«Warum soll ich verzichten?»

FDP, SP und SVP legen dem Worber Gemeindepräsidenten Niklaus Gfeller (EVP) den Rücktritt nahe. Gfeller will davon nichts wissen – und wehrt sich gegen die Kritik.

Gfeller will sich «dem Volk nicht vorenthalten».

Gfeller will sich «dem Volk nicht vorenthalten». Bild: Valérie Chételat

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Herr Gfeller, wie schätzen Sie Ihre Wahlchancen im November ein?
Ich stelle fest, dass ich der einzige Kandidat bin.

Das heisst?
Es steht nur eine Person zur Wahl. Es kann ja niemand gewählt werden, der nicht kandidiert.

Zumindest im Parlament aber ist Ihr Rückhalt im Moment auf einem Tiefpunkt. Sehen Sie das auch so?
Ich stelle fest, dass bei der Ortsplanungsabstimmung im März eine Mehrheit der Parlamentarier nicht gegen das Geschäft, sondern gegen mich gestimmt hat. Insofern teile ich Ihre Einschätzung.

Sie vertreten die Haltung, dass die seit eineinhalb Jahren anhaltende Kritik an Ihnen als Gemeindepräsident nicht sachpolitisch motiviert ist, sondern gegen Ihre Person zielt.
Das ist genau so. Das habe ich bereits mehrfach ausgeführt.

FDP, SP und SVP bezeichnen ebendies – dass Sie jegliche Kritik als Wahltaktik abtun – in ihrer gestrigen Mitteilung als «unverschämt».
Also bitte! Man fordert mich offen auf, meine Kandidatur zurückzuziehen. Die Parteien wollen in den Wahlkampf eingreifen, indem sie mich bereits jetzt ausschalten. Also was ist denn das anders als Wahlkampf?

Ändert denn der Ihnen nahegelegte Rücktritt etwas an Ihren Kandidaturabsichten?
Nein, ich habe mich bereits vor vier Jahren ohne grossen Rückhalt der Parteien aufstellen lassen und bin gewählt worden. Es sind nicht die Parteien, die mich wählen, es ist die Bevölkerung, die an die Urne geht. Im Parlament ist der Widerstand gross, auf der Strasse tönt es aber ganz anders.

Wie tönt es denn auf der Strasse?
Die Leute sagen mir, ich solle durchhalten.

Die grossen Parteien äussern den Wunsch nach einem Gemeindepräsidenten mit Ideen und Kraft. Fehlen Ihnen diese Attribute?
Seit eineinhalb Jahren werde ich für meinen Führungs- und Kommunikationsstil regelmässig angegriffen. Ich habe bis jetzt durchgehalten. Hätte ich keine Kraft, hätte ich ja schon lange die Flinte ins Korn geworfen.

Insbesondere die FDP findet, Sie seien mit den Herausforderungen, die an Sie gestellt werden, überfordert. Können Sie sich vorstellen, warum dieser Eindruck entsteht?
Ich weiss es nicht. Der Freisinn wird seine Gründe haben. Ich möchte aber betonen, dass im Worber Gemeinderat ausgerechnet fünf von sieben Vertretern jenen Parteien angehören, die nun auf mich losgehen. Der Gemeindepräsident hat nicht die Macht, alles selbst zu steuern. Es ist der Gesamtgemeinderat, der entscheidet.

Wie schätzen Sie denn persönlich Ihre Leistungen ein?
Das Sportzentrum steht, die Umfahrung ist im Bau. Die Einschätzung, dass alles schiefläuft in Worb, ist völlig vermessen. Ich glaube, es ist gut gelaufen bis jetzt. Künftig sollte man aber darauf achten, dass es während einer Legislatur nicht mehr zu einer Häufung von Grossprojekten kommt.

Ist die Kritik an Ihnen folglich unbegründet?
Was den Stand der Grossprojekte angeht, habe ich gegenüber den Parteien regelmässig kommuniziert – sogar deutlich mehr als mein Vorgänger. Dass nicht kommuniziert wurde, stimmt schlicht nicht.

Sie verteilten also keine Maulkörbe und übten sich in Schweigen?
Nein, gegen solche Vorwürfe wehre ich mich. Im jüngsten parlamentarischen Prüfauftrag habe ich der Aufsichtskommission regelmässig Red und Antwort gestanden. Das hat sogar der Leiter des Prüfteams betont.

Sollten Sie der Rücktritts- forderung nicht nachkommen, wollen die Parteien mit härteren Bandagen kämpfen. Wie sehen Sie dem weiteren Wahlkampf entgegen?
Der Wahl des Gemeindepräsidenten kann sich grundsätzlich jeder stellen. Es gibt nichts und niemanden, der das verhindern kann. Aber genau das versucht man nun bei mir, indem Druck ausgeübt wird. Wenn ich tatsächlich so schlecht bin, werde ich ja sowieso abgewählt, und dann kommt ein anderer Kandidat zum Zug, der – ich betone es gerne noch einmal – noch gar nicht existiert. Warum um Himmels willen soll ich also auf diese Kandidatur verzichten? Warum soll ich dem Volk vorenthalten werden? (Der Bund)

Erstellt: 06.06.2012, 14:26 Uhr

Kritik von rechts bis links

Vereint im Widerstand: FDP, SVP und SP kämpfen in Worb weiter gegen eine Wiederwahl des amtierenden Gemeindepräsidenten Niklaus Gfeller (EVP). Nach dem erzwungenen Ressortwechsel gehen die Parteien in einer Medienmitteilung einen Schritt weiter: «Unserer Meinung nach wäre es für Worb am besten, wenn sich der Gemeindepräsident in geordnetem Rahmen zurückziehen und auf eine erneute Kandidatur verzichten würde.»

Ein Rückzug von Gfeller, erklärt FDP-Präsident Ueli Emch, sei für alle Seiten das Beste. In einem Wahlkampf werde «mit harten Bandagen» gekämpft. «Gfeller sollte das Segel einrollen.» Als Mensch sei Gfeller sympathisch, aber er bringe nicht die erwartete Leistung. Für SVP-Präsident Martin Wälti hat Gfeller seine Aufgaben nicht erfüllt und seine Verantwortung zu wenig wahrgenommen. «Er hatte lange genug Zeit, sich zu beweisen.» Neben Führungs- wird Gfeller auch Kommunikationsschwäche vorgeworfen. «Die Informationen fliessen einfach nicht, man weiss nie, wo es harzt», sagt SP-Präsidentin Sandra Büchel. Das zeige auch der Konflikt mit der Aufsichtskommission.

In Sorge um Worb

Allerdings ist noch nicht klar, wer nach Meinung der Parteien das Amt übernehmen oder erben sollte. Man wolle «sehr behutsam» vorgehen, sagt Emch. Die Parteien wollen bis zu den Sommerferien Klarheit schaffen. Es sei aussergewöhnlich, sagt Emch, dass sich drei Parteien über die Grenzen hinweg verständigten. «Wir machen uns grosse Sorgen um die Zukunft von Worb.» Die Parteien wählen deutliche Worte. So schreibt die SP, die immerhin 2008 Niklaus Gfeller im zweiten Wahlgang noch unterstützt hatte: «Nach fast vier Jahren und einer ganzen Reihe von Pleiten und vor allem dem für uns nicht spürbaren Engagement und einer unglaublichen Ignoranz und Resistenz gut gemeinten Vorschlägen und Hilfestellungen gegenüber bleibt uns in sämtlichen Belangen nur Ernüchterung.»

Auslöser der gemeinsamen Medienmitteilung war ein offener Brief des Bürgers Hans Bernhardt, in dem die drei Parteien wegen ihrer Kritik an Niklaus Gfeller angegriffen wurden. Die Parteien verfolgten das Ziel, Gfeller als unfähig erscheinen zu lassen und schmiedeten eine «unheilige Allianz». Gegen diesen Vorwurf verwahren sich die drei Parteien ausdrücklich. (wal)

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