Spital setzt Image aufs Spiel

Biel

Unter den Querelen um die Entlassung des Direktors leidet letztlich primär der Ruf des Spitalzentrums Biel. Der Kanton als Eigentümer wartet ab.

Der Streit um die Spesen- und Überzeitabrechnungen des Direktors des Spitalzentrums Biel, Paul Knecht, und um dessen Entlassung durch den Verwaltungsrat ist zu einer regelrechten Schlammschlacht ausgeartet (siehe «Bund» von gestern). Der Verwaltungsrat hat eine auf Krisenkommunikation spezialisierte Agentur mit dem Fall beauftragt. Knecht seinerseits wirft dem Verwaltungsrat und dessen Präsidentin Irene Truffer vor, immer über die Bezüge informiert gewesen zu sein.

Eigentümer der regionalen Spitalzentren ist gemäss dem neuen Spitalgesetz seit 2007 der Kanton. Bei der zuständigen Gesundheitsdirektion sieht man im Moment aber keinen Handlungsbedarf. Eine Untersuchung sei nicht eingeleitet worden, denn es handle sich um eine Angelegenheit zwischen dem Verwaltungsrat des Spitals und dem fristlos entlassenen Direktor. Im Kanton Bern kam es im Regionalspital Burgdorf vor einigen Jahren bereits zu einem ähnlichen Fall.

In Burgdorf herrscht wieder Ruhe

Ein mehrere Jahre dauernder Streit am Regionalspital Emmental mündete schliesslich im Rücktritt des Verwaltungsrates in corpore. Wie heute in Biel galt der Verwaltungsrat damals auch als überfordert. Regierungsrat Philippe Perrenoud (sp) setzte einen Wirtschaftsanwalt ad interim als einzigen Verwaltungsrat und einen Troubleshooter als Geschäftsführer ein. Erst seit August 2008 ist die Leitung des Regionalspitals mit der Wahl von Bruno Haudenschild zum Direktor wieder komplett. Seither ist in Burgdorf wieder Ruhe eingekehrt. Laut der Gesundheitsdirektion können die Fälle Burgdorf und Biel allerdings nicht verglichen werden, weil in Burgdorf das Vertrauen des Kantons in den Verwaltungsrat gestört gewesen sei – was in Biel bisher nicht der Fall sei.

Nach dem jüngsten Fall am Spitalzentrum Biel stellt sich dennoch die Frage nach dem Einfluss der Politik in den Verwaltungsräten der Regionalspitäler und der Verantwortung des Kantons als Eigentümer. Früher sassen in den Aufsichtsgremien deutlich mehr Politiker, im Verwaltungsrat des Spitalzentrums Biel etwa der heutige Regierungsrat Andreas Rickenbacher (sp), wie die «Berner Zeitung» berichtete. Im Inselspital waren vor einigen Jahren gar der Gesundheitsdirektor und der Erziehungsdirektor von Amtes wegen vertreten. Wegen der Komplexität des Gesundheitswesens will der Kanton die Verwaltungsräte seit einiger Zeit in erster Linie mit entsprechenden Fachleuten statt mit Politikern besetzen. Nur: Es ist offenbar schwierig, genug geeignete Fachleute zu finden, um diese Posten zu besetzen. Die Gesundheitsdirektion beharrt auch nach den jüngsten Vorfällen in Biel auf der grösstmöglichen Autonomie der Verwaltungsräte der Regionalspitäler gegenüber der Politik.

Image schnell ruiniert

Leidtragende der Querelen sind in erster Linie die Regionalspitäler selber, welche Patienten verlieren. Das Image ist schnell ruiniert, und es dauert meist lange, bis es wieder repariert ist. Das Regionalspital Burgdorf ist zwar zur Ruhe gekommen, sein Ruf leidet aber noch heute unter den Vorfällen. Hinzu kommt, dass die Führung des Spitalzentrums Biel bei der bernischen Gesundheitsdirektion dem Vernehmen nach schon länger nicht den besten Ruf geniesst.

Ab 2012 steht derweil ein grundlegender Wechsel an, welcher die Regionalspitäler zusätzlich unter Druck setzen wird: Mit dem neuen Krankenversicherungsgesetz gilt in der Schweiz die freie Spitalwahl. Patienten können sich dann auch in einem anderen Spital behandeln lassen, und der Kanton Bern muss in der Grundversicherung einen Kostenanteil übernehmen.

Der Bund

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