Von den Kleinparteien hat die GLP das grösste Potenzial

Wahlen in Bern

EVP, CVP, EDU und Grünliberale wollen gemeinsam vier Sitze holen. Die Berner Kleinparteien im Wahl-Check.

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Anita Bachmann@anita_bachmann

Für die nationalen Wahlen sind die Parteien EVP, CVP und GLP eine Listenverbindung eingegangen. Das gemeinsam erklärte Ziel dieser Parteien ist es, 4 der 26 Berner Nationalratssitze zu holen. Geht man davon aus, dass alle drei Parteien je einen Sitz erreichen, bleibt die Frage, wer den vierten Sitz – eventuell mithilfe von Stimmen der beiden anderen Parteien – für sich beanspruchen wird. Am ehesten zuzutrauen ist dieser vierte Sitz der Grünliberalen Partei (GLP), die zum ersten Mal bei nationalen Wahlen antritt. Die GLP selber hat sich als Wahlziel zwei Sitze gesetzt, und auch Ruedi Löffel, Geschäftsführer EVP Kanton Bern, gesteht den vierten Sitz am ehesten der GLP zu.

Aus dem Stand vier Grossratssitze

Die GLP ist im Kanton Bern zwar nicht ganz so erfolgreich wie in Zürich, aber bei den kantonalen Wahlen 2010 erreichte die Partei ein beachtliches Resultat und brachte auf Anhieb vier Kandidaten in den Grossen Rat, was einem Wähleranteil von 4,1 Prozent entspricht. Für einen Sitz im Nationalrat ist ein Wähleranteil von 3,7 Prozent notwendig. Um auf den doppelten Wähleranteil zu kommen, müsste die GLP noch kräftig zulegen. Entgegenkommen könnte den Grünliberalen, dass im Vergleich zu den kantonalen Wahlen bereits etwas klarer ist, was die Grünliberalen wollen: Nebst Umweltpolitik macht die Partei vor allem auch liberale Finanz- und Wirtschaftspolitik. Ein Nachteil besteht nach wie vor darin, dass die Partei im Kanton Bern kaum über bekannte Namen verfügt. Die 26 Kandidierenden auf der GLP-Liste seien in ihren Stammgebieten bekannt, sagt Kurt Schär, Co-Präsident der GLP Kanton Bern. Auf Schär, der selber kandidiert, dürfte diese Aussage wohl zutreffen, er ist Geschäftsführer der Flyer Biketec AG in Huttwil. Bei den Grossratswahlen reichte es ihm aber nicht zur Wahl.

Die grössten Chancen darf sich Michael Köpfli machen, Fraktionspräsident im Berner Stadtrat und Co-Präsident der GLP Kanton Bern. Der 24 Jahre alte Köpfli gilt als kluger Politiker. Ebenfalls auf der Kandidatenliste figurieren die Grossräte Franziska Schöni-Affolter oder der Bieler Reallehrer und Stadtrat Alain Pichard. Letzterer fiel durch provokative Äusserungen in Debatten um die Integration der Muslime in der Schweiz auf.

EVP hat an BDP verloren

Nach einem lang anhaltenden Aufwärtstrend hat die EVP in den letzten Kantonalwahlen verloren, sie kam auf drei Mandate weniger als noch 2006. «Die Gründung der BDP hat uns die ganzen Gewinne der letzten Jahre gekostet», sagt Löffel. Fast jede fünfte Stimme sei an die BDP gegangen, was seine frühere Einschätzung bestätige; viele, die genug von der SVP hätten, würden EVP wählen. Weil die EVP auf dem Land traditionellerweise mehr Stimmen holt, wirkte sich die Gründung der BDP stark aus. Dazu kommt, dass die EVP bei nationalen Wahlen – etwa im Gegensatz zur CVP oder neu möglicherweise auch zur GLP – regelmässig schlechter abschneidet als bei kantonalen Wahlen. National kommt der EVP im Vergleich mit der Bundesratspartei CVP keine grosse Bedeutung zu, dagegen spielt die CVP im Kanton Bern nur eine marginale Rolle. Deshalb ist die EVP vor nationalen Wahlen auch deutlich weniger im Gespräch als die CVP.

Mit 5,9 Prozent Wähleranteil, den die EVP bei den kantonalen Wahlen 2010 noch erreichte, darf sie aber trotzdem mit einem sicheren Sitz im Nationalrat rechnen. Für diesen Sitz scheint die Bisherige Marianne Streiff-Feller, die 2010 für den zurückgetretenen Walter Donzé nachrückte, gesetzt. Streiff-Feller erreichte 2006 hinter dem gewählten Donzé das beste Wahlergebnis und platzierte sich damit vor Marc Jost und Josef Jenni. Der Oberburger Jenni war in letzter Zeit als Solarpionier ein gefragter Mann. Marc Jost erreichte einen gewissen Bekanntheitsgrad durch seine Kandidatur bei der Ständeratsersatzwahl im Frühjahr. Weil bei diesem Wahlkampf eine überschaubare Zahl von vier Kandidierenden antrat, wurde ihm als einzigem Kandidaten ohne Wahlchancen trotzdem oft ein gleichberechtigter Auftritt gewährt.

Keine Chance für Nause

Die schwächste Partnerin bei der Listenverbindung der drei Parteien ist die CVP. Zusammen mit den Liberalsozialen schaffte die CVP ihren einen Sitz bei den letzten Nationalratswahlen relativ gut. Der letzte Trend bei den kantonalen Wahlen zeigt aber wieder abwärts, und mit 1,4 Prozent Wähleranteil reichte es wiederum nur für einen Sitz im Grossen Rat. Weil die CVP bei nationalen Wahlen mit dem Bisherigen Norbert Hochreutener antreten kann, ist damit zu rechnen, dass sie diesen Sitz halten kann. Damit Hochreutener parteiintern niemand gefährlich wird, liess er sich vorkumulieren. Reto Nause, seit 2009 Gemeinderat der Stadt Bern, wird Hochreutener deshalb nicht überholen können.

EDU muss zittern

Alleine antreten wird bei diesen Wahlen wiederum die EDU. Seit 2007 ist Bern der einzige Kanton, der noch einen Vertreter der EDU im Nationalrat stellt, wobei es sich bei diesem einen Sitz nur um ein Restmandat handelte. Obwohl die EDU bei kantonalbernischen Wahlen konstant einen Wähleranteil von über 4 Prozent erreicht, muss die Partei um ihren Sitz zittern. Christian Waber, eine schillernde Figur, trat 2009 als Nationalrat zurück. Auf ihn folgte der unbekannte Belper Unternehmer Andreas Brönnimann, der nun zur Wiederwahl steht. Die sich auf christliche Werte berufende Partei gilt gemäss Grossratsrating des Handels- und Industrievereins als wirtschaftsfreundlichste Partei im Kanton. So erklärt sich, dass der EDU-Kandidat tatkräftig vom Wirtschaftsverband Berner KMU unterstützt wird.

Der Bund

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