Traum vom Lufttram geplatzt

Ein nach historischen Plänen neu gebautes Lufttram hätte durch Bern rollen sollen. Daraus wird nichts.

Das originale 28-plätzige Berner Lufttram war zwölf Jahre lang in Betrieb.

Das originale 28-plätzige Berner Lufttram war zwölf Jahre lang in Betrieb. Bild: zvg

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Vor sechs Jahren initiierte die Berner Tramway-Gesellschaft (BTG) ein Revival des Drucklufttrams. Es hätte eine Nachbildung des ersten Trams mit Eigenantrieb, das je auf Berner Schienen fuhr, werden sollen. Ein nach historischen Plänen neu gebautes Lufttram sollte durch Berns Gassen kurven. Nun ist das Projekt gestorben, wie es in einem Schreiben heisst, das dem «Bund» zugespielt wurde.

Offenbar kam es zu Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Zulassungsbedingungen für einen tatsächlichen Betrieb des Lufttrams. Die Inbetriebnahme musste mehrmals verschoben und das Projekt zu Beginn des Jahres schliesslich ganz gestoppt werden, wie dem Brief zu entnehmen ist.

Strenge Auflagen

2005 hatte die Berner Tramway-Gesellschaft in enger Zusammenarbeit mit den Lehrwerkstätten Bern (LWB) begonnen, das aussergewöhnliche Tram nach Plänen aus dem Bundesarchiv originalgetreu nachzubauen. Pünktlich zum gemeinsamen 120-Jahr-Jubiläum von Tramway-Gesellschaft und Lehrwerkstätten hätte das sieben Meter lange «Druckluftautomobil» 2008 ausrollen sollen. Doch Auflagen des Bundesamts für Verkehr (BAV) führten mehrmals zu Verzögerungen. Die BAV-Auflagen seien in den vergangenen Jahren «enorm strenger geworden», stellte die Berner Tramway-Gesellschaft bereits in ihrem Geschäftsbericht von 2009 fest. Für eine Stellungnahme, weshalb das Projekt des Lufttrams letztlich scheiterte, war gestern vonseiten der Berner Tramway-Gesellschaft niemand erreichbar.

Andreas Windlinger, Mediensprecher im Bundesamt für Verkehr, verneint eine grundsätzliche Verschärfung der Auflagen des BAV. Er räumt aber ein, dass die Zulassungsbedingungen in den letzten Jahren «den technischen Entwicklungen entsprechend» angepasst worden seien.

Sicherheit der Passagiere

Die Schwierigkeit des Lufttrams liegt an einem ganz bestimmten Punkt: Bei dem geplanten Luftautomobil handle es sich um einen kompletten Neubau und nicht etwa um den Umbau eines früher in Betrieb gewesenen, historischen Fahrzeugs. Denn für ein solches hätten erleichterte Vorschriften gegolten. «Deshalb muss das neue Lufttram die Auflagen für neue Fahrzeuge erfüllen», sagt Windlinger. Dies beinhalte Anforderungen, die für ein nach Plänen aus dem 19. Jahrhundert gebautes Fahrzeug schwierig zu erfüllen sein dürften. Beispielsweise war der Wagenkasten des Originals komplett aus Holz. Der geplante originalgetreue Nachbau eines solchen Holz-Chassis würde die heutigen Auflagen - zum Beispiel jene, welche die Sicherheit der Passagiere betreffen - nicht erfüllen können.

Aufgrund solcher Zulassungsbedingungen kam das Projekt nun Anfang Jahr zum Erliegen. «Die notwendigen Nachweise für eine Zulassung wären extrem aufwendig. Das Risiko, dass der Nachbau die Hürde der Zulassung beim Bundesamt für Verkehr nicht schafft, sei zu hoch», lautet die Begründung im vorliegenden Schreiben.

Das Ende?

Das mit Druckluft betriebene Tram hätte von Berufsbildnern der Lehrwerkstätte zusammen mit Lehrlingen realisiert werden sollen. Wie dem Schreiben zu entnehmen ist, wurde bis zum Projektstopp bereits viel Arbeit investiert. Die Berner Tramway-Gesellschaft sucht nun offenbar eine Lösung, um den noch unfertigen Wagenkasten des Trams «in geeigneter Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen», wie es im Schreiben heisst. Dazu zieht sie auch eine Fertigstellung des Wagenkastens in Betracht. Die teilweise ebenfalls bereits konstruierten oder gefertigten mechanischen Teile übernimmt die BTG von den Lehrwerkstätten und wird sie aufbewahren: «Dies im Hinblick auf eine denkbare spätere Wiederaufnahme der Arbeiten.» Auch wenn es sehr ungewiss ist: Der Traum von einem Lufttram, das wieder in Bern zirkuliert, scheint noch nicht ganz ausgeträumt zu sein. (Der Bund)

Erstellt: 03.11.2011, 09:46 Uhr

Das Lufttram und seine Historie

Die mit komprimierter Luft angetriebenen Trams verkehrten von 1890 bis 1902 auf der ersten Stadtberner Tramlinie vom alten Bärengraben via Bahnhof zum Bremgartenfriedhof. In Druckbehältern im Untergestell und unter den Sitzbänken wurde die komprimierte Luft mitgeführt. Der Vorrat reichte jeweils gerade für eine Fahrt vom Bärengraben bis zum Friedhof und wieder zurück. Damals galten die Pneumatik-Trams als technisches Wunderwerk. Und trotzdem standen sie lediglich zwölf Jahre im Einsatz, denn das Rollmaterial war pannenanfällig und blieb oft stecken.

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