Als Schweizer in Schweden

Wenn die Schweiz heute auf Schweden trifft, ist Christian Bigler hin- und hergerissen. Der Auslandschweizer aus Schweden unterstützt die Schweizer Nati – seine Frau die schwedische.

Christian Bigler (Mitte) unterstützt die Schweiz. Seine Kinder sind sich uneinig.

Christian Bigler (Mitte) unterstützt die Schweiz. Seine Kinder sind sich uneinig. Bild: zvg

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Sie sind im Emmental aufgewachsen, wohnen aber schon seit fast 20 Jahren in Schweden. Für wen fiebern Sie nun mit?
Persönlich bin ich für die Schweiz. Sie ist meine ursprüngliche Heimat. Trotzdem ist es natürlich eine schwierige Entscheidung und ein seltsames Gefühl.

Wie sieht es in Ihrem Umfeld aus? Werden Sie auf Ihre Schweizer Herkunft angesprochen?
Natürlich höre ich Sprüche von Freunden und Bekannten. Ob sie das Migrationsamt informieren sollten, zum Beispiel. Es bleibt aber immer respektvoll und humorvoll. Ein tiefer Graben tut sich jedoch in unserer Familie auf. (lacht)

Inwiefern?
Meine Frau ist Schwedin und wird am Dienstag natürlich Schweden anfeuern. Auch meine Tochter hat sich auf die schwedische Seite geschlagen. Dafür ist mein Sohn für die schweizerische Nationalmannschaft.

Was denken Sie, wer gewinnt heute den Achtelfinal zwischen der Schweiz und Schweden?
Ich denke, die Schweiz entscheidet das Spiel für sich. Sie sind in der Offensive etwas besser – das könnte den Ausschlag geben. Anderseits hat auch Schweden seine Qualitäten: Sie haben in der Qualifikation die Franzosen geschlagen, in der Barrage setzten sie sich dann gegen die Italiener durch. Das gibt ihnen viel Selbstvertrauen.

Umeå, in Schwedens Norden: Hier lebt Christoph Bigler mit seiner Familie.

Der ehemalige Superstar, Zlatan Ibrahimovic, dürfte der Mannschaft aber fehlen.
Nicht unbedingt: Nach der Ära Zlatan hat die Mannschaft viel mehr Verantwortung übernommen. Es sticht niemand heraus. Auch der neue Trainer Janne Andersson hat gute Fähigkeiten, das Team weit zu bringen. Man könnte fast sagen, dass Zlatan der Mannschaft nicht mehr fehlt. Auch wenn er in Schweden schon fast ein Heiliger ist. Überall laufen die Kinder mit Ibrahimovic-Trikots herum.

Die Amerikaner verwechseln ja die Schweiz und Schweden oft. Wie ähnlich sind sich die beiden Nationen eigentlich?
Wir sind uns tatsächlich recht ähnlich. Beiden ist das Familienleben wichtig, beide Völker sind weltoffen. Stark musste ich mich also nicht anpassen.

Hatten Sie also bei der Auswanderung keinen Kulturschock?
Nein, überhaupt nicht.

Und worin bestehen die Unterschiede?
Nun, ich finde, es geht etwas gemütlicher zu und her in Schweden. Sie benutzen etwas weniger die Ellbogen, man ist gesellschaftlich wie auch politisch sozialer eingestellt. Der Vaterschaftsurlaub dauert zum Beispiel um einiges länger als in der Schweiz.

Sie wohnen in einer Stadt gut 600 Kilometer nördlich von Stockholm. Wie fussballverrückt ist man dort?
Es herrscht eine grosse Euphorie. Auch heute dürfte die Stimmung grossartig werden. Im Zentrum der Stadt hat es ein Public Viewing und eine Fanzone.

Wo schauen Sie das Spiel?
Ich werde zu Freunden 100 Kilometer südlich fahren. Sie haben mich extra eingeladen, weil ich Schweizer bin. Da wir Ferien haben, können wir so eine tolle Fussballparty erleben.

Weshalb interessieren Sie sich so für Fussball?
Meine Faszination für den Ballsport hat mit YB angefangen. Auch heute noch lese ich den Fussballblog «Zum Runden Leder» und höre Radio Gelbschwarz. Dieses Jahr war ich sogar im Stadion beim Spiel Lugano gegen YB. Auch meine Kinder konnte ich schon mit dem gelbschwarzen Virus infizieren.

Christian Bigler ist vor rund 20 Jahren nach Schweden ausgewandert. Mit seiner Frau und zwei Kindern wohnt er in Umeå, einer Stadt mit etwa 120'000 Einwohnern. (Der Bund)

Erstellt: 03.07.2018, 10:59 Uhr

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