Schloss Hünigen wird verkauft

Das Evangelische Gemeinschaftswerk EWG betrachtet die Hotellerie nicht als «Kernaufgabe» und verkauft das Parkhotel Schloss Hünigen in der Gemeinde Konolfingen. Das Schloss geht in den Besitz der Thurgauer Immobilienfirma Lark Hill AG über, die den 4-Sterne-Betrieb im bisherigen Rahmen weiterführen will.

Zum Schloss Hünigen in der Gemeinde Konolfingen gehört auch ein grosser Park. (Adrian Moser)

Zum Schloss Hünigen in der Gemeinde Konolfingen gehört auch ein grosser Park. (Adrian Moser)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Evangelische Gemeinschaftswerk EGW verkauft das Schloss Hünigen mit dem 4-Sterne-Parkhotel an die Ostschweizer Immobilienfirma Lark Hill AG. «Beim Hotel handelt es sich nicht um eine Kernaufgabe des EGW und auch nicht mehr um ein geeignetes Mittel, diese zu erfüllen» sagt Erwin Bänteli, Co-Präsident des EGW, das rund 4000 Mitglieder zählt. Die Kernaufgaben seien Lehre und Verkündigung des Evangeliums, Pflege der Gemeinschaft und Diakonie. Zudem sei es durch den Betrieb des Hotels nicht gelungen, genügende Reserven für anstehende Investitionen zu bilden. «Es brachte zu wenig ein, um Eigenmittel aufzubauen», erklärt Bänteli. Zudem wäre es wohl kaum möglich, von den Mitgliedern des Gemeinschaftswerks Spenden für Investitionen in ein Luxushotel zu verlangen. Die emotionale Distanzierung der Basis vom Schloss begann 1997, als die Liegenschaft in ein 4-Sterne-Hotel umgebaut wurde.

Entscheid fiel ohne Gegenstimme

Die Delegiertenversammlung beschloss den Verkauf am vergangenen Samstag. Der Entscheid der 115 anwesenden Delegierten sei ohne Gegenstimme gefallen, sagt Bänteli. Die Entflechtung bedeute auch eine Freisetzung von Kräften für den Kernauftrag. Zudem habe das EGW keine Spezialisten im Bereich Hotellerie. Seit 2005 wird der Betrieb des Parkhotels von einer AG geführt. Das EGW kontrolliert die AG über einen Verwaltungsrat.

Belegschaft wird übernommen

Auf Neujahr geht das Parkhotel mit 40 Vollzeitstellen an die Lark Hill AG. Über die Höhe der Verkaufssumme wurde Stillschweigen vereinbart. Die Lark Hill AG sei ein national ausgerichtetes Immobilienunternehmen, heisst es in einer Mitteilung. Die neue Besitzerin sei stolz, dieses «bauliche und historische Bijou» erwerben zu können. Die gesamte Belegschaft wird übernommen und der Betrieb weitergeführt. Das Parkhotel soll noch tiefer und breiter im Markt positioniert werden. Bänteli zeigte sich überzeugt, mit der Lark Hill AG einen seriösen Investor gefunden zu haben. Für das Schloss gab es auch andere Interessenten, bei denen die Verträglichkeit mit dem Dorf und den Werten des EGW nicht garantiert gewesen wäre.

Fredi Wohlwend, zusammen mit Marcel Thoma Inhaber der Lark Hill AG, spricht von einem langfristigen Investment. «Wir glauben ans Potenzial von Hünigen, das Parkhotel ist gut positioniert und passt in unser Portefeuille.» Im Portefeuille der Lark Hill befinden sich ansonsten vor allem Wohnbauten. Das Schloss Hünigen blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Bis 1588 gehörte die Herrschaft Hünigen mit dem Schloss in seinen Ursprüngen der Familie von Scharnachthal. Danach ging es in den Besitz der Berner Patrizierfamilie von May über. 1922 übernahm die Genossenschaft «Christliches Heim Schloss Hünigen» von der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern (EGB) das Schloss von der Familie von May. Federführend bei der Übernahme war der Dichter Rudolf von Tavel, langjähriges Mitglied im EGB-Hauptkomitee. Lange Jahre diente es als Studienzentrum.

Bei Fussballern beliebt

Seit der Gesamtrenovation und Erneuerung 1997/98 wird das Haus als 4-Sterne-Seminar- und Banketthotel geführt. Während der Euro 2008 nächtigten beispielsweise die rumänische und die italienische Fussballnationalmannschaft vorübergehend im Schloss. YB hat sich in der ruhigen Atmosphäre des Parkhotels auf die Partie gegen Tottenham Hotspur vorbereitet. Das Hotel ist nicht nur bei Fussballern, sondern auch bei Politikern beliebt: Auch der Bundesrat führte dort schon Sitzungen durch.

Das EGW entstand 1996 aus dem Zusammenschluss der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern und des Verbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften des Kantons Bern. Beide Werke reichen mit ihrer Gründung zurück in das Jahr 1831. (Der Bund)

Erstellt: 01.11.2010, 07:34 Uhr

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Sweet Home Zeit, sich ums Esszimmer zu kümmern

Tingler Schreiben Sie Tagebuch?

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...