Stadttheater ist «am Ende seiner Lebensdauer»

Die überfällige Sanierung des Berner Stadttheaters macht eine vorübergehende Schliessung des Hauses nötig. Nachdem jahrelang zu wenig gemacht wurde, müssen nun zwischen 20 und 50 Millionen Franken investiert werden.

Aussen stattlich, innen marod: Das Gebäude des Berner Stadttheaters muss für saniert werden. (Franziska Scheidegger)

Aussen stattlich, innen marod: Das Gebäude des Berner Stadttheaters muss für saniert werden. (Franziska Scheidegger)

Marc Lettau

Der Unterhalt des Berner Stadttheatergebäudes wurde über Jahre hinweg derart vernachlässigt, dass bis heute ein Unterhaltsdefizit von 53 Millionen Franken aufgelaufen ist. Und: Rückstellungen, um das Versäumte nachzuholen und den Werterhalt zu sichern, wurden keine gemacht.

Dies ist kurz zusammengefasst die finanzielle Erklärung dafür, warum die Stadttheaterleitung gegenwärtig so dezidiert darauf drängt, dass ihr die Liegenschaft so rasch als möglich im Baurecht übergeben wird. Heute ist das 107-jährige Haus im Portefeuille der Stadtbauten Bern (Stabe).

Übernähme man das Theater im Baurecht, könnte man die überfällige Sanierung rascher und dank dem hausinternen Wissen über den komplexen Betrieb wohl auch kostengünstiger anpacken, argumentiert Theaterpräsident Henri Huber. In jedem Fall sei der Sanierungsbedarf so gross, dass die zeitweilige Schliessung des Theaters unausweichlich werde.

Für die Stabe ist die Baurechtsfrage sekundär. Schwierig sei der Unterhalt letztlich für jeden Eigentümer. Stefan Dellenbach, Leiter des Stabe-Geschäftsbereichs Bauprojektmanagement, teilt aber die Einschätzung, dass zu lange zu wenig für den Unterhalt des Theaters getan worden sei – und dass es jetzt pressiere: Das Theatergebäude stehe im Prinzip «am Ende seiner Lebensdauer». In die Jahre gekommen sei vor allem die «Theatermaschinerie» im Gebäudeinnern.

Theaterpräsident Huber betont, die unschöne Situation sei kein Verschulden den Stabe. Die Regionale Kulturkonferenz gewähre der Stabe einen «politisch begründeten» Mietzins von 1,7 Millionen Franken. Doch der Unterhalt koste nach übereinstimmenden Schätzungen mindestens 3 Millionen. «Die Stabe erhalten heute einen Betrag, der für den Unterhalt nicht reicht. Und wir leiden unter einem schlecht unterhaltenen Haus.»

Der eigentliche Sündenfall liegt aber weiter zurück: Nach der letzten grossen Sanierung von 1982 bis 1984 wurden über zehn Jahre hinweg null Franken für den Unterhalt eingesetzt.

Der Bund

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