«Was soll ich mit einem Lamborghini?»

Alfred Bretscher schenkt der Universität Bern sein ganzes Vermögen. Selber war ihm eine akademische Karriere zwar verbaut, seine Leidenschaft für die Wissenschaft glüht aber auch noch im Alter von 90 Jahren.

Alfred Bretscher nimmt im alten Anatomie-Hörsaal den Dank der Wissenschaftsgemeinde entgegen. (Adrian Moser)

Alfred Bretscher nimmt im alten Anatomie-Hörsaal den Dank der Wissenschaftsgemeinde entgegen. (Adrian Moser)

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Alfred Bretscher macht gerne Geschenke, auch an seinem eigenen Geburtstag. Mit kleinen Aufmerksamkeiten gibt er sich aber nicht zufrieden. Stolze 4,5 Millionen Franken stiftet der ehemalige Sekundarlehrer für die Wissenschaft. Gestern, zu seinem 90. Wiegenfest, konnte Bretscher den Dank der Universität Bern dafür entgegennehmen. Gerührt sass er in der ersten Reihe des alten Anatomie-Hörsaals und liess den tosenden Applaus von Studierenden und Dozierenden über sich ergehen. «Mäzenatentum ist gut für die Gesundheit», sagte Unirektor Urs Würgler angesichts des fortgeschrittenen Alters des Wohltäters. Eine Nachahmung könne er also durchaus empfehlen.

Bretscher hat ein unverkrampftes Verhältnis zu seinem Vermögen. «Ich habe einfach zu viel Geld. Was soll ich sonst mit dem Zeug?», sagt der bescheidene Mann im Gespräch mit dem «Bund». Für sich selber habe er nie viel gebraucht. Abgesehen vom Segelsport und von seiner Leidenschaft fürs Reisen habe er sich in seinem langen Leben kaum Luxus geleistet. «Was soll ich mit einem Lamborghini? Damit kann ich ja auf der Autobahn doch nicht schneller fahren als erlaubt.»

Als Forscher in der «Sackgasse»

Schon lange ist für Bretscher klar, dass er die Wissenschaft und nicht etwa Kunst und Kultur unterstützen will. Seit seinem Zoologie-, Botanik- und Chemiestudium ist er eng mit der Universität Bern verbunden. Noch immer besucht der rüstige Rentner regelmässig Vorträge an der Uni: «Mich interessiert einfach alles.» Derzeit ist er vor allem von der Feinstaub- und Nanoforschung fasziniert, die sein ehemaliger Pfadikollege Peter Gehr vom Institut für Anatomie aufgebaut hat.

Manchmal bereue er es ein bisschen, nicht selber eine akademische Karriere eingeschlagen zu haben. «Nach der Promotion bin ich in eine Sackgasse geraten», sagt Bretscher. Bei Forschungsarbeiten in den USA sei ihm ein Konkurrent zuvorgekommen. Nach einer Zeit als Assistent am Zoologischen Institut der Uni Bern arbeitete er bis zur Pensionierung als Sekundarlehrer in Huttwil und im Berner Viktoriaschulhaus. Den Kontakt zur Uni verlor er aber nie, und heute ist sie fast so etwas wie ein Ersatz für eine eigene Familie, die er nie hatte. Mangels Erben habe er bereits jetzt in seinem Testament festgelegt, dass die Uni Bern auch noch den Rest seines Vermögens erhalten werde. «Das war ein einfacher Entschluss», sagt Bretscher, «mit dem Geld soll etwas Gescheites gemacht werden.»

Geld von ehemaliger Hasler AG

Alfred Bretscher ist ein Sohn und Erbe von Karl Bretscher, der sein Vermögen als Direktor der ehemaligen Hasler AG (heute Ascom) gemacht hatte. «Das Steckenpferd meines Vaters war die Geografie», erzählt Alfred Bretscher. Darum habe sich der gelernte Feinmechaniker damals auch auf die Telefonie spezialisiert – «da konnte er viel reisen.» Auch Karl Bretscher pflegte bereits die Nähe zur Uni. Mit einer Stiftung, die heute von seinem Sohn geleitet wird, unterstützte er das Geographische Institut.

Auch Alfred Bretscher ist viel in der Welt herumgekommen, muss heute aber aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzertreten: Auf dem Weg vom Bahnhof bis zum Bärengraben müsse er jeweils zweimal «stillhalten». Geistig ist er aber noch fit wie ein Zwanzigjähriger. Gerne mischt sich Bretscher zum Beispiel als Leserbriefschreiber in die Debatte um die Atomkraft ein. Als Gründungsmitglied der Aktion für vernünftige Energiepolitik (Aves) ist er dezidiert der Ansicht, dass der Atomenergie die Zukunft gehört: «Es ist eine saubere, effektive und sichere Energiequelle.» Auch die Geschicke seiner Partei, der FDP, verfolgt er noch immer. Derzeit sei er aber «nicht hundertprozentig» zufrieden: «Es gibt zwar gute Leute in der Partei, es fehlt aber an Einheit.» Treu bleibt er der FDP dennoch, und im Wahlkampf spendet er auch mal für die Politik statt für die Wissenschaft. (Der Bund)

Erstellt: 23.06.2010, 07:27 Uhr

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