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«Aufgetischt»: Mutter im Schloss des Papstes

Die traditionsreiche Dorfbeiz Sternen in Worb befriedigt den Hunger unseres Testessers, auch wenn kleine Verbesserungen möglich wären.

Der Schweizer Komiker Emil spielte einmal einen Gourmet oder eher einen Gourmand, der mit seinen Kenntnissen über Fressbeizen prahlte. Im Restaurant X sei es «immer bumsvoll», sagte er, er sei jeweils am Muttertag dort. Ob das repräsentativ ist, darf bezweifelt werden. Als wir am Muttertag den 200-jährigen Gasthof betreten, ist er nicht bumsvoll. Etliche Familien kommen erst nach 13 Uhr, wohl weil sie den Brunch von zu Hause noch verdauen mussten.

Für uns ist an einem kleinen Tisch reserviert. Wir stossen mit der verdienten Mutter des Volkes mit einem Prosecco der Marke Kenko aus dem venezianischen Hinterland an (6 Fr./dl). Dem Muttertagsmenü, einem Viergänger (49.50 Fr.), widmet sich der Testesser, der besten Begleiterin von allen wäre es zu viel. Sie bestellt einen gemischten Salat (8.50 Fr.) und Wiener Schnitzel (34.50 Fr.). Die Tochter bleibt vegetarisch, ordert eine Tomatencrèmesuppe (7.50 Fr.) und einen Gemüseteller (17.50 Fr.).

Die Bouillon mit Flädli ist so weit in Ordnung, die Omelettenstücke könnten sogar hausgemacht sein. Der Menü-Frühlingssalat ist tadellos. Die geehrte Mutter wird etwas von der Grösse des Schnitzels überrascht – Kalbfleisch, wie es sich gehört. Die Panade ist kross und knusprig. Das Kalbssteak des Festtagsmenüs ist von der Dicke her eher ein Plätzli als ein Steak und zudem etwas trocken. Die grünen Spargeln hätte man offensiver abrüsten können – diesbezüglich wird leider in vielen Beizen gesündigt. Die «Sauce bernoise» ist wie vermutet eine béarnaise, auch sie womöglich hausgemacht, von guter Konsistenz und angenehmem Geschmack. Der Wirt Valbon Valiqi, der den Sternen unlängst vom langjährigen Pächterpaar Vera und Clemens Maschek übernommen hat, bemerkt unser Schmunzeln und murmelt etwas von «Druckfehler». Charmant gibt er die Rolle des Gastgebers.

Als Signatur des Hauses sind die Gerichte mit zwei gekreuzten frittierten Spaghettistangen dekoriert, die sich zerknabbern lassen wie dünne Grissini. Das ist hübsch, aber nicht nötig, das Gericht sollte für sich sprechen. Wir sind insgesamt mit dem Gebotenen zufrieden, finden es aber nicht herausragend. Die weissen Blümchen im Dekotopf auf dem Tisch schauen schon ziemlich traurig drein, was gerade am Muttertag nicht passieren dürfte.

Originell ist das Sternen-Wasser (still oder sprudelnd), das in Flaschen gereicht wird (5 dl, 4.80 Fr.). Dazu trinken wir einen Wein, der als Inbegriff eines guten französischen Tropfens galt: Châteauneuf-du-Pape. Da die Damen zurückhaltend trinken und Monsieur noch fahren muss, nehmen wir die demi-bouteille (49 Fr.). Der Wein hat seinen Preis, doch ist dem Kellner Angelo («isch guete Wy») beizupflichten. Ein Fauxpas gegen Schluss: Das Menüdessert, ein Coupe Romanoff, steht auf dem Tisch, als die Damen noch ihre Glacekugeln von der Karte aussuchen. Auch nicht comme il faut ist es, wenn der Kellner einen überzähligen Stuhl von unserem Tisch wegnimmt und draufsteht, um so hinter dem Büffet das oberste Regal besser zu erreichen. Fazit: Die traditionsreiche Dorfbeiz hat Potenzial, doch sollte noch etwas am Finish gearbeitet werden.

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