Bern investiert in zwei Sprachen

Mehr Sprachaustausch an Schulen, Deutsch und Französisch in Spitälern und Verwaltung: Der bernische Regierungsrat beschliesst Massnahmen für die Zweisprachigkeit.

In Biel wird Zweisprachigkeit oft schon angewandt, nun soll im ganzen Kanton der «bilinguisme» stärker gefördert werden.

In Biel wird Zweisprachigkeit oft schon angewandt, nun soll im ganzen Kanton der «bilinguisme» stärker gefördert werden.

(Bild: Adrian Moser)

Der bernische Regierungsrat hat diese Woche sein viertes Ziel ins Auge gefasst. Insgesamt fünf Ziele hat er sich für diese Legislatur gesteckt, das vierte handelt von den Sprachen Französisch und Deutsch und lautet: Der Kanton Bern soll das Potenzial der Zweisprachigkeit nutzen.

Nun will der Regierungsrat die Zweisprachigkeit zuerst einmal fördern. Dazu hat er 25 Massnahmen beschlossen und gleich mehrere Direktionen in die Pflicht genommen. Die Erziehungsdirektion soll unter anderem für mehr Sprachaustausch an den Schulen sorgen und prüfen, was ein zweisprachiger Kulturpreis bringen könnte. Die Gesundheitsdirektion muss darum besorgt sein, dass in bestimmten Spitälern die Zweisprachigkeit gewährleistet ist.

Die Finanzdirektion listet jährlich auf, welcher Sprache die Kantonsangestellten in welcher Gehaltsklasse sind. Die Volkswirtschaftsdirektion soll bei Bedarf die Zweisprachigkeit in den Unternehmen fördern. Die Staatskanzlei soll ein Amtssprachengesetz entwerfen. Dieses soll regeln, wann Behörden in welchen Sprachen kommunizieren, wie die beiden Sprachen in der Verwaltung vertreten sind und mit welchem Geld die Zweisprachigkeit gefördert wird.

Mit diesen Massnahmen, welche die Staatskanzlei koordinieren soll, will der Regierungsrat die Rolle des Kantons Bern als Brücke zwischen der deutschen und der französischen Schweiz stärken. Gemäss der Mitteilung vom Freitag plant er dafür als 26. Massnahme 100'000 Franken für das kommende Jahr ein, für das folgende 200'000 und für die Jahre 2022 und 2023 je 300'000 Franken.

«Bescheidener Anfang»

Bei den 25 Massnahmen stützt sich der Regierungsrat auf Experten ab, die vor einem Jahr einen Bericht mit 46 Empfehlungen verfasst haben. Präsidiert wurde diese Expertenkommission von Hans Stöckli, SP-Ständerat und ehemaliger Stadtpräsident von Biel. Er sagt zum Beschluss des Regierungsrates: «Insgesamt bin ich zufrieden, ein gewichtiger Teil unserer strategischen Vorschläge soll umgesetzt werden.»

«Findet kein Austausch statt, leben wir einfach nebeneinander, aber nicht miteinander.»Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg

Ein Amtssprachengesetz sei nötig, und Schüleraustausche seien das A und O zur Förderung der Zweisprachigkeit, so Stöckli. Er begrüsst auch, dass die Regierung Wert auf die nötige Zweisprachigkeit im Gesundheitswesen legt. Bei den gesprochenen Ressourcen nimmt seine Begeisterung jedoch merklich ab. «Sie mögen mehr bewirken als ein Tropfen auf den heissen Stein, aber sicherlich nicht mehr als ein Kübel Wasser.» Mit diesem Geld sei ein bescheidener Anfang möglich, die Umsetzung werde zeigen, welcher Betrag tatsächlich nötig sei.

«Es mag zunächst ein kleines Budget sein», sagt Pierre Alain Schnegg, Präsident der Jura-Delegation des Regierungsrates, auf Anfrage. «Aber es gibt Massnahmen für die Zweisprachigkeit, die keinen Rappen kosten.» So empfiehlt etwa die Staatskanzlei, in der Kantonsverwaltung bei Anstellungen zweisprachige Personen zu bevorzugen sowie in Gesprächen oder an Sitzungen beide Amtssprachen zu gebrauchen.

Und es koste Schulen kaum mehr Geld, wenn sie für ein Klassenlager eine andere Sprachregion wählten, so Schnegg. Es gehe vor allem darum, für das Thema Zweisprachigkeit zu sensibilisieren. Im Kanton Bern sind gut 10 Prozent der Bevölkerung französischsprachig. «Findet kein Austausch statt, leben wir einfach nebeneinander, aber nicht miteinander», so Schnegg. Zudem könne Zweisprachigkeit ein Wirtschaftsfaktor und etwa bei der Standortwahl eines Unternehmens mitbestimmend sein.

«Drei Lücken»

Der Verein Bern bilingue lobt den Regierungsrat, er habe «kluge Entscheide gefällt». Diese müssten nun weiterentwickelt werden, verlangt der Verein in einer Mitteilung. Ausserdem gebe es noch drei Lücken: Der Verein fordert den Regierungsrat auf, seine gesamtschweizerische Rolle als Brückenkanton zu verstärken. Er schlägt zudem vor, dass der Regierungsrat dem Grossen Rat pro Legislatur einen Bericht über die Entwicklung der Zweisprachigkeit vorlegt.

Ausserdem müssten die Stadt Bern als Sitz des Bundes sowie die Gemeinden rund um Bern ebenfalls in die Zweisprachigkeit investieren und eine ähnliche Analyse machen wie der Regierungsrat.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt