüber entscheiden, ob die BDP im Bundeshaus eine eigene Fraktion bilden kann. Die Berner Delegation besteht aktuell aus drei Nationalräten und einem Ständerat – und damit stellt sie die Hälfte der BDP-Fraktion.

Im Vorfeld der Wahlen wiesen verschiedene nationale Umfragen, so auch jene von Tamedia, auf eine Verschiebung des politischen Gewichts nach links hin. Die knappe Mehrheit von Mitte-rechts im Nationalrat wäre dann Geschichte. Als Top-Themen im Wahlkampf haben sich die Klimaproteste und der Frauenstreik etabliert. Die nach wie vor unklare Zukunft der Altersvorsorge oder die auf der Kippe stehenden Verhandlungen mit der EU zu einem Rahmenabkommen wurden dagegen kaum diskutiert.

Trend gilt für den Nationalrat

Laut einer im September gemachten «Bund»-Umfrage gilt der nationale Trend auch für die Berner Delegation im Nationalrat. Interessant ist hier insbesondere, wie sich die weitere demografisch bedingte Reduktion der Nationalratssitze von 25 auf 24 auswirken wird. Wie sich die erwarteten Stimmverluste von SVP, BDP und FDP beziehungsweise die Gewinne von Grünen und Grünliberalen auf die Sitzzahl auswirken werden, ist allerdings schwer voraussehbar.

Die Auswahl für die Wählenden war noch nie grösser: 651 Bernerinnen und Berner möchten in den Nationalrat. Chancen haben die wenigsten. Am besten stehen sie für jene 22, die schon heute in der grossen Kammer politisieren und damit mit einem Bisherigenbonus antreten können. Wer das Rennen macht, wird erst spätabends klar sein.

Im Ständerat wird um den zweiten Sitz gerangelt

Ständerat: Deutlich früher erwartet werden die Resultate des Ständerats. Angekündigt sind sie für den frühen Abend. Sie werden mit besonderer Spannung erwartet. Da Werner Luginbühl (BDP) nicht mehr antritt, eröffnet sich neuen Kandidaten eine reelle Chance. Insgesamt sechs Frauen und neun Männer treten an. Einzig für den bisherigen Hans Stöckli (SP) scheint die Sache sicher zu sein: Kaum jemand zweifelt daran, dass er letztlich seinen Sitz verteidigen kann. Dies erhöht jedoch das Gerangel um den zweiten Sitz. Wenn heute am frühen Abend im Berner Rathaus die Resultate bekannt gegeben werden, dürfte aber noch niemand das absolute Mehr erreicht haben und damit vorerst niemand den Sprung ins Stöckli schaffen. In einem zweiten Wahlgang, der am 17. November stattfinden wird, möchte Beatrice Simon, die heutige Finanzdirektorin des Kantons Bern, dann den Sitz der BDP verteidigen.

Im Ticker berichtet «Der Bund» laufend über die Wahlen im Kanton Bern.

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