Auch Betagte sind von häuslicher Gewalt betroffen

Die Berner Aktionstage gegen Gewalt thematisieren ein Tabu-Thema.

Eine ältere Frau mit Schmuck. (Symbolbild)

Eine ältere Frau mit Schmuck. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Häusliche Gewalt im Alter ist ein Tabuthema in der Gesellschaft. Dagegen will die Stadt Bern im Rahmen der nationalen Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» etwas tun. Die Fachstelle Häusliche Gewalt macht ihr Angebot in den Berner Quartieren zugänglich.

Betroffene, Angehörige und Freunde können sich unverbindlich informieren oder eine Kurzberatung in Anspruch nehmen, heisst es in einer Mitteilung der städtischen Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie vom Freitag. Die Kampagne dauert vom 25. November bis am 10. Dezember.

«Die Gewalt in den eigenen vier Wänden im Alter ist eines der grössten Tabus unserer Gesellschaft und hat viele Facetten», wird Gemeinderat Reto Nause in der Mitteilung zitiert.

Veränderte Abhängigkeiten

Mit fortschreitendem Alter werden oftmals Autonomie und Bewegungsfreiheit unter Umständen aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt. Dadurch verändern sich für viele Menschen auch die Abhängigkeitsverhältnisse. Mitunter kommt es zu Überforderungssituationen.

Häusliche Gewalt beschränkt sich nicht nur auf körperliche Übergriffe. Gerade im Alter sind psychische Gewalt und Vernachlässigung weit häufiger. Als Beispiele gelten etwa die Einschränkung der finanziellen Mittel, fehlende Unterstützung bei der Körperhygiene, verbale Demütigungen, Drohungen oder Nahrungsentzug.

Gewalt ausüben können unter anderen auch Verwandete oder nahestehende Personen, die nicht im gleichen Haushalt wohnen. In der Stadt Bern melden sich jedes Jahr nur eine Handvoll Betroffene bei der Polizei oder bei der Fachstelle. Doch die Dunkelziffer dürfte weit höher sein, wie aus der Mitteilung der Stadt hervorgeht. Oft verhindert Scham, Angst oder physisches sowie psychisches Unvermögen daran, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Zu den Leuten

«Gerade, weil sich Betroffene im Alterssegment 65 zunehmend in einem engeren Radius bewegen oder bewegen können, möchte die Stadt Bern nicht nur die breite Öffentlichkeit mit Plakaten und Flyern sensibilisieren, sondern direkt auf die Menschen in den Quartieren zugehen», erklärt Ester Meier, Leiterin Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz.

Angesprochen werden sollen nicht nur die Opfer, sondern auch Betreuungspersonen, die eine anspruchsvolle Pflegearbeit leisten und mit der Situation oft überfordert seien. Eine offene Sprechstunde ist in der Elfenau, in Bümpliz und in der Innenstadt geplant. Unterstützt werden die Bemühungen der Fachstelle von der Pro Senectute Region Bern, den Grauen Panthern Bern und der Burgergemeinde Bern.

Am 1. April 2018 ist in der Schweiz das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Häuslicher Gewalt in der Schweiz in Kraft getreten. Die sogenannte Istanbul-Konvention verfolgt das Ziel, jegliche Formen von Gewalt gegen Frauen und Häusliche Gewalt zu verhüten, zu bekämpfen und zu verfolgen.

spr/sda

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