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Anwohner sehen durch Schule ihre Oase gefährdet

Im Berner Weissenbühl soll eine neue Schulanlage entstehen. Auf der Goumoëns-Matte ist ein Rasenspielfeld geplant. Das weckt Kritik im Quartier.

Die Stadt Bern will diesen Rasen im Weissenbühl für schulische Zwecke nutzen.
Die Stadt Bern will diesen Rasen im Weissenbühl für schulische Zwecke nutzen.
Franziska Rothenbühler

Ab Montag werden Schülerinnen und Schüler in der Stadt Bern erstmals in den Neubauten bei den Schulhäusern Marzili und Pestalozzi unterrichtet. Doch der Schulraum in der Bundesstadt bleibt knapp: In den Quartieren rund um den Mattenhof braucht es in wenigen Jahren Platz für 26 weitere Klassen, also für über 500 Kinder. Die Stadt Bern will daher auf dem Goumoëns-Areal beim Bahnhof Weissenbühl eine neue Schul- und Sportanlage errichten.

Verläuft alles nach Plan, soll 2023 mit dem Bau begonnen und die Anlage drei Jahre später fertiggestellt werden. Die Kosten belaufen sich Schätzungen zufolge auf bis zu 74 Millionen Franken. Doch ob der Plan aufgeht, ist noch alles andere als sicher. Vom Projektierungskredit bis zum Baubeginn muss das Vorhaben mehrere Etappen durchlaufen.

Spielfeld im Park

Sicher ist hingegen, dass dieses Unterfangen nicht überall gut ankommt. Zwar sind auf den Plänen der Stadt zur Umgestaltung auf den ersten Blick keine drastischen Massnahmen zu erkennen: So wird der Neubau entlang der Gleise auf einem teilweise bereits überbauten Abschnitt verlaufen. Lediglich ein Teil des öffentlichen Grünraums soll künftig als Rasenspielfeld dienen.

Trotzdem hat sich eine Gruppe von Quartierbewohnern in einem Rundbrief an verschiedene Medien sowie an die Fraktionspräsidenten des Stadtrats gewendet. Darin werden die Pläne der Stadt kritisiert: Mit der Umgestaltung des Areals verschwinde «ein wichtiges Naherholungsgebiet», das Projekt sei überdimensioniert und bessere Alternativen seien voreilig verworfen worden, lautet der Tenor.

«Es geht nicht an, Freiraum gegen Schulraum auszuspielen.»

Patrick Krebs: Geschäftsleiter der Quartierkommission Mattenhof-Weissenbühl

Man bestreite nicht, dass es dem Stadtteil an Schulräumen fehle, sagt Beat Nufer, der Sprecher der Gruppe. Nutzungskonflikte seien aber vorprogrammiert: «Die Grünfläche auf dem Areal wird zum Rasenspielplatz für Schüler. Eine vielfältige, durchmischte Nutzung, wie sie die Stadt anstrebt, wird so nicht gefördert, sondern geht verloren.»

Alternativen gesucht

Zudem kämen andere Standorte wie das Hopfgut oder das Zieglerareal ebenfalls infrage, diese seien aber nicht sorgfältig geprüft worden. «Es sieht so aus, als seien die Schülerzahlen nicht vorsichtig prognostiziert worden, und nun muss alles schnell gehen», sagt Nufer

Auch bei der offiziellen Quartiervertretung, der Quartierkommission QM3, ist man vom Projekt nicht begeistert. «Es geht nicht an, Freiraum gegen Schulraum auszuspielen», sagt Geschäftsleiter Patrick Krebs. Noch habe die Kommission ihre Position nicht gefestigt. Man verlange aber von der Stadt, auch Standorte angemessen zu evaluieren, bei denen keine Freiräume verloren gingen.

Stadt will vorwärtsmachen

Für das städtische Schulamt ist der Platzmangel ein Dauerthema. Die Altbauten reichen schon lange nicht mehr aus, die wachsenden Schülerzahlen unterzubringen. Regelmässig sucht man daher nach Flächen in Privatliegenschaften, die dazugemietet werden, oder man errichtet Modulbauten, um Engpässe zu überbrücken. Ziel des Projekts auf dem Goumoëns-Areal sei daher nicht nur die Schaffung zusätzlichen Schulraumes, sondern auch die Aufhebung solcher Provisorien, sagt Jörg Moor, stellvertretender Leiter des Schulamtes. Dies sei bei den geplanten Klassenzahlen berücksichtigt.

Für Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) muss es nun rasch vorwärtsgehen. «Die wachsende Stadt ist auf genügend und guten Schulraum angewiesen.» Dazu müssten auch neue, grosse Schulzentren realisiert werden. Ein vollständiges pädagogisches Angebot mit Spezialräumen und Freifächern sei bei kleinen Unterstufenschulen oft nicht möglich. «Dieser Aspekt wird in der Diskussion aus meiner Sicht ungenügend berücksichtigt.»

Parlament ist an der Reihe

Was die Prüfung alternativer Standorte angeht, seien räumliche Verhältnisse und die Lage ausschlaggebend gewesen. «Im Rahmen der Projektentwicklung fand eine Evaluation statt, bei der auch das Hopfgut und das Zieglerareal einbezogen wurden. Auf Basis der Evaluation kam der Gemeinderat zum Schluss, dass der Standort Goumoëns der richtige ist.»

Stimmt das Parlament dem Vorschlag zu, werde im Rahmen der weiteren Projektierungsarbeiten ein tragfähiges Bauprojekt entwickelt. «Tragfähig heisst, dass die vorgebrachten Anliegen mitberücksichtigt werden», so von Graffenried.

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