«Vielleicht ein leichtes ADS»

Baldy Minder scheiterte als DJ wegen seiner linken Hände. Als Bandmanager braucht er die auch. Die Büez macht aber der Kopf.

Einfach mal still dasitzen, das geht nicht: Bandmanager Baldy Minder. (Manuel Zingg)

Einfach mal still dasitzen, das geht nicht: Bandmanager Baldy Minder. (Manuel Zingg)

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An einem frühen Samstagnachmittag wie diesem; nach einer so anstrengenden Freitagnacht wie der letzten; die Augen so weit zu öffnen, wie der Fotograf es gerne hätte – nicht einfach. Baldy Minder versucht es nochmals. Er lacht. Nicht mal fürs Rasieren habe die Zeit gereicht. Und dass er es doch hätte wissen müssen, dass der Fotograf auch zum Interview kommt. «He nu!» In fünf Minuten wird Baldy Minder ein Rivella Grün bestellen. Es wird ihm gut tun.

Da sitzt er dann und erzählt geduldig, wie er sein Leben organisiert hat. Er, der dreifache Vater, Jus-Student im 20. Semester, umtriebiger Bandmanager und Chef zweier Plattenfirmen: Chlyklass-Records und Equipe-Music. Schon anstrengend, sagt Minder. «Aber einfach mal still dasitzen, nichts tun oder fernsehen, das geht bei mir nicht.» Er hat auch schon eine Diagnose parat: «Vielleicht habe ich ein leichtes ADS.» Jedenfalls müsse bei ihm immer etwas laufen.

Viel Arbeit, grosse Chance

Gerade jetzt ist es die Promo-Arbeit für das im Mai erscheinende Album des Bündner Rappers Gimma, das ihn in Atem hält. Werbung, Medienmanagement, Videos, Bilder, Texte – viel Arbeit. «Eine grosse Chance», korrigiert Baldy Minder. «Gimma ist ein bedeutender Act. Mit ihm hoffe ich, Kapital generieren zu können, um mein Label auszubauen.» Um diese Chance wahrzunehmen, hat er jetzt auch seine Jura-Masterarbeit verschoben, abermals. Das Studium sei ein schwieriges Kapitel, sagt Minder. «Wenn du für die Jungs arbeitest, denkst du: Verdammt, du solltest jetzt doch in der Bibliothek sein. Und wenn du für die Prüfungen lernst, denkst du: Eigentlich müsstest du für die Jungs arbeiten.»

Baldy Minder hat es sich nicht abgewöhnt, von den «Jungs» zu reden. Auch wenn er und seine «Jungs» heute, fast 15 Jahre nachdem es angefangen hat mit ihnen und der Musik, schon Männer sind im Alter zwischen 30 und 35 Jahren.

Damals, 1996, stand Baldy Minder noch an den Plattentellern. Er sollte der Discjockey von Wurzel 3 sein, doch es kam anders. «Ich übte jeden Tag, aber irgendwie habe ich es nicht hingekriegt, meine zwei Hände unabhängig voneinander zu bewegen», schmunzelt Minder. «Ein feinmotorisches Problem.» Als 1997 zwei weitere Kollegen zur Band stossen, werden die Positionen neu diskutiert. Baldy Minder bietet sich als Manager an. Er kümmert sich um den Übungsraum, schafft Konzerte ran, formt in Bern mit dem Chlyklass-Verbund eine Art Kompetenzzentrum für Mundart-Rap. Seine Künstler – Wurzel 5, PVP, Greis und Baze – erobern die Schweiz. Baldy Minder steht im Hintergrund und zieht die Fäden.

Kein Problem für ihn. Er habe schon immer ein kompliziertes Verhältnis zur Bühne gehabt, sagt er. Es sei ihm schon komisch zumute, wenn er nach dem Konzert auf die Bühne müsse, um die Mikrofone seiner Jungs einzusammeln. Ruhm interessiere ihn nicht. Wertschätzung sei ihm viel wichtiger, und manchmal mangele es seitens der Musiker gerade daran. «In meinem Job gibt es sehr viel unsichtbare Arbeit. Dinge, die gemacht werden müssen, auch wenn dann nichts dabei rauskommt und niemand damit einen Rappen verdient.» Dieser Aufwand werde von den Musikern manchmal unterschätzt. «Die sehen nur, dass ich 15 oder 20 Prozent der Gage einstreiche, ohne am Konzertabend viel dafür getan zu haben.»

Am Telefon und am Compi

Baldy Minder hat seine Arbeit schon oft rechtfertigen müssen. So oft, dass er sie in Zahlen fassen kann: Rund 30 Mal läutet sein Telefon pro Tag, nicht selten noch kurz vor Mitternacht. Mühsam, sagt er. Mit manchen Veranstaltern müsse er zuerst eine halbe Stunde quatschen, bevor sie zum Geschäftlichen kämen. «Diese halbe Stunde fehlt mir später anderswo.» Am liebsten würde Baldy Minder alles per E-Mail erledigen. «Da muss man nicht lange reden: Öffnen – Lesen – Antworten – Attachment – Zack! Bumm! Fertig!» Eines der Lieblingswörter von Baldy Minder ist Effizienz. Nicht weil Zeit Geld wäre. Entscheidend ist das Tempo. Alles muss schnell gehen, auch das SMS-Schreiben.

Gut 800 Kurzbotschaften verschickt Baldy Minder pro Monat, rund 90 Prozent davon geschäftlich. Zwei Monate nach dem Kauf seines iPhones hat er Bilanz gezogen: «Ich brauchte für jedes SMS etwa zehn Sekunden länger als mit einem gewöhnlichen Handy. 800 mal zehn Sekunden – das ergibt auf den Monat hochgerechnet über zwei Stunden, die mich das iPhone kostete.» Das iPhone war dann ganz schnell wieder weg. (Der Bund)

Erstellt: 12.04.2010, 09:47 Uhr

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