Seine Rolle spielt er ohne Gage

Das Kleintheater Katakömbli an der Kramgasse schlägt sich ohne Subventionen durch. Ohne ehrenamtliche Helfer und Vorstandsmitglieder und einen entgegenkommenden Vermieter wäre das Ende wohl nah.

Herzblut ist gefragt: Heinz Hofmann vor dem Bühnenbild des Zweipersonenstücks «Mitten ins Herz». (Valérie Chételat)

Herzblut ist gefragt: Heinz Hofmann vor dem Bühnenbild des Zweipersonenstücks «Mitten ins Herz». (Valérie Chételat)

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Bei jeder Gelegenheit bleibt die schwere Holztür offen – die frische Luft soll die Feuchtigkeit aus dem Kellertheater vertreiben. Manchmal treten neugierige Fremde ein. «Mami, da führt eine Treppe hinunter», klingt es dann etwa. «Ich musste auch schon asiatische Touristen bitten, wieder rauszugehen», erzählt Heinz Hofmann, Leiter des Kellertheaters Katakömbli. Das Theater befindet sich an prominenter Lage – in der Berner Altstadt.

Das Katakömbli an der Kramgasse gehört seit über 40 Jahren zur Kleinkunstszene der Stadt Bern. Wie kann ein Kleintheater an bester Lage in Bern ohne Subventionen überleben? Das Gespräch mit dem Vorstandspräsidenten Heinz Hofmann soll Aufschluss geben. Vom kleinen runden Tisch aus ist die Bühne gut sichtbar. Mit Bistrot-Bestuhlung passen 45 Stühle rein – ohne Tische finden 55 Zuschauer Platz. Das Bühnenbild steht bereit für den Premiereabend. Seit dem 27. April spielt die Gruppe Nota Bene das Zweipersonenstück «Mitten ins Herz» von Angelika Bartram im Katakömbli.Hofmann ist einer von sieben Genossenschaftern, die sich die Hauptarbeit rund um das Kellertheater teilen. Alle engagieren sich ehrenamtlich – «jeder macht, was ihm liegt». Der 56-jährige Hofmann ist Kadermitglied beim Reiseanbieter Railtour. Das Theater ist sein Hobby, wofür er wöchentlich zwei bis drei Stunden investiert. Auch die anderen Vorstandsmitglieder widmen sich in der Freizeit dem Theater.Im Mai feiern die Genossenschafter mit zahlreichen Gästen das 20-jährige Bestehen der Theater-Genossenschaft. Hofmann ist eng mit der Geschichte des Katakömbli verbunden. Er war in den Siebzigerjahren Teil des Cabarets Bärner Rohrspatze. Sein Traum war, professioneller Schauspieler zu werden. Dieser Traum platzte mit dem Ende des Cabarets. Mit der gleichzeitigen Familiengründung fehlte ihm der Mut, finanzielle Risiken einzugehen. Das Katakömbli war das langjährige Haustheater der Bärner Rohrspatze. Mit dem Tod des Gründers und Texters Harry von Graffenried – einem Cousin von «Bund»-Verleger Charles von Graffenried – löste sich die Truppe 1984 auf.Seither beheimatet das Kellertheater kein Ensemble mehr. Auf der Bühne gastieren Schauspieler, Musiker, Tänzer oder Clowns. «Das hilft, die Kosten tief zu halten», sagt Hofmann. Dass andere Theater ohne feste Schauspielertruppe – wie etwa das La Cappella im Breitenrain oder das Theater an der Effingerstrasse (100'000 Franken pro Jahr respektive 250'000 Franken) Subventionen erhalten, stört ihn nicht. «Dafür haben wir keine Auflagen und können machen, was wir wollen.»Ab 2012 will die Stadt Bern zahlreiche Kulturhäuser mit Beiträgen von insgesamt über 28 Millionen Franken unterstützen. Allein das Konzert Theater Bern, das Fusionsprodukt von Stadttheater und Berner Symphonieorchester, soll davon jährlich gut die Hälfte erhalten – vorausgesetzt, das Stimmvolk stimmt am 15. Mai den Kulturverträgen zu.

Reservationen bei Büchi Optik

Das Theater Katakömbli ist von Anfang Oktober bis Mitte Mai geöffnet. Auf Anfrage lässt sich das Lokal auch für ein Fest mieten. Die telefonische Reservation für die Produktionen übernimmt Büchi Optik; der Brillenladen befindet sich oberhalb des Theaters. Auch dieses Engagement ist unentgeltlich. Hintergrund: Dem Laden- und Gebäudebesitzer Alfred Elmer gehört auch das Kellerlokal. «Wir bezahlen nur knapp 800 Franken Miete», so Hofmann. Die Marktmiete entspräche wohl rund 2500 Franken. «Für Elmer senior ist das ein kultureller Beitrag.» Als vor 10 Jahren Elmers Liegenschaft an der Kramgasse 25 umgebaut wurde, liess er Abwasserrohre und eine Heizung im Kellertheater einbauen – ohne die Miete zu erhöhen. Auch kleinere Renovationen bezahlt der verständnisvolle Vermieter.

Dass das Katakömbli nicht gewinnorientiert arbeitet und sich alle Helfer ehrenamtlich engagieren, schafft ein Umfeld, von dem sich auch andere anstecken lassen. Der Förderverein zählt rund 100 Mitglieder. Die Beiträge bringen pro Saison rund 5000 Franken ein.Im Gastspielvertrag regelt Hofmann mit den Künstlern die Verteilung der Einnahmen. In der Regel sind es 70/30-Verträge: 70 Prozent der Einnahmen gehen an die Künstler, der Rest in die Kasse der Genossenschaft. «Einfach gesagt, stehen den Einnahmen von insgesamt rund 50'000 Franken Ausgaben in gleicher Höhe gegenüber», sagt der passionierte Theater-Mann.Entlang zweier Wände im Katakömbli stehen mit schwarzem Leder überzogene Sitzbänke. Diese zusammen mit der Bar waren eine Gabe, als das Kulturzentrum im alten Bauernhaus in Boll aufgelöst wurde. Das Theater zählt auch zahlreiche Sponsoren: Den Faltprospekt mit dem Programm stellt eine Druckerei her, die die Arbeit und das Material nicht verrechnet. Hofmann ist bei Railtour Leiter Druck und Werbematerial. Das Büro hat er in Zollikofen. Er lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Estavayer-le-Lac. Ob ihm das Engagement rund um das Katakömbli nicht manchmal zu viel wird? «Ich bin nie an der Bar oder an der Kasse, das übernehmen Helfer aus Bern.» Aber gegen Ende Saison hat er «schon etwas genug» und freut sich auf die Sommerpause.

Emils Freundschaftsbesuch

«Erhielten wir Subventionen, könnten wir auch mal einen bekannten Künstler wie Emil Steinberger einladen», sinniert Heinz Hofmann. Aber auch so ist die Schweizer Kabarett-Legende schlechthin in Reichweite. Hofmann nahm in den Siebzigerjahren mit den Rohrspatze an einem von Emil Steinberger organisierten Kulturanlass teil. Aus dieser Zeit kennen sie sich. Jüngst besichtigte Steinberger das Katakömbli. Es war vorerst ein Freundschaftsbesuch. (Der Bund)

Erstellt: 29.04.2011, 10:03 Uhr

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