Sonderzone für Grossfirma im Wiedlisbachmoos geplant

Auf dem heutigen Armeegelände soll ein Grossinvestor rasch bauen können.

Der Kanton Bern möchte auf dem Wiedlisbachmoss einem Grossinvestor ein schnelles Bauen ermöglichen - genauso wie es im freiburgischen Galmiz im Grossen Moos (Bild) geschehen ist.    <br />(Archiv: Franziska Scheidegger)

Der Kanton Bern möchte auf dem Wiedlisbachmoss einem Grossinvestor ein schnelles Bauen ermöglichen - genauso wie es im freiburgischen Galmiz im Grossen Moos (Bild) geschehen ist.
(Archiv: Franziska Scheidegger)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gemeindebehörden von Wiedlisbach und Wangen an der Aare sowie der Berner Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus haben feierlich eine Vereinbarung unterzeichnet – sie wollen die planerischen Arbeiten für eine sogenannte Strategische Arbeitszone (SAZ) im Wiedlisbachmoos koordinieren und vorantreiben. Das 23 Hektare grosse Areal zwischen Aare und Autobahn soll – «im Bedarfsfall» – für «ein Grossprojekt oder einen Businesspark mit hoher Wertschöpfung» rasch baureif gemacht werden können. Ausgeschlossen seien aber, so teilen sie mit, verkehrsintensive Einkaufs- oder Freizeitzentren.

Auch der Kanton Bern möchte – Stichwort: Galmiz – einem Grossinvestor rasch ein geeignetes Gelände anbieten können, wenn er denn anklopft. Es liege derzeit aber «keine konkrete Anfrage» vor, sagt auf Anfrage Kantonsplanerin Katharina Dobler. Es gehe jetzt darum, die Planung sicherzustellen, sodass ein künftiger Investor «in überblickbarem Zeitrahmen» bauen könnte und nicht mehrjährige Planungsarbeiten abwarten müsste.

Ein grosses Fragezeichen

Das Gelände im Wiedlisbachmoos sei für die Ansiedlung eines grossen Unternehmens «strategisch hervorragend gelegen », sagt Kantonsplanerin Dobler. Es liege «günstig im Gesamtraum», und es sei verkehrstechnisch sehr gut gelegen, unmittelbar neben der Autobahnausfahrt Wangen.

Und doch bleibt ein grosses Fragezeichen: Denn noch ungewiss ist laut Dobler, ob die Eigentümer das Gelände überhaupt freigeben. Das Areal, das vollständig auf dem Gebiet der Gemeinde Wiedlisbach neben dem Waffenplatz Wangen liegt, gehört zu 95 Prozent der Armee. Der Kanton hoff t nun, so schreibt er in seiner Mitteilung, dass der Bund das Gelände – «angesichts des offensichtlichen Nichtgebrauchs für militärische Zwecke» – zur Verfügung stellen wird. Man sei in Kontakt mit den Bundesstellen, sagt Dobler, deren Pläne für das Areal seien aber noch nicht klar.

Ein Signal an den Bund

Die Vereinbarung des Kantons mit den Gemeinden sei denn auch als «Signal» an den Bund zu sehen, sagt Dobler: ein Zeichen, dass Kanton und Gemeinden das Gelände gerne als Standort eines grossen Wirtschaftsunternehmens sähen.

Ermutigt sehen sich die Berner in ihren Plänen auch durch die Schweizerische Bau-, Planungs- und Umweltschutzdirektorenkonferenz. Diese hat eine schweizweite Evaluation geeigneter Flächen unter Beteiligung des VBS durchgeführt. Das Wiedlisbachmoos wurde darin als geeigneter Standort taxiert.

Die Strategischen Arbeitszonen für die Ansiedlung grosser Firmen sind Teil des kantonalen Entwicklungsschwerpunkte-Programms (ESP). Als weitere Sonderzonen listet dieses folgende Areale auf: • Flugplatz Interlaken • Lyssach-Schachen • Ostermundigen Mösli • Schönbrunnen Münchenbuchsee • Müntschemier Brachmatte • Biel/Pieterlen

Die Ausscheidung von Strategischen Arbeitszonen ist allerdings keine einfache Sache: So ist das Projekt ESP Lyssach-Schachen derzeit sistiert und in Müntschemier stimmten die Bürger gegen den Bau einer Grosssägerei. Sie lehnten den Verkauf des benötigten Gemeindelands ab. Das Gebiet Ostermundigen Mösli liege innerhalb des ESP Wankdorf, der derzeit realisiert werde, und stelle, so formuliert Kantonsplanerin Dobler, ein «längerfristiges Potenzial» dar. Und im Gebiet Schönbrunnen Münchenbuchsee liefen derzeit «verschiedene Verhandlungen und Vorabklärungen». (Der Bund)

Erstellt: 22.07.2011, 07:59 Uhr

Galmiz: Der grosse Streitfall

Im Jahr 2005 geriet Galmiz in die Schlagzeilen: Die Freiburger Regierung zonte in einer Blitzaktion 55 Hektare Landwirtschaftsland im Grossen Moos für die Ansiedlung eines zunächst unbekannten Unternehmens in die Bauzone um.

Es ging, wie allmählich bekannt wurde, um den US-Pharmakonzern Amgen, und der wählte schliesslich Irland als Standort seiner neuen Produktionsstätte. Die Freiburger Umzonung erntete harte Kritik, nicht nur von Landschaftsschützern und Raumplanern, sondern auch von andern Kantonen. Und sie beschleunigte die Bestrebungen der Kantone, die Planung geeigneter Standorte für die Ansiedlung grosser Unternehmen an die Hand zu nehmen.

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Werbung

Immobilien

Die Welt in Bildern

Schmucke Brille: Ein Model führt in Mailand die neusten Kreationen von Dolce und Gabbana vor. (24. September 2017)
(Bild: Antonio Calanni/AP) Mehr...