Am Ende entscheiden auch Emotionen

Entscheidend ist, ob die Bevölkerung der Gemeinden einen Gewinn in einer Fusion sieht oder nicht.

Fünf Gemeinden sind bereit, über eine Fusion offen zu sprechen. Das alleine ist bereits ein Erfolg für den Stadtpräsidenten (Bild).

Fünf Gemeinden sind bereit, über eine Fusion offen zu sprechen. Das alleine ist bereits ein Erfolg für den Stadtpräsidenten (Bild).

(Bild: Adrian Moser)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Jetzt wird es konkret: Sechs Gemeinden im Raum Bern haben Fusionsabklärungen gestartet. Bis Ende nächsten Jahres wollen die Stadt Bern und die Gemeinden Ostermundigen, Bolligen, Bremgarten, Frauenkappelen und Kehrsatz aufgrund einer Studie entscheiden, ob sie enger kooperieren oder fusionieren wollen. Dies allein darf bereits als Erfolg für den Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried (GFL) gewertet werden, der einst vierzehn Gemeinden zur Beteiligung an der Studie eingeladen hatte.

Von Graffenrieds unermüdlichem Weibeln ist es zu verdanken, dass zumindest für fünf dieser Gemeinden der Begriff «Fusion» seine einst abschreckende Wirkung verloren hat. Was heute nach einem grossen Wurf aussieht, wird sich dereinst aber vielleicht doch auf Bern und Ostermundigen beschränken. Denn die Herausforderungen und Probleme in Ostermundigen sind urbaner Art und prägen auch das Lebensgefühl. Sie ähneln eher jenen von Bern-West als denen anderer Regionsgemeinden.

Am Ende ist entscheidend, ob die Bevölkerung der Gemeinden einen Gewinn in einer Fusion sieht oder nicht. Dabei geht es nicht nur um eine effizientere Verwaltung oder einen tieferen Steuersatz, sondern auch um die Identifikation mit der Stammgemeinde oder eben der Kernstadt. Auf der Sachebene spricht in einigen Gemeinden vieles für eine Fusion: So ist etwa Ostermundigen knapp bei Kasse. In Bolligen stehen grosse Investitionen an, und in Bremgarten haben die Parteien Mühe, genügend Kandidierende für die Listen zu finden. Wäre aber die Sachebene allein entscheidend, müsste heute auch das klamme Köniz bereit dazu sein, zumindest über eine Fusion nachzudenken. Dem ist aber nicht so.

Das Abseitsstehen von Köniz deutet darauf hin, dass am Ende auch Emotionen den Ausschlag geben werden. Berns grösste Vorortsgemeinde ist mit über 42000 Einwohnern grösser als Aarau. Sie hat aber viele ländliche Gebiete und ein dörfliches Zentrum. Die Bevölkerung hat sich denn auch in einer Abstimmung vor fünfzehn Jahren klar gegen eine Umetikettierung in «Stadtgemeinde» entschieden.

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