Solikonzert für schwulen Nigerianer nicht bewilligt

Ein Gesuch für ein Solidaritätskonzert vor dem Regionalgefängnis Bern für den schwulen Nigerianer O. wurde abgelehnt. Die Gründe dazu werfen Fragen auf.

Die Zukunft um den schwulen Nigerianer O. ist weiterhin ungewiss. Zurzeit wartet er im Regionalgefängnis Burgdorf auf eine bessere Zukunft.

Die Zukunft um den schwulen Nigerianer O. ist weiterhin ungewiss. Zurzeit wartet er im Regionalgefängnis Burgdorf auf eine bessere Zukunft.

(Bild: Adrian Moser)

Der homosexuelle Nigerianer O.* steht vor der Ausschaffung in seine Heimat. Dies obwohl man für Homosexualität in Nigeria mit 14 Jahren Haft bestraft werden kann. Am 24. April wurde vom Unterstützungskomitee «Liberty for O.» bei der Stadt Bern ein Gesuch für ein Solidaritätskonzert vor dem Regionalgefängnis Bern eingereicht, das aber eine Woche später abgelehnt wurde. Die Antwort aus der Stadtkanzlei sorgt bei den Unterstützern für Unverständnis. Im Schreiben steht, dass «aus sicherheitspolizeilichen Gründen können Kundgebungen oder Veranstaltungen nicht unmittelbar vor dem betroffenen Objekt bewilligt werden».

Elango Kanakasundaram vom Komitee ist überrascht und hinterfragt das Schreiben: «Wenn man diese Begründung ernst nimmt, sollten theoretisch alle Gesuche für eine Demo auf dem Bundesplatz abgelehnt werden, die sich auf einen Entscheid des Bundeshauses beziehen», sagt er auf Anfrage. Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei, räumt gegenüber DerBund.ch/Newsnet ein, dass die Formulierung unglücklich sei, verweist aber darauf hin, dass es «nicht dasselbe ist». So wurde der Entscheid aus Sicherheitsgründen gefällt und nicht aufgrund der Lokalität. Ausserdem wurde den Antragsstellern Alternativen angeboten.

Das erhoffte «Laissez-passer» für O. scheint gescheitert zu sein. Am 9. Mai sollte er einer Delegation der nigerianischen Botschaft vorgeführt werden, um ein Reiseersatzdokument zu erhalten. Laut dem Bundesamt für Migration (BFM) ist es aber zu keinem Identifikationsgespräch gekommen ist. Weshalb es nicht dazu kam, wollte das BFM aufgrund des laufenden Prozesses nicht beantworten. Auch die Wiedererwägung des Asylgesuches, eingereicht vom Unterstützungskomitee, ist hängig und wird überprüft, ob es den formellen Anforderungen genügt.

O. wurde Anfang Mai ans Regionalgefängnis in Burgdorf überführt. Luzius Theiler, Mitglied des Stadtrats, ist der Meinung, dass die zuständigen Behörden damit der ganzen Geschichte Wind aus den Segeln nehmen wollen und darauf hoffen, dass der Widerstand weniger bemerkbar werden soll. Er hat infolgedessen einen Antrag gestellt, um die Ausschaffung abzuwenden. Die schriftliche Antwort wird in drei Wochen erwartet. Das Unterstützungskomitee setzt sich weiterhin für O. und hat, trotz der Verlegung, vor dem Gefängnis in Burgdorf ein Grillen veranstaltet. Dies wurde aber deutlich weniger besucht als vorhergehende Veranstaltungen.

*Name der Redaktion bekannt

DerBund.ch/Newsnet

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