Wasserwerk: Das Ende rückt näher

Nachtleben

Das Wasserwerk zieht sein Gesuch um längere Öffnungszeiten zurück. Mit dem Rückzug rückt das Ende für den Club in der Matte näher.

  • loading indicator

Im April 2010 hat der Wasserwerk-Club ein Gesuch für erweiterte Überzeitenbewilligung bis fünf Uhr morgens sowie Erweiterung des Clubs mit einem Fumoir eingereicht. Damit wollte man sich dem veränderten Ausgehverhalten – der Beginn von Partys hat sich weiter in die Nacht hinein verschoben – anpassen, wie Albert Gomez, einer der Wasserwerk-Betreiber, sagt. Nun hat das Wasserwerk sein Gesuch zurückgezogen. Dies obwohl das Fumoir bereits seit zwei Jahren besteht und andere Clubs in der Matte, wie etwa das Silo, eine Überzeitenbewilligung bis 3.30 Uhr haben.

Im Moment hat das Wasserwerk nur noch samstags von 22 bis 3 Uhr geöffnet. Seine Zukunft scheint nun, nach dem Rückzug des Gesuchs, noch ungewisser. Schon davor haben die strengen Auflagen der Behörden das Überleben des Clubs aufs Spiel gesetzt, wie der «Bund» am 9. Juli bereits berichtete. Entscheiden, wie und ob es mit dem Wasserwerk weitergeht, wollen die Betreiber im September.

Für den Rückzug des Gesuchs entschieden haben sich die Betreiber, nachdem ihnen das Regierungsstatthalteramt mitgeteilt hatte, dass die Überzeit voraussichtlich nicht bewilligt werde, wie Gomez erzählt. Über die Gründe für diese Mitteilung und ob sie allenfalls mit den zahlreichen Beschwerden von Matteanwohnern zusammenhängt, konnte Regierungsstatthalter Christoph Lerch am Dienstag keine Stellung nehmen. «Wir sind zum Spielball von Willkür geworden. Für uns bedeutet das praktisch den Todesstoss», meint Gomez dazu.

Ohne Fumoir keine Überzeit

Erst 2009 wurde das Wasserwerk nach einigen baulichen Investitionen neu eröffnet – mit Fumoir, wie Gomez betont. Dieses habe man auf Anraten der damaligen Regierungsstatthalterin Regula Mader sowie im Hinblick auf eine mögliche Überzeitenbewilligung gebaut. Fumoir und Überzeitenbewilligung stünden in einem indirekten Zusammenhang, bestätigt Lerch. Wer länger öffnen wolle, müsse gewährleisten, dass die Besucher in dieser Zeit nicht vermehrt auf der Strasse rumstünden und Lärm machten.

Doch neben den behördlichen Auflagen sind auch Lärm- und Vandalismusbeschwerden sowie Konflikte mit der Nachbarschaft Grund für die düsteren Prognosen. So hat sich in der Matte Widerstand gegen die Überzeitenbewilligung formiert, und sowohl Einzelpersonen als auch der Matte-Leist erhoben dagegen Einsprache. Nach 18 Jahren droht dem Wasserwerk nun die endgültige Schliessung – damit ginge ein Stück Berner Clubkultur verloren. «Wir wollen nicht Kulturbetriebe schliessen», sagt Bernhard Bürkli, Präsident Matte-Leist. Doch seit Eröffnung des Wasserwerks gebe es immer wieder Probleme. Wie auch andere Anwohner und Mieter in der Wasserwerkgasse steht er schon seit langem im Konflikt mit dem Club.

Keine Gesprächskultur

Der Lärm sei nur ein Problem, meint er. Am Morgen nach den Partys müsse er vor seinem Elektrofachgeschäft jeweils Urin, Kot, Erbrochenes, leere Flaschen und Glasscherben zusammenräumen, und er sei nicht der Einzige, sagt Bürkli. Gomez widerspricht dem. Es seien immer die gleichen Leute, die sich beklagten. Zudem würde seine Crew jedes Wochenende nach Clubschluss die Wasserwerkgasse von der Cinématte bis hin zum Parkplatz aufräumen und Büchsen, Flaschen und Scherben einsammeln.

Das grösste Problem zwischen den beiden Parteien scheint jedoch die fehlende Gesprächskultur zu sein. Verschiedene Anwohner hätten mehrmals versucht, mit den Clubbetreibern ihre Anliegen zu besprechen, wie Bürkli berichtet. Doch bis heute sei es zu keinem Gespräch gekommen. «Sie sind nie im Geringsten auf uns zugekommen.» Umgekehrt tönt es nicht anders. Der Leistpräsident sei nie vorbeigekommen und habe nie das Gespräch mit ihnen gesucht, wie Gomez sagt.

Unterschiedliche Öffnungszeiten

Doch das Wasserwerk ist nicht der einzige Nachtclub in der Matte. Auch das Silo und die Broncos-Loge, beide am Mühlenplatz, ziehen Nachtschwärmer in die Matte. Lärm, Abfall und Urinieren im öffentlichen Raum dürften auch hier nicht ganz ausbleiben. Mit diesen beiden Clubs sei das Verhältnis viel besser, sagt Bürkli. Man stehe laufend im Dialog und sei stets auf der Suche nach Lösungen für die Probleme. Die gibt es laut Bürkli im Silo und in der Broncos-Loge jedoch kaum. So macht der denn für die Probleme in der Matte hauptsächlich das Wasserwerk verantwortlich. Dies obwohl zum Beispiel das Silo eine halbe Stunde länger offen hat als das Wasi.

Doch wieso ist es überhaupt möglich, dass Nachtclubs im gleichen Quartier unterschiedliche Öffnungszeiten haben dürfen? Das sei historisch bedingt, sagt Lerch. Es würden halt nie alle Gesuche der Clubs gleichzeitig auf dem Tisch liegen. Auch hätten die Clubs unterschiedliche Bedürfnisse.

«Leise kommen, leise gehen»

«Die Stadt muss bezüglich Nachtleben einen roten Faden schaffen, sodass für alle Clubs gleiche Rahmenbedingungen herrschen», fordert Gomez. Das wäre eine Überlegung wert, findet auch Lerch. Mit dem Pilotprojekt in der Aarbergergasse verfolge man genau diese Richtung. Allenfalls wolle man dieses Projekt dann auch auf die Altstadt ausweiten. Ob es das Wasserwerk bis dahin noch gibt?

«Leise kommen, leise gehen. Das Wasi-Team und die Anwohner des Mattequartiers danken es euch», so steht es auf der Internetseite des Wasi. Diese Zeilen sind Ausdruck für die Rücksichtnahme, die auch von den Partygängern gefordert ist. Denn neben Clubbetreibern, Anwohnern und Behörden sind es nicht zuletzt die Besucher selbst, die das Überleben der Clubs und damit einer lebendigen Nachtlebenkultur in der Berner Innenstadt in ihrer Hand haben.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt