Atomenergie

Woher das Mühleberger Uran stammt

Uranabbau hat in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt. Nun machte die BKW Hintergründe zum Uran in ihrem AKW publik. Fazit: Nur eine einzige Mine lässt sich als Lieferantin einwandfrei identifizieren.

Woher stammt das Uran für den Reaktor des AKW Mühleberg? Die BKW verlässt sich in dieser Frage vor allem auf ihre Lieferanten. (Keystone)

Woher stammt das Uran für den Reaktor des AKW Mühleberg? Die BKW verlässt sich in dieser Frage vor allem auf ihre Lieferanten. (Keystone)

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Über radioaktiv verseuchte Flüsse und auffällig viele krebskranke Indianer berichtete im August die Biologin Charmaine White Face aus South Dakota. Eingeladen nach Bern hatte sie die Organisation Fokus Anti Atom.Die Atomkraftgegner wollten zeigen, was der Abbau von Uran ihrer Meinung nach weltweit anrichtet und dass auch der Energieversorger BKW mit seinem Atomkraftwerk Urvölker gefährdet – zumal dieBKW damals nichts Genaues zur Herkunft ihres Urans sagen konnte (siehe «Bund» vom 31. August). Nun rückt der 13. Februar näher und damit der Tag, an dem im Kanton voraussichtlich über ein neues AKW in Mühleberg abgestimmt wird – und gestern präsentierte die BKW den Medien ihre Sicht der Dinge. Das Fazit: Nach wie vor weiss der Konzern relativ wenig über sein Uran, machte aber doch Folgendes publik:

• Die BKW weiss grundsätzlich nicht, aus welchen Minen ihr Material stammt – sie gibt lediglich an, dass es sich vor allem um amerikanische und teilweise um kasachische und usbekische Vorräte handeln dürfte. Aus der Anonymität heraus sticht die Ranger Mine in Australien, für deren Uran sich der Konzern zuletzt entschieden hat. «Wir haben nicht auf die billigste Option gesetzt, sondern auf eine nachvollziehbare Herkunft und eine zertifizierte Anreicherung», sagte Mühleberg-Chef Patrick Miazza. Offen blieb indes, was die betreffenden internationalen Zertifikate umfassen, ob etwa Mindestlöhne und Obergrenzen bei der Arbeitszeit garantiert werden.

• Uran für Mühleberg wird auf dem Weltmarkt beschafft. Die weltweit grösste Menge des Rohstoffs baut Kasachstan ab, gefolgt von Kanada, Australien und Namibia. Die BKW kauft bei der französischen Areva, der amerikanischen Usec und der deutschen Nukem ein – Miazza betonte, diese international tätigen Unternehmen arbeiteten nach westlichen, «anerkannten» Standards.

• Aus wiederaufbereiteten Brennelementen verwendet die BKW kein Material. Dafür stammt ein Teil des Mühleberger Urans aus alten russischen und amerikanischen Atomwaffen und -lagern.

• Bei der Anreicherung des Natur-Urans – eine Voraussetzung für dessen Nutzung als Brennelement im AKW-Reaktor – setzt die BKW auf französische und amerikanische Firmen und Standorte.

Mühleberg sei ein vergleichsweise kleiner Reaktor und die BKW ein unbedeutender Akteur auf dem Weltmarkt, betonte Miazza. Pro Jahr landen sieben «frische» Tonnen Uran im Kraftwerk – 40 der 240 Brennstäbe werden jeweils ausgewechselt.

«Fehler in der Vergangenheit»

Die Kleinheit der BKW sei auch ein Grund, warum das Unternehmen «weder sicherstellen noch selber nachprüfen» könne, ob die von den Geschäftspartnern garantierten Umwelt- und Sicherheitsstandards eingehalten würden, sagte der AKW-Leiter. «Wir legen aber Wert darauf, die Herstellungskette unseres Urans zu kennen.» Die BKW sei sich der Tatsache bewusst, dass der Uranabbau in der Vergangenheit auch negative Seiten gehabt habe. «Heute werden aber ökologische und soziale Gesichtspunkte viel stärker beachtet – eine Entwicklung, die wir ausdrücklich begrüssen.» (Der Bund)

Erstellt: 19.11.2010, 07:38 Uhr

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Wie lange reicht das Uran

Vertreter des Energiekonzerns BKW streiften gestern Donnerstag vor den Medien auch die Frage der weltweiten Uran-Vorräte. «Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD haben wir bei heutigem Verbrauch noch100 Jahre lang genug Uran. Wahrscheinlich reicht es sogar noch bis zu500 Jahre», sagte Mühleberg-Chef Patrick Miazza. Uran komme in der Erdkruste600-mal häufiger vor als Gold. Zudem gebe es im Meerwasser einige Milliarden Tonnen Uran in gelöster Form – und heute schon erprobte Verfahren, um es zu gewinnen. «Da der Uranpreis nur fünf Prozent der Stromkosten in einem Kernkraftwerk ausmacht, muss uns auch diesnicht beunruhigen.» Allerdings teilen nicht alle Miazzas optimistische Einschätzungen. So geht etwa diedeutsche Bundesregierung davon aus, dass die Vorräte im Jahr2030 aufgebraucht sein werden. Die unterschiedlichen Schätzungen dürften nicht zuletzt damit zu tun haben, dass beim Uranabbau nicht nur die absoluten Vorkommen wichtig sind, sondern auch dieUran-Konzentration eine Rolle spielt: Je geringer sie ist, desto mehr (fossile) Energie ist für die Gewinnung nötig. Experten gehen davon aus, dass alle Uranvorkommen mit hoher Konzentration bald ausgebeutet sein werden. Trifft dies zu, wäre derCO2-Ausstoss von AKWs in 45 bis 70 Jahren grösser als derjenige von Gaskraftwerken. Bisher konnten keine neuen hoch konzentrierten Uranvorkommen gefunden werden.

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