Spital Saanenmöser: Nur in der Uneinigkeit einig

Die Versammlung zum Spital Saanenmöser am Freitag in Gstaad endete ernüchternd. Obersimmentaler und Saanenländer gingen, wie sie gekommen waren: in Zwietracht. Doch damit nicht genug: Erstmals war auch Widerstand aus Saanenmöser zu hören.

Die Argumente von Fachreferenten an der Informationsveranstaltung der Gemeinde Saanen vermochten viele Votanten nicht zu überzeugen. (Manuel Zingg)

Die Argumente von Fachreferenten an der Informationsveranstaltung der Gemeinde Saanen vermochten viele Votanten nicht zu überzeugen. (Manuel Zingg)

Matthias Raaflaub

«Eine Werbeveranstaltung für ein Spital in Saanenmöser.» Diesen Schluss zog ein Votant am Freitag aus dem Informationsabend in der Gstaader Tennishalle («Bund» vom 30. Januar). Während zweieinhalb Stunden hatten davor neun Referenten detailliert Auskunft gegeben über die Rahmenbedingungen des Spitalwesens im Saanenland, dem Pays d’Enhaut und dem Obersimmental. Die für einen Ausbau nötigen Bau- und Investitionskosten in Saanen und Zweisimmen waren vorgerechnet worden, die Spital STS AG hatte die Überlegungen zum Standort Saanenmöser offengelegt und sich für die Akutversorgung von 50 000 Einwohnern zur Tourismussaison bekannt. Ein Mediziner hatte argumentiert, ein grosses Regionalspital diene der Pflegequalität, und auch die Leiterin des kantonalen Spitalamts hatte dazu aufgerufen, die neuen wirtschaftlichen Bindungen nach der neuen Spitalfinanzierung ab 2012 als Chance zu nutzen.

Am Ende stand die Ernüchterung. Mehrere Stimmen aus dem Obersimmental äusserten ihr Unverständnis, weshalb der Standort Zweisimmen nicht mehr diskutiert wurde. Die IG Spitalstandort Zweisimmen-Saanenland, welche sich für das Spital Zweisimmen einsetzt und vorschlägt, dort ein regionales Akutspital zu bauen, war nicht zur Informationsveranstaltung eingeladen worden. «Wir können nicht wieder zurück auf Feld eins. Die Spital STS AG hat sich klar für den Standort Saanenmöser entschieden», sagte Aldo Kropf, Gemeindepräsident von Saanen, dem «Bund» schon vor der Veranstaltung. Im Obersimmental müsse man dies akzeptieren. Auch eine Volksbefragung hätte daran nichts geändert, sagte am Freitag Erwin Walker, Kopräsident der Bergregion Obersimmental-Saanenland, in welcher Ratspräsidenten der sieben betroffenen Gemeinden vereint sind.

Widerstand in Saanenmöser

«Im Saanenland steht man hinter dem Spitalbau in Saanenmöser», hatte Grossrätin Bethli Küng erklärt. Doch in der Tennishalle in Gstaad kritisierten auch Zuhörer aus Saanenmöser den geplanten Neubau in ihrem Dorf. Die Veranstaltung sei «eine Machtdemonstration der Gemeinde Saanen», meinte ein Einwohner. «Nach der IG haben wir neuerdings auch Bewegungen in Saanenmöser, die gegen das Spital sind», sagte der Saaner Gemeinderat Heinz Brand vor den rund 450 Anwesenden. Brigitte Hoefliger vom Dorfverein Saanenmöser hört das nicht gerne. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein Spital in Saanenmöser. Aber wir wollen es nicht mitten im Dorf», sagte Hoefliger gestern auf Anfrage. Eine Umfrage des Vereins habe gezeigt, dass die Mehrheit der Einwohner und Gäste einen weniger zentralen Standort für das Spital bevorzugt, wo überdies kaum mit Einsprachen zu rechnen sei. «Unsere konstruktive Kritik wird aber übergangen», so Hoefliger. Für Aufsehen sorgte die Aussage eines Votanten, das Bauland für den Bau in Saanenmöser sei gar nicht gesichert. Er selbst gehöre zu den Eigentümern und habe das Einverständnis, es abzutreten, nie gegeben.

Laut Brand, der an den Verhandlungen um die Parzellen beteiligt war, handle es sich dabei um Randpartien. Auch Gemeindepräsident Kropf erklärte, das Gros der Landeigentümer habe Absichtserklärungen unterschrieben. «Man kann aber nie Gewissheit haben, wie die Verhandlungen verlaufen werden», sagte er auf Anfrage.

Die Voten aus Saanenmöser hätten ihn indes nicht überrascht. «Wir wussten von diesem Widerstand.» Mit verschiedenen Saanenmösnern habe die Gemeinde schon Gespräche geführt, sagte Kropf.

Zuspruch erhielten die Referenten von mehreren Votantinnen und Votanten, welche sich zum Spital Saanenmöser bekannten. Man müsse sich bewusst sein, dass es bei längerer Zwietracht wahrscheinlich werde, dass die akute Spitalversorgung ganz nach Thun verlegt werde, hiess es. «Wir reissen an den Enden der Tasse, wie es kleine Kinder tun. Fahren wir so weiter, stehen wir bald vor einem Scherbenhaufen», mahnte ein Saaner. Die Einwohner müssten Eigeninteressen hinter sich lassen. Mit Blick auf die erfolgreiche Zusammenlegung von sieben Spitälern der Waadt und des Wallis zu einem Zentrum sagte Brand: «Wir hier sind nicht einmal fähig, zwischen zwei Tälern einen Nenner zu finden.» Die Resultate der Studien zum Spitalstandort seien zu akzeptieren.

Studien gegen Zweisimmen

Sowohl die Analyse des Gesundheitsökonomen Willy Oggier wie auch die von der Bergregion begleitete Machbarkeitsstudie haben laut Peter Dolder, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Spital STS AG, für den Standort Saanenmöser gesprochen. Oggier hielt den Spitalbau in Saanenmöser nach der Schaffung von Gesundheitszentren für die zweitbeste Lösung, hielt ihn aber nicht für politisch umsetzbar. Nun könnte er mit seiner Einschätzung am Ende doch noch recht behalten.

Der Bund

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