Aufgetischt: Im San Gottardo wird man subito zum Stammgast

«Bund»-Testesser Markus Dütschler mutiert bei seinem ersten Besuch im Berner San Gottardo flugs zum Stammgast.

Der Raum des Lokals, indem die Gäste speisen, ist schlauchartig gebaut.

Der Raum des Lokals, indem die Gäste speisen, ist schlauchartig gebaut.

(Bild: sangottardobern.ch)

Markus Dütschler

Der Testesser ist allein unterwegs. War hier früher nicht die Bar Nordsüd? Seit Frühjahr 2018 heisst das Lokal San Gottardo. Draussen wäre es zwar schön, aber der Testesser möchte seinen Computerrucksack nicht unbewacht in der Aarbergergasse herumstehen lassen, wenn er il gabinetto aufsucht. Deshalb setzt er sich im schlauchartigen Lokal an einen freien Tisch.

Dieses ist gut besetzt. Von den Kellnern, die zackig, routiniert, aber charmant unterwegs sind, hört man italienische Wortfetzen, wenn eine signora bezahlen will oder ein Salat ohne Sauce irrtümlich den Weg zum Gast gefunden hat. Eine der gefühlten 50 Pizze gäbe es als Tagesmenü mit Salat (Fr. 18.50). Bistecca di Vitello mit Patate fritte (Fr. 31.50) ist dem Testesser zu viel – nicht preislich, sondern von der Schwere her. Zur Wahl stehen auch (scharfe) Penne Vesuvio (Fr. 17.50) oder Mezzelune, mit Ricotta und Spinat gefüllte Teigtaschen(Fr. 20.50). Ihm steht der Sinn eher nach maiale, weshalb er das Schweineschnitzel mit Risotto bestellt: Scaloppine di Maiale Tricolore con Risotto alla Parmigiano (Fr. 19.50).

Der Kellner wettet: Wenn der Gast das Tiramisu nicht mag, muss er es nicht bezahlen.

Es bleibt ihm wenig Zeit, das erneuerte Interieur zu studieren: die Wand mit dem grünen Dschungelbild, die golden schimmernden Wände, die spiralförmigen Lampen, die an Fusilli-Teigwaren erinnern. Oder die rot gepolsterten Stühle, die farblich zu den weinroten Schirmen draussen passen. Die weinrote Farbe verleiht dem Lokal einen gewissen Chic. Weniger passen dazu die Papiertischsets, auf denen gleich noch die Pizza-Auswahl abgedruckt ist.

Schnell kommt die Salatschale mit italienischer Sauce, bald auch das Menü. Das Schweinefleisch ist zart, der Risotto sämig, schön garniert mit gedämpften Tomaten und Blattspinat. Alles im grünen Bereich, wenngleich der Testesser mit seinem Appetit noch etwas mehr Risotto vertilgt hätte. Gewürzt ist dieser eher dezent. Auf anderen Tischen hat es Pfeffermühlen, auch auf einem nahen Kästli, doch der Testesser ist zu brav oder zu faul, um selbst eine zu holen, gefragt wird er auch nicht.

Dessert? Es gebe Ricotta oder Tiramisu, so der Kellner, natürlich fatto in casa. Er schliesst eine Wette ab: Wenn der Gast das Tiramisu nicht möge, sei es gratis, sagts und klopft dem neuen Gast auffordernd auf die Schultern, als wäre er ein alter Bekannter wie die Stammgäste am Nebentisch, mit denen er sich duzt. Der Testesser muss bezahlen, denn die Nachspeise ist gut, luftig und nicht mastig wie in manchen Gaststätten.

Nach Wein hat der Testesser nicht gefragt. Allein trinken macht keinen Spass, und am Nachmittag braucht er einen klaren Kopf. Aber einiges, was die Karte verspricht, würde er im San Gottardo schon gerne einmal ausprobieren.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt