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Aufgetischt: Die Reise nach Fernost beginnt in Bern-West

In Bümpliz katapultiert das Tibetan Snow Lion Momos den Testesser kurzerhand in den Tibet. Die hippen Momos sind hier hausgemacht nach dem Rezept des Vaters.

Wie eine Madonnenerscheinung wirkt das hell erleuchtete Schaufenster für den hungrigen Testesser in der kalten Nacht.
Wie eine Madonnenerscheinung wirkt das hell erleuchtete Schaufenster für den hungrigen Testesser in der kalten Nacht.
zvg

An einem anderen Tag, zu einer anderen Zeit hätte der Testesser das kleine, unscheinbare Lokal wohl glatt übersehen. Aber die Nacht ist kalt und der Hunger gross – da wirkt das hell erleuchtete Schaufenster des tibetischen Restaurants wie eine Madonnenerscheinung. Ein Glücksfall und der Anfang einer kurzen Tibetreise. Denn wer das Lokal im Westen von Bern betritt, fühlt sich unmittelbar nach Fernost versetzt. An den im frischen Gelbton gestrichenen Wänden hängen tibetische Bilder – der Dalai-Lama darf natürlich nicht fehlen. In einer Vitrine stehen asiatische Vasen. Ansonsten ist der Raum karg eingerichtet. Drei, vier funktionale – an diesem Abend leere – Tische bilden das Mobiliar. Besonders stylish ist das nicht, aber gerade diese Kargheit sorgt für Authentizität.

Spezialität des Hauses sind Momos genannte tibetische Teigtaschen. Die sind gerade furchtbar in. In Bern sind in den letzten Monaten schon zwei Momo-Lokale aufgegangen, ein weiteres ist bereits angekündigt. Pasang Getetsang, Wirt und Koch im Tibetan Snow Lion, quittiert das nur mit einem Lächeln. Bei ihm gebe es die originalen Momos, versichert er. Die Rezepte habe er von seinem Vater, und alles sei hausgemacht. Wir sind gespannt und bestellen: den Edamame-Salat (Fr. 6.–) als Vorspeise, zum Hauptgang den gemischten Momo-Teller (Fr. 18.50) und das Nudelgericht Bhötup mit Ente (Fr. 18.50).

Die gedämpften Edamame-Bohnen sind mit getrockneten Chili, grobem Salz und einem nach Sesam riechenden Gewürzöl mariniert. So einfach und so gut. Die milde Schärfe und das leicht rauchige Gewürzöl ergänzen sich optimal, ohne dass ein Geschmack den anderen dominiert. Wir haben kaum fertig gegessen, da stehen auch schon die Hauptgänge vor uns – und zwei kleine Teller, damit wir uns die Gerichte teilen können. Die gedämpften Teigtaschen gibts mit dreierlei Füllungen: Rind, Poulet und vegetarisch. Die Variante Poulet ist die zurückhaltendste. Hier kommt die dazu gereichte Sauce am besten zur Geltung – eine scharfe, aber trotzdem frisch schmeckende Sauce mit Tomaten. Das sei nicht die schärfste, sagt der herzliche Wirt und lacht. Die vegetarischen Momos sind mit Spinat gefüllt. Geschmacklich dominieren – wie bei der Variante mit Rindfleisch – die Frühlingszwiebeln. Das Nudelgericht Bhötup kann der Spezialität des Hauses durchaus das Wasser reichen: knackiges Gemüse, handgemachte Nudeln, leichte Schärfe und exotische Noten von Ingwer bis Zitronengras, dazu das zarte Entenfleisch.

Nach so viel Scharfem soll ein süsser Abschluss den gelungenen Abend abrunden. Üppig ist die Auswahl an Desserts nicht: gebackene Bananen oder Mango-Lassi. Wir bestellen die Bananen (Fr. 5.90). Und müssen einmal mehr nicht lange warten – man merkt: Die Küche ist Take-away-erprobt. Der Nachtisch ist zwar nicht der Höhepunkt des Abends – dafür liegt die Latte heute bereits schlicht zu hoch –, aber er überzeugt. Die Bananen sind in einen luftigen, frittierten Teig gehüllt. Trotz eines roten Früchtegelees (Erdbeere?), der als Sauce über die Bananen verteilt wurde, schmeckt das Ganze nicht zu süss.

Und dann stehen wir wieder auf einer dunklen, kalten Strasse mitten in Bümpliz. Tibet ist meilenweit weg und nur noch eine schöne Erinnerung und ein feiner Nachgeschmack auf der Zunge.

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