Zwischennutzer werden wieder zu Besetzern

Das Fabrikool-Kollektiv wehrt sich weiter gegen den Verkauf der alten Schreinerei auf dem Berner Von-Roll-Areal. Es hat den Vertrag zur Zwischennutzung gekündigt, will aber trotzdem bleiben.

Die Zwischennutzer der alten Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal legen es auf eine Konfrontation mit dem Kanton an.

Die Zwischennutzer der alten Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal legen es auf eine Konfrontation mit dem Kanton an. Bild: Urs Baumann

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Der Zwist um den Verkauf der alten Schreinerei zwischen dem Fabrikool-Kollektiv und dem Kanton Bern schwelt weiter: Bereits die Bekanntgabe des Verkaufs durch den Kanton war dem Kollektiv vor einem Jahr sauer aufgestossen. Wer sich neu in den Räumen einrichten darf, ist seit Dezember bekannt: das Architekten-Duo Hebeisen und Vatter. Dies hat das kantonale Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) so entschieden.

Im Vorfeld des baldigen Nutzter-Wechsels hat das Amt nun von den Zwischennutzern gefordert, den Käufern an zwei Vormittagen pro Woche Zugang zu den Räumen zu gewähren. Dieses Vorgehen nutzt das Kollektiv zu einer Grundsatzkritik am Vorgehen des Kantons: Dieser habe das Haus trotz laufendem Gebrauchsleihvertrag ausgeschrieben und «an ein gewinnorientiertes Projekt im Baurecht verkauft», schreibt es auf der Onlineplattform barrikade.info. Das plötzliche Interesse des Kantons am Gebäude wirft beim Kollektiv zudem Fragen auf. In der Tat stand es vor der Nutzung durch Fabrikool mehr als 15 Jahre lang leer.

«Genug von leeren Versprechen»

Als Konsequenz hat das Kollektiv den Gebrauchsleihvertrag mit dem Kanton fristlos gekündigt. Gleichzeitig kritisieren die Zwischennutzer «leere Versprechen und Forderungen» des Kantons. An einen Auszug denken sie aber trotzdem nicht, im Gegenteil: In der Stellungnahme ruft das Kollektiv zum Widerstand gegen «die gewinnorientierte kapitalistische Logik» auf und präzisiert, dass Fabrikool auch die nächsten 50 Jahre bleiben wolle. Anlässlich der Kündigung lädt das Fabrikool-Kollektiv dieses Wochenende zu einer «Kündigungsfeier» ein. Das Motto: «Selbstbestimmte Orte müssen gemeinsam verteidigt werden».

Aus legal würde illegal

Der 2017 zwischen dem Kanton und dem Kollektiv geschlossene Vertrag hatte die Zwischennutzung des Erdgeschosses legalisiert. Miete muss das Kollektiv keine bezahlen, dafür aber für die Stromkosten aufkommen. Der Gebrauchsleihvertrag wurde bereits mehrmals durch den Kanton verlängert.

Beat Keller, Leiter der Abteilung Bildung im Amt für Grundstücke und Gebäude, unterstreicht aber, dass es sich von Anfang an nur um eine Zwischennutzung gehandelt habe, dies sei «immer so kommuniziert worden». Mit der Kündigung durch Fabrikool endet das Vertragsverhältnis per Ende April 2019. Eine Nutzung durch das Kollektiv über dieses Datum hinaus wäre illegal.

Polizei kein Thema

Ein vertragsloser Zustand sei« nicht akzeptabel», betont Keller. Am 30. April soll deshalb eine ordentliche Übergabe an die neuen Besitzer stattfinden. Was aber, wenn das Fabrikool-Kollektiv, wie angekündigt, die Schreinerei an diesem Tag nicht verlassen wird? «Der Umgang war bis jetzt immer konstruktiv», sagte dazu Keller. Daher sei er zuversichtlich, dass das Kollektiv das Gebäude ordentlich übergeben wird. Eine Räumung mit Polizeiaufgebot sei deshalb «noch kein Thema».

Erstellt: 02.04.2019, 16:29 Uhr

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