Spital-Netz Bern unter Druck

Die Spital-Netz Bern beharrt auf dem Kauf eines teuren Spitzenmedizingeräts für das Zieglerspital. Die Spitalgruppe solle sich am gemeinsamen Unternehmen mit dem Inselspital beteiligen, verlangt der Chef der Klinik Sonnenhof.

Der Alleingang des Zieglerspitals stösst auf Kritik. (Franziska Scheidegger)

Der Alleingang des Zieglerspitals stösst auf Kritik. (Franziska Scheidegger)

Trotz der Empörung von Politikern hält die Spital-Netz Bern AG am geplanten Kauf eines spitzenmedizinischen Grossgeräts fest («Bund» vom 4. Mai). In der Region Bern existiert solch ein PET-CT-Gerät für Tumoruntersuchungen bisher nur am Inselspital, wo es durch die PET Diagnostik Bern AG, ein Partnerunternehmen des Inselspitals und der Privatspitäler Lindenhof und Sonnenhof, betrieben wird. «Das Zieglerspital hat im vergangenen Jahr 88 Patienten für Untersuchungen mit dem PET-Gerät zu uns geschickt», sagt Peter Kappert, Verwaltungsratspräsident der PET Diagnostik und Chef der Klinik Sonnenhof. Dies sei mengenmässig sehr bescheiden.

Kooperation schwierig

Für die Spital-Netz Bern AG rechnet Kappert nicht mit einem starken Wachstum der Nachfrage nach Tumorbehandlungen mit dem PET-CT – das Gerät am Inselspital sei bisher nicht einmal ganz ausgelastet. Kappert kritisiert die Pläne des Zieglerspitals: «Wir haben uns zusammengetan, damit nicht jedes Spital diese teuren Geräte kauft.» In diesem Jahr will das Unternehmen das PET-CT-Gerät von 2005 durch ein neustes Modell ersetzen. Seit 2003 ist auch das Lindenhofspital an der 2002 gegründeten PET Diagnostik beteiligt. «Wir sind für weitere Beteiligungen immer offen», sagt Kappert. Die Kooperation mit der Spital-Netz sei allerdings schwierig, im Hinblick auf die gescheiterte Einbindung der Spitalgruppe in den City-Notfall. Dieser wird vom Inselspital und dem Sonnenhof betrieben.

«Zürcher Zustände vermeiden»

Kappert bezweifelt zudem, dass sich der teure Kauf finanziell lohnen würde: «Wir machen mit dem PET-Gerät keinen Gewinn.» Kappert vermutet, dass die Spital-Netz Bern AG im Hinblick auf die neue Spitalliste des Kantons aufrüsten wolle. Denn ab 2012 muss dieser sowohl für die Privatspitäler als auch für die öffentlichen Spitäler auf seiner Liste rund die Hälfte der Kosten von Behandlungen in der Grundversicherung übernehmen. Fachleute gehen heute davon aus, dass das Geld nicht für alle Spitäler reichen wird und der Kanton gerade im Raum Bern die Liste bereinigen muss.

Zustände wie in Zürich, wo mehrere teure PET-CT-Geräte existierten, welche nicht ausgelastet seien, sollten vermieden werden, sagt Peter Rychiger, Verwaltungsratspräsident des Inselspitals. «Diese teuren Grossgeräte sollten an einem Standort konzentriert werden.» Das Inselspital sei offen für eine Beteiligung der Spital-Netz Bern an der PET Diagnostik. Im Vergleich mit Zürich gibt es aber einen grossen Unterschied: Während dort das Unispital und Privatspitäler PET-CT-Geräte betreiben, will in Bern mit der Spital-Netz Bern eine öffentliche Spitalgruppe das bestehende Gemeinschaftsunternehmen konkurrenzieren.

Der Bund

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